Zum Tod von Marie Laforêt Die Entrückte

Sie spielte früh an der Seite von Stars wie Delon und Belmondo, sang Hits von den Stones und Simon & Garfunkel auf Französisch. Nun ist die eigenwillige, elegante Marie Laforêt mit 80 Jahren gestorben.

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Sengende Sonne über dem Mittelmeer, Küsse auf salziger Haut, halbnackte gebräunte Männerleiber an Tischen voller Meeresfrüchten: Gleich ihr erster Film war ein sinnlicher Überwältigungsakt. Marie Laforêt war gerade 20 geworden, da spielte sie 1960 in René Cléments "Plein soleil" ("Nur die Sonne war Zeuge"), einem in vielfacherweise mit Erwartungen und Begierden aufgeladenen Film.

Die Vorlage dieses mit stimulierenden Schauwerten in Szene gesetzten Thriller lieferte der hochgehandelte Roman von Patricia Highsmith (später in Deutschland als "Der talentierte Mr. Ripley" vertrieben). Die Kulisse bestand aus Segelschiffen, Fischrestaurants und offenen Hotelfassaden zwischen Ischia und Neapel. Die männlichen Hauptrollen übernahmen Maurice Ronet und Alain Delon, die damals größten Kinostars Frankreichs. Und schönsten Männer Europas.

Die an der französischen Atlantikküste geborene Debütantin Laforêt behauptete sich souverän in diesem maritimen Dreiecks-Krimi über Täuschung, Verrat und Mord. Die Männer bebten vor mediterranem Glück und düsterem Begehren, Laforêt indes spielte ihre Rolle mit einer gewissen Distanziertheit. Das elegante, ungewöhnliche Oval ihres Gesichts strahlte von Natur aus Entrücktheit aus, ihr Blick richtete sich oft in die Weite, so als ob dort etwas Interessanteres stattfände als bei den Typen, die aufgeregt vor ihrer Nase agierten.

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Marie Laforêt: Entfesselte Eleganz

Im Anschluss spielte Laforêt zwar immer wieder das jugendliche Objekt der Begierde, etwa "Amour in St. Tropez" (1961) oder "Das Mädchen mit den Goldenen Augen" (1961). Doch gelang es der jungen Schauspielerin stets, sich neben den bekannteren Stars zu behaupten, etwa neben Charles Aznavour in "Rattenfalle Amerika" (1963), Jean-Claude Brialy in "100 Millionen im Eimer" (1965) oder, Obacht, Pierre "Winnetou" Brice in "Die Nacht gehört uns" (1967).

Parallellaufbahn mit Stones und Sinatra

Wie viele französische Kolleginnen ihrer Zeit erhielt sie mit ihren ersten Erfolgen als Schauspielerin das Angebot, Schallplatten aufzunehmen. Doch im Gegensatz zu etwa Brigitte Bardot oder Jeanne Moreau baute sie sich eine ansehnliche Parallellaufbahn mit der Musik auf, die sich als sehr viel solider und langwieriger erwies als ihre Schauspielkarriere.

Mit "Les vendanges de l'amour" hatte Laforêt 1963 ihren ersten Hit, später sang sie auf Französisch die englischsprachigen Gassenhauer der Rolling Stones, von Simon & Garfunkel und von Nancy Sinatra und Lee Hazelwood. Außerdem interpretierte sie Lieder auf Deutsch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Japanisch. Ihr vielleicht größter Hit trug den Titel "Viens, viens" (1973), ein hingebungsvolles, am Ende gar heiseres Crescendo über unbedingte Leidenschaft.

Dieser Ausbruch der Gefühle steht im schönen Gegensatz zu dem zärtlichen Spott und der eleganten Ironie, die Laforêt ebenfalls ganz gut beherrschte, zum Beispiel in den Action-Komödien, die sie mit Jean-Paul Belmondo drehte. 1979 spielte sie mit ihm in "Der Windhund" (1979), später in "Die Glorriechen" (1984) oder "Fröhliche Ostern" (1984), wo als zweite Leading Lady Sophie Marceau mitwirkte. Marceau war kurz zuvor durch die "La Boum"-Filme zum Star geworden - in einem noch viel jüngeren Alter als Laforêt selbst ein Vierteljahrhundert zuvor.

Mit Marceau sollte sie indirekt auch später noch verbunden bleiben: Laforêts Tochter Lisa Azuelos setzte die Erfolgskomödie "LOL" in Szene, die Marceau 2008 ein beachtliches Comeback bescherte. Laforêt selbst, die ab Mitte der Siebzigerjahre in der französischsprachigen Schweiz lebte, blieb nach den Kinohits mit Belmondo eine relevante späte Schauspielkarriere allerdings verwehrt.

Wie Schweizer Medien am Sonntag berichteten, starb Marie Laforêt am Samstag in einer Klinik in Genolier in der Schweiz. Sie wurde 80 Jahre alt.



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Papazaca 04.11.2019
1. Laforet, Hardy, Bardot, die großen Französinnen
Also, Ronet war ein sehr guter Schauspieler, Aber einer der bestaussehensten Schauspieler Frankreichs? Das war sicher Delon. Aber zum Thema: Laforet erinnert an ein vergangenes Frankreich, das auch durch außergewöhnliche Frauen geprägt wurde, wie die Bardot, Hardy, Moreau, Laforet, Barbara, Greco u. a. Dieses Frankreich ist jetzt Geschichte. Was bleibt sind Filme wie " Nur die Sonne war Zeuge" und viele Chansons und Schlager. Interessant, wie diese großen Frauen das Frankreich-Bild für lange Zeit geprägt haben.
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