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Nach SPIEGEL-Bericht über Til Schweiger Constantin Film leitet Untersuchung ein

Beim Dreh zu »Manta Manta 2« hat Til Schweiger einen Mitarbeiter geschlagen. Martin Moszkowicz, Chef der Produktionsfirma Constantin, bestätigt dies jetzt. Eine »externe Compliance-Analyse« soll weitere Aufklärung bringen.
Filmproduzent Moszkowicz: »Keine weiteren Projekte mit Til Schweiger geplant«

Filmproduzent Moszkowicz: »Keine weiteren Projekte mit Til Schweiger geplant«

Foto: Hannes Magerstaedt / Getty Images

Der Chef der Filmproduktionsfirma Constantin, die im Zusammenhang mit einer SPIEGEL-Recherche über Schikane und Gewalt bei einem Filmdreh in die Kritik geraten ist, hat sich in einem Zeitungsinterview erstmals zu den Vorwürfen geäußert. Martin Moszkowicz sagte gegenüber der »Frankfurter Allgemeinen« , er nehme die Vorwürfe »sehr ernst, und wir haben mit einer intensiven Aufklärung begonnen.«

Man habe mit Til Schweiger im vergangenen Jahr zwei Filme gemacht, so Moszkowicz. Die Produktion von »Das Beste kommt noch« sei problemlos verlaufen, bei »Manta Manta – Zwoter Teil« sei es aber »zu sehr bedauerlichen Vorfällen gekommen«. Er hoffe sehr, »dass Til seine Probleme in den Griff bekommt«. Die Constantin Film habe mit Til Schweiger keine weiteren Projekte über die beiden bereits hergestellten Filme hinaus geplant.

Zu konkreten Vorwürfen, die zuerst im SPIEGEL öffentlich gemacht worden waren, äußerte sich der 65-jährige Filmproduzent in der »FAZ« unterschiedlich klar. Zu dem Gewaltvorfall mit einem Constantin-Mitarbeiter sagt Moszkowicz, am betreffenden Drehtag sei »Til Schweiger – augenscheinlich stark alkoholisiert – von einem Mitarbeiter der Con­stan­tin Film daran gehindert worden, mit der Arbeit am Drehort zu beginnen. In der anschließenden Auseinandersetzung kam es zu einer Tätlichkeit.« Tätlichkeiten am Drehort führten ausnahmslos zu einer »Abmahnung mit Androhung von Kündigung und Schadensersatz im Wiederholungsfall« – so sei man auch in Schweigers Fall vorgegangen.

Ein Crewmitglied hatte dem SPIEGEL davon berichtet, dass eine Mitarbeiterin durch das Dach einer einsturzgefährdeten Fabrikhalle gefallen sei. Dieser Fall werde von der Berufsgenossenschaft untersucht, so Moszkowicz. Allgemein habe man eine externe Compliance-Analyse der Dreharbeiten bei einer unabhängigen Kanzlei in Auftrag gegeben, um »die Fehler und Probleme bei dieser Produktion zu analysieren«.

»Vollbeschäftigung« in der Branche

Die gegen Til Schweiger erhobenen Vorwürfe haben zu einer über die einzelne Produktion hinausgehende Diskussion um die Arbeitsbedingungen an deutschen Filmsets und Machtmissbrauch von Regisseuren geführt. (Lesen Sie hier einen umfassenden SPIEGEL-Report zum Thema )

Constantin-Chef Moszkowicz fordert dazu einen branchenweiten verpflichtenden »Code of Conduct«. Sein Unternehmen habe bereits einen solchen Moralkodex. Auch die Kulturstaatsministerin Claudia Roth hatte ähnliche Forderungen geäußert und darüber nachgedacht, die Vergabe öffentlicher Fördermittel an eine solche Selbstverpflichtung zu knüpfen.

Martin Moszkowicz beteuert, er wolle mit der Constantin Film »Teil der Lösung sein«. Er beklagt allerdings, dass sich keine der vom SPIEGEL zitierten Mitarbeiterinnen an sein Unternehmen gewendet habe, »auch nicht an unsere unabhängige externe Vertrauensstelle«. Auch die Schauspielerin Nora Tschirner, die sich nach Veröffentlichung der Vorwürfe gegen Til Schweiger mit den über 50 Filmschaffenden solidarisch gezeigt hatte (»Da mache ich nicht mehr mit«), sei »in all den Jahren nie zu mir gekommen und hat gesagt: Die Zustände bei der Constantin Film sind so untragbar, dass ich hier nicht mehr arbeiten will.«

Die häufig geäußerte Erklärung, dass Missstände nicht öffentlich gemacht würden, weil man befürchten müsse, als Nestbeschmutzer nicht mehr für Produktionen gebucht zu werden, weist Moszkowicz zurück. Es herrsche »Vollbeschäftigung« in der Branche, jedes Crewmitglied finde »sofort woanders einen Job. Niemand ist wirtschaftlich von einem bestimmten Produzenten oder Regisseur abhängig.«

Für die aus Zeitdruck entstehenden Anspannungen und Gefahren sieht der Constantin-Chef nur eine Lösung: »weniger Produktionen, besser ausgestattet«. Der Markt vergrößere sich nicht, die Fördertöpfe wüchsen nicht, deshalb könnten nur so fairere Produktionsbedingungen gewährleistet werden.