Melodram "Eine Familie" Der Tod und die Sonne

Berührend, ehrlich, wunderschön: Der dänische Kinofilm "Eine Familie" beobachtet eine glückliche Sippe dabei, wie sie auf einmal mit dem Tod umgehen muss. Das Sterben wird hier natürlicher Teil des Leben.

TOBIS Film

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Manchmal läuft es einfach zu perfekt. Da wartet man dann fast darauf, dass das Schicksal zuschlägt. Die Kopenhagener Galeristin Ditte Rheinwald (Lene Maria Christensen) ist in so einer Phase: Ihr geliebter Vater (Jesper Christensen) hat sich gerade von einer Krebserkrankung erholt, sie hat ein spektakuläres Jobangebot aus New York bekommen, und ihr hübscher Künstlerfreund ist bereit, ihr dorthin zu folgen.

Als Ditte dann auch noch feststellt, dass sie schwanger ist, wäre eigentlich auch ein Grund zur Freude, wenn es nicht mit dem Jobangebot kollidieren würde. Aber sie ist sich sicher, zusammen mit ihrem Freund die richtige Entscheidung zu treffen, ob es nun eine für das Kind oder für den Job ist.

"Eine Familie" der dänischen Regisseurin Pernille Fischer Christensen ("Eine Soap") beginnt als sonniger Blick in eine Familienwelt, in der alles in Ordnung ist. Schon der Vorspann zeigt einen Clan im Glück: Mit alten Familienfotos gibt es einen kurzen Abriss der Familiengeschichte der Rheinwalds - der Urgroßvater kommt aus Deutschland nach Dänemark und legt den Grundstein für ein Bäckerei-Imperium; der Großvater baut es aus und wird zum Brotlieferanten des Königshauses; der Vater führt die Geschäfte erfolgreich weiter, zeugt zwei Töchter mit seiner ersten Frau und zwei weitere Kinder mit seiner zweiten. Alle verstehen sich prächtig, zusammen ergeben sie das Idealbild einer Patchwork-Familie, das Leben könnte nicht schöner sein.

Das Unglück in warmes Licht getaucht

Man sollte nicht zuviel verraten über das, was in "Eine Familie" später geschieht, aber das große Glück ist bald zu Ende. Der Vater wird wieder krank und diesmal gibt es keine Hoffnung; seine zweite Frau will es nicht noch einmal ertragen, ihn durch die Krankheit zu begleiten. Er selbst sucht verzweifelt einen würdigen Nachfolger für das Unternehmen - und findet nur Ditte, die auf einmal ihr Leben zusammen fallen sieht.

"Eine Familie" ist die Geschichte eines langsamen Sterbens und trotzdem kein Film, der deprimieren will. Die Sonne scheint auch weiter, wenn das Unglück sich zusammenbraut, Regisseurin Fischer Christensen taucht die Geschichte in ein warmes, sommerliches Licht, das natürlich aussieht und doch merkwürdig wirkt, wenn jemand auf den Tod wartet. Nichts löst sich in Wohlgefallen auf, es gibt Konflikte, die bis zum Ende nicht gelöst werden, aber auch das zeigt Fischer Christensen als natürlichen Prozess - als etwas, das traurig ist, aber eben ein Teil des Lebens, wenn es zu Ende geht.

Kein Pathos, keine Spur von Kitsch, ein fast dokumentarisches Kleben an den Figuren ohne Voyeurismus sehe wir hier: Alles wirkt echt. Jeder, der schon einmal jemanden verloren hat, wird sich in diesem Film wiederfinden können. Es ist ein trauriges, tief bewegendes Stück Kino über die Unmöglichkeit, mit dem Tod zu leben. Tränen treibend, ehrlich, wunderschön.



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lichtbote 03.03.2011
1. Unmöglich?
Unmöglich, mit dem Tod zu leben? Es gibt auch ganz andere Erlebnisse, ganz besonders gut dargestellt in dem Buch "Vier minus drei". Unbedingt zu empfehlen allen, die auch im Tod einen tiefen Sinn finden wollen. Der Tod ist ja nur das Ende des physischen Lebens, die Seele lebt weiter. Übrigens hat man sogar (Quantenphysik)wissenschaftlich festgestellt, dass die Menschen eine Seele haben, deren Energie nicht verloren gehen kann, auch wenn der körper stirbt. Wenn man den Sinn des Sterbens erkennt, kann man meiner Meinung nach sehr gut mit dem Tod leben.
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