Michael »Bully« Herbig zur Winnetou-Debatte »Die Comedy-Polizei ist so streng geworden«

Es war sein größter Kinoerfolg, trotzdem würde er den »Schuh des Manitu« heute so nicht mehr drehen, sagt Michael »Bully« Herbig in einer Talkshow. Auf die deutsche Comedy sieht er schwere Zeiten zukommen.
Michael »Bully« Herbig ist seit Jahren ein fester Bestandteil der deutschen Kulturszene

Michael »Bully« Herbig ist seit Jahren ein fester Bestandteil der deutschen Kulturszene

Foto: Peter Hartenfelser / IMAGO

Die Zeiten im Film seien andere geworden, sagt Komiker, Drehbuchautor und Regisseur Michael »Bully« Herbig. Seine Westernkomödie »Der Schuh des Manitu« würde er mittlerweile nicht mehr so umsetzen, sagte der 54-Jährige in der Talkshow »3 nach 9« im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo. »Den Film hab ich vor 22 Jahren gemacht und es war eine Parodie auf Filme, die vor 60 Jahren im Kino waren.« Das habe damals mit Leidenschaft, Spielfreude und der Verwirklichung von Träumen zu tun gehabt.

Neuer Film kommt Ende des Monats

»Die Comedy-Polizei ist so streng geworden«, sagte Herbig weiter. Das nehme ein bisschen die Unschuld und Freiheit, so Herbig, der am 29. September den Film »Tausend Zeilen« mit Elyas M'Barek und Jonas Nay ins Kino bringt. Der Film ist eine Annäherung an den Fälscherskandal um den ehemaligen SPIEGEL-Reporter Claas Relotius, der im Film Lars Bogenius heißt.

Herbig sagte, er finde es durchaus richtig, dass man über gewisse Dinge nicht mehr so spreche wie vor 20 Jahren. Es gebe viele laute Stimmen heutzutage und alle seien »mit der Gesamtsituation unzufrieden«, er habe darauf für sich noch keine Antwort, sagte Herbig. Gefragt worden war er nach der derzeit tobenden Debatte über kulturelle Aneignung und Rassismus.

Diese entstand, nachdem der Verlag Ravensburger Mitte August ankündigte, die Auslieferung zweier Kinderbücher zum gleichnamigen Film »Der junge Häuptling Winnetou« zu stoppen und aus dem Programm zu nehmen. In einem Instagram-Post schrieb Ravensburger, Nutzer-Feedback habe gezeigt, »dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben«. Etliche Nutzer der Social-Media-Plattform bezichtigten die Firma des Einknickens vor Kritik. Es gab auch Unterstützung für die Entscheidung.

Rund zwölf Millionen Zuschauer in den Kinos

Herbig wurde in den Neunzigerjahren mit der Comedyshow »Bullyparade« populär. Im Film »Der Schuh des Manitu« geht es um die beiden zu Unrecht des Mordes beschuldigten Blutsbrüder Abahachi (Herbig) und Ranger (Christian Tramitz). Die Abbilder von Winnetou und Old Shatterhand sprechen Bayerisch und suchen nach einer Schatzkarte, Gangsterboss Santa Maria (Sky du Mont) ist ihnen auf den Fersen.

Im Film gibt es auch den schwulen Abahachi-Zwillingsbruder Winnetouch, der auf der »Puder Rosa Ranch« eine Beautyfarm betreibt. Die Parodie der Winnetou-Filme lockte im Jahr 2001 rund zwölf Millionen Zuschauer in die Kinos.

Herbig sagte bei »3 nach 9«, eine Komödie zu drehen sei heute viel schwieriger: »Weil man das Gefühl hat, dass man sehr schnell Leuten auf die Füße tritt«. Wenn einem jemand das Argument entgegenschleudere »Du hast meine Gefühle verletzt«, dann könne man nicht sagen »Das stimmt doch gar nicht«. Er glaube, dass es bald weniger Leute geben werde, die Komödien machten, weil viele denken »Das ist mir zu heiß«.

Herbig sagte auch, es werde sehr kompliziert, wenn eine Gruppe, die man im Film abbilde, in Lager geteilt sei. Dann gebe es Leute die sagen »Ich find das lustig, ich erkenn mich da wieder, ich fühl mich ertappt, ich kann darüber lachen« und andere, die sagen »Ich fühl mich diskriminiert oder ich fühl mich beleidigt, verletzt«. Herbig: »Dann bin ich raus, dann weiß ich nicht mehr, auf wen ich hören soll.«

flg/dpa
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