Französischer Schauspieler Michel Piccoli ist tot

Er spielte in zahlreichen Klassikern des französischen Films unter der Regie von Luis Buñuel oder Claude Sautet. Nun ist der Filmstar Michel Piccoli gestorben. Er wurde 94 Jahre alt.
Michel Piccoli (1925-2020)

Michel Piccoli (1925-2020)

Foto: Anne-Christine Poujoulat/ AFP

Der französische Filmschauspieler Michel Piccoli ist tot. Der Schauspieler sei am 12. Mai im Alter von 94 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben, teilte seine Familie am Montag der französischen Nachrichtenagentur AFP mit. Der gebürtige Pariser hat in mehr als 220 Filmen mitgewirkt, darunter in Klassikern wie "Der diskrete Charme der Bourgeoisie", "Die Verachtung" und "Die Dinge des Lebens".

Piccoli galt als einer der ganz großen Charakterdarsteller Frankreichs. Er spielte unter namhaften Regisseuren von Jean-Luc Godard bis zu Luis Buñuel. Ab Ende der Sechzigerjahre war er häufig der Filmpartner von Romy Schneider. Häufig glänzte er mit doppelbödigen Figuren aus dem französischen Bürgertum. Er war Ritter der französischen Ehrenlegion und Träger des nationalen Verdienstordens.

Jacques Daniel Michel Piccoli wurde am 27. Dezember 1925 in Paris geboren. Er entstammte einer Musikerfamilie italienischer Herkunft, die seit Generationen in Paris ansässig ist. Sein Vater war Geiger von Beruf, die Mutter Pianistin. Schauspielunterricht nahm Michel Piccoli gegen den Willen seiner Eltern, schon als Schüler hatte er an Laienvorführungen mitgewirkt.

Sein Filmdebüt gab Piccoli bereits 1945 in dem Drama "Sortilèges", spielte aber bis in die Sechzigerjahre hinein meist nur kleinere Rollen. Erst 1963 (nach bereits über 50 Filmen) schaffte er mit der Hauptrolle in Jean-Luc Godards Drama "Die Verachtung" an der Seite von Brigitte Bardot den Durchbruch. Von nun an boten ihm die führenden Regisseure Europas schwierige Charakterrollen an.

Internationale Anerkennung sicherte sich Piccoli in erster Linie als Hauptdarsteller von Luis-Buñuel-Filmen wie den Dramen "Tagebuch einer Kammerzofe" (1964) und "Belle de jour - Schöne des Tages" (1967) oder der Komödie "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" (1972). Unter Jacques Demy drehte er das Liebesdrama "Die Mädchen von Rochefort" (1967), unter Alfred Hitchcock den Thriller "Topaz" (1969), unter Claude Chabrol die Dramen "Der zehnte Tag" (1971) und "Blutige Hochzeit"(1973).

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Michel Piccoli - Bilder eines Schauspielerlebens

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Eric Gaillard/ AFP

In den Siebzigerjahren galt Michel Piccoli als Skandalschauspieler - vor allem wegen dreier Filme aus den Jahren 1973 und 1974: der Komödie "Themroc", der Dramedy "Das große Fressen" und der Horrorkomödie "Trio Infernal", in der er einen eiskalten Mörder spielte, der seine Opfer in Salzsäurebädern auflöst. 1980 erhielt Piccoli in Cannes die Goldene Palme für die Hauptrolle in Marco Bellocchios Drama "Der Sprung ins Leere", 1982 bei den Berliner Filmfestspielen einen silbernen Bären für seine Rolle in Pierre Granier-Deferres Drama "Eine unglaubliche Karriere". Als Maler in der Schaffenskrise begeisterte er Publikum und Kritik 1991 in Jacques Rivettes Drama "Die schöne Querulantin".

1997 gab Piccoli sein von der Fachkritik hochgelobtes Debüt als Spielfilmregisseur mit der Komödie "Alors voilà". Seine weiteren Regiearbeiten waren allerdings nicht von allzu großem Erfolg gekrönt.

Als Schauspieler blieb Michel Piccoli aber weiter viel beschäftigt. Für seine Rolle als alternder Theaterstar in der Dramedy "Je rentre à la maison" (2001) erhielt er eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis. 2007 wurde er beim Filmfestival Locarno sowohl mit einem Ehrenleoparden für sein Lebenswerk ausgezeichnet als auch für seinen neuesten Film, Hiner Saleems Drama "Sous les toits de Paris", mit einem Darstellerpreis bedacht. 2010 holte Regisseur Nanni Moretti Piccoli für die Hauptrolle eines depressiven Papstes, der sich seinem Amt nicht gewachsen fühlt, in der Tragikomödie "Habemus Papam" (2011) wieder vor die Kamera.

Zeitgleich zu seiner Filmkarriere feierte Piccoli große Erfolge auf der Bühne. Furore machte er unter anderem in Arthur Schnitzlers Tragikomödie "Das weite Land", die der Schweizer Theaterregisseur Luc Bondy mit ihm auch erfolgreich verfilmte. Piccoli war mehrmals verheiratet, unter anderem mit der französischen Chansonsängerin Juliette Gréco.

Michel Piccoli sei "in den Armen seiner Frau Ludivine und seiner Kinder Inord und Missia dahingeschieden", hieß es in der Mitteilung der Familie, die Piccolis Freund, der frühere Chef der Filmfestspiele von Cannes, Gilles Jacob, der Agentur AFP übermittelte.

feb/AFP/dpa
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