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"Max Schmeling": Biopic ohne Schlagkraft

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Misslungenes Max-Schmeling-Biopic Wie ein milder Stier

Henry Maske trifft keine Schuld: Sein Schauspieldebüt in der Filmbiografie "Max Schmeling" ist zwar ein Debakel, aber das liegt an der Inszenierung des schlechtesten Regisseurs aller Zeiten. Schon erstaunlich, wie lahm Uwe Boll das Leben eines Ausnahmesportlers verfilmt hat.

Henry Maske

Max Schmeling

Uwe Boll

ist vieles: leidenschaftlicher Boxer, ehemaliger Weltmeister im Halbschwergewicht, heute auch Geschäftsmann. Aber Schauspieler? "Ich würde nie sagen, dass ich Schauspieler bin", sagt er ehrlich von sich selbst. Maske in einem Kinofilm über die Boxlegende die Hauptrolle zu geben, ist also eine kühne Idee. Aber für solche Ideen ist der Videospiel-Adaptions- und Filmregisseur , dem ein legendärer Ruf als schlechtester Filmemacher aller Zeiten vorauseilt, bekannt: Niemand anders darf so viele "Goldene Himbeeren", den Negativ-Oscar, sein eigen nennen.

Diesmal hat Boll zusammen mit Drehbuchautor Timo Berndt ("Wilsberg", "Der Bibelcode") eine an Schmelings Biografie zwischen 1930 und 1948 angelehnte Story geschnitzt. Als einer der wenigen Sportler überstand Schmeling die Nazizeit relativ unbeschadet: Zwar wollten Hitlers Reichssportbeauftragte den Hamburger Hünen als Vorzeigearier einbinden, doch Schmeling weigerte sich, seine tschechische Frau zu verlassen und seinem jüdischen Manager zu kündigen. Und verlor zudem 1938 noch den Rückkampf gegen den "braunen Bomber" Joe Louis, in dem Schmeling für die Nazis die Überlegenheit der arischen Rasse hätte untermauern sollen.

Mehr als genug Stoff also, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Trotzdem gerät Bolls Film zum Debakel - und das liegt nicht an Henry Maske. Der gibt tatsächlich sein Bestes: Er sagt seine sparsamen Zeilen hölzern auf, schweigt bisweilen so lange, dass man sich fragt, ob er auf eine Souffleuse wartet. Doch das ist nicht schlimm - seit wann sind Boxer, der große Muhammed Ali ausgenommen, durch ein flüssiges und gekonnt betontes Idiom aufgefallen? Maske macht, was er kann: His fists do the talking.

Er hat sogar, unbewusst oder bewusst, eine Körpersprache für Schmeling entwickelt, die die Unsicherheit des starken Mannes spiegelt: Im Film zieht Maske, dem Haare und Augenbrauen dunkel gefärbt wurden, oft unwillkürlich den Kopf ein, wirkt den Umständen entsprechend überzeugend verschüchtert. Vielleicht waren es aber auch die Dreharbeiten, die ihn beeindruckten. Denn im wahren Leben, beim Interview in seiner Berliner Presseagentur, sitzt Maske einem mit der selbstbewussten, allein durch hartes Training erworbenen Lässigkeit eines Raubtiers gegenüber und gibt zu, dass es schon "eine Hürde" gewesen sei, die Texte immer parat zu haben.

Wenigstens die Kampfszenen sind sehenswert

Aber tant pis: Ein Film müsste doch eigentlich durch seine Bilder sprechen, durch die Inszenierung und Dramaturgie. Stattdessen hat Boll sämtliche Geschehnisse in Dialogen abgefilmt. Er lässt Maske im Zwiegespräch mit den anderen wichtigen Figuren - Susanne Wuest als Ehefrau Anny Ondra, Heino Ferch als Trainer Max Maron, Vladimir Weigl als Manager Joe Jacobs - immer wieder auf die Kamera zulaufen. Nach dem festen Schema Boxkampf - Dialog - Boxkampf (wobei die Boxkämpfe stets am selben Drehort und mit demselben Kommentator stattfinden), presst er ein interessantes und ungewöhnliches Ausnahmesportlerleben zu einer Biopic-Farce zusammen, die angeblich von zwei Hamburger Millionären und Schmeling-Fans finanziert wurde.

Und dennoch: Die Kampfszenen, die Bolls Film stoisch durchrastern, sind faszinierende Trainingsmomente - und das trotz aufdringlicher, ständig gleicher Musik und trotz dramatischer Beleuchtung: Wenn man Boxsport mag, guckt man richtig gerne zu. Versucht vielleicht, Maskes eher defensiven Kampfstil in seiner Darstellung Schmelings zu entdecken, oder Hinweise darauf zu finden, dass es ihm gar nicht so leicht fiel, für den Film aus der Rechts- in die Linksauslage zu wechseln. Henry Maske sagt dazu: "Dass wir mit echten Boxern gearbeitet haben, war ein großer Vorteil."

Ein Vorteil vor allem für Regisseur Uwe Boll, denn der brauchte Henry Maske nur in den Ring zu stellen, ihm ein paar Gegner zu geben, die es mit einem ehemaligen Profi aufnehmen können, der Rest kam von allein. Sobald es um echte Regiearbeit, um Schauspielerführung und Inszenierung geht, versagte Boll. Abgesehen von den Kampfszenen flackert nur in einem einzigen kurzen Moment so etwas wie mitreißende Dramatik oder Authentizität auf: Wenn der echte Boxtrainer Manfred Wolke, der Maske jahrelang betreute, einen Gastauftritt als Trainer hat und in der Ring-Ecke seinen Schützling anfeuert.

Alles andere, was in diesem merkwürdigen Machwerk nicht im Ring spielt, lässt einen völlig kalt.

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