Moritz de Hadeln "Ich habe mein Bestes getan"

Der festliche Berlinale-Ausklang am Sonntagabend war nicht nur die Stunde des stolzen Bären-Gewinners Patrice Chéreau, der seine Freudentränen kaum unterdrücken konnte - es war vor allem die Stunde des Abschieds für Moritz de Hadeln.


Moritz de Hadeln übergibt "seine" Berlinale an Dieter Kosslick: "Ich wünsche ihm Glück"
REUTERS

Moritz de Hadeln übergibt "seine" Berlinale an Dieter Kosslick: "Ich wünsche ihm Glück"

Berlin - Nach 22 recht wechselvollen Jahren mit "allen Höhen und Tiefen", wie er es selber formulierte, verließ der Festival-Leiter erhobenen Hauptes die Bühne der Berlinale - nicht ohne vorher seine Frau und Mitarbeiterin Erika demonstrativ mit auf die Bühne des Berlinale-Palastes geholt zu haben.

"Sie erwarten von mir jetzt einige historische Worte. Sie bekommen sie nicht", sagte der in England geborene Festivalchef mit Schweizer Pass. Seine Abschiedsrede hielt er zunächst in Englisch, um dann in seinem nicht immer fehlerfreien, manchmal amüsanten Deutsch fortzufahren: "Ich habe mit meinen Mitarbeitern mein Bestes getan, und ich bin stolz, die Berlinale zu dem gemacht zu haben, was sie heute ist." Das verstehen die einen positiv. Seine Kritiker allerdings, die ihn zwei Jahrzehnte lang hartnäckig verfolgten, meinen, dass die Berlinale dringend veränderungsbedürftig ist.

Aber auch de Hadelns Nachfolger, Dieter Kosslick von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, wird sich schwer tun beim ewigen Spagat zwischen Glamour, Hollywood und europäischer Filmkunst, das ein Festival dieser Größenordnung nun mal bieten muss. "Ich wünsche ihm Glück, Mut und Sensibilität und viele neue Talente", meinte de Hadeln. Aber auch mehr Ausdauer brauche sein Nachfolger, wenn kritische Stimmen laut werden. Am 30. April will de Hadeln mit Ablauf seines Vertrages Kosslick "ein gutes, funktionierendes Festival" übergeben.

Wird vom Bund überwacht: de Hadeln-Nachfolger Kosslick
DPA

Wird vom Bund überwacht: de Hadeln-Nachfolger Kosslick

Kosslick, der auf der Berlinale als "Lernender" überall dabei war und sich öffentlich noch bedeckt hält über seine Vorstellungen über die Zukunft des Festivals, erwartet vor allem eine veränderte "Dienstherren-Situation": Mit Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) saß bei dieser Abschiedsvorstellung sein künftiger Chef im Parkett.

Der Bund wird in Zukunft die alleinige finanzielle Verantwortung für das Festival tragen. Das Land Berlin hat sich wegen Haushaltsproblemen daraus verabschiedet. Das finden manche langjährige Berlinale-Beobachter nicht unproblematisch, allen voran de Hadeln selbst: "Die parteipolitische Zusammensetzung einer Bundesregierung kann wechseln, die Versuche der Einflussnahme auf ein solches Festival und seinen Leiter auch."

Wilfried Mommert, dpa



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.