"Moulin Rouge" Can-Can in Cannes

Die rotierenden Windmühlenflügel der "Moulin Rouge" haben das Filmfestival in Cannes gleich zum Start mächtig in Schwung gebracht.


Nicole Kidman und Ewan McGregor: Die Sängerin und der Dichter
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Nicole Kidman und Ewan McGregor: Die Sängerin und der Dichter

Cannes - Der australische Regisseur Baz Luhrmann kam nicht nur mit seinen "Moulin Rouge"-Stars Nicole Kidman und Ewan McGregor an die Cote d'Azur, sondern wurde vor der Gala am Mittwochabend auf den rot eingedeckten Stufen zum Festival-Palais auch von den echten Tänzerinnen des legendären Pariser Nachtclubs begleitet. Und Luhrmanns Liebesgeschichte versetzte das Publikum trotz einer dicken Portion Melodramatik mit Can-Can und Pop-Hits nicht in Tränen, sondern eher in Partylaune.

Denn "Moulin Rouge" ist ein Bilderrausch, rasant inszeniert und mit üppiger Fantasie ausgestattet. Außerdem bietet sich hier die seltene Gelegenheit, Kidman und McGregor sehr ausgiebig singen zu hören. Von einer australischen Crew gedreht und mit Geld aus Hollywood finanziert, schlägt die um 1900 spielende Produktion eines der unterhaltsamsten Kapitel der Pariser Vergangenheit auf - auch der Maler Toulouse- Lautrec und der Komponist Eric Satie sind mit von der Partie.

Doch Baz Luhrmann, der sich schon mit einen früheren Filmen "Strictly Ballroom" und "Romeo und Julia" als Avantgardist der Pop- Kultur profiliert hat, vertraut natürlich nicht auf Realismus und Authentizität. Nur selten erklingt das klassische Can-Can-Thema bei der ausschweifenden Bühnenshow im Nachtclub "Moulin Rouge". Luhrmann treibt die tragische Klischee-Liebe zwischen einer todkranken Luxushure und einem armen Dichter fast ausschließlich durch die Texte eigenwillig interpretierter Popsongs von Madonna, Elton John, U2 oder den Beatles durch Höhen und Tiefen.

"Lass die Musik die Story erzählen", erklärte der Regisseur seine Devise in Cannes. Doch die erste Überraschung über diesen Kunstgriff schlägt mit der Zeit in eine Art heiteres Liederraten um, der Effekt nutzt sich ab. Übrig bleibt Reizüberflutung für Augen und Ohren. "Moulin Rouge" ist kein Anwärter für eine Goldene Palme zum Abschluss am 20. Mai, kann sich aber bestimmt für einen Oscar in der Kategorie "bester Soundtrack" ins Gespräch bringen.

Karin Zintz, dpa



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