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Gestorben Jean-Paul Belmondo, 88

aus DER SPIEGEL 37/2021
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AFP

Als junger Mensch, sagte er einmal, habe er sich nicht zwischen einer Karriere als Sportler und einer Laufbahn als Schauspieler entscheiden können. Kurzerhand habe er dann beide Professionen miteinander verbunden. Ein kokettes Bekenntnis, aber doch ein Bekenntnis, das allzu leicht aus dem Blick gerät, wenn man Jean-Paul Belmondo nur für seine ikonische Rolle des kleinen Ganoven feiert, den er 1960 in »Außer Atem« spielte. Unter der Regie von Jean-Luc Godard und an der Seite von Jean Seberg avancierte der Sohn einer Tänzerin und eines Bildhauers über Nacht zum Aushängeschild der Nouvelle Vage. Ein Kritiker der »New York Times« bescheinigte ihm damals eine »hypnotische Hässlichkeit«, weil der ehemalige Boxer in seiner Zerknautschtheit nicht dem Ideal männlicher Helden entsprach, die das Publikum damals gewohnt war. Es war ein neues Gesicht für ein neues Kino, deren große Regisseure – Louis Malle, François Truffaut oder Claude Chabrol – ihn allesamt engagierten. In den Siebzigerjahren dann baute Belmondo auf das Image des sympathischen Filous eine Karriere auf, die ihn zum Volkshelden machte. Er spielte den Hochstapler, Mafioso, Kommissar oder Musketier – und blieb dabei immer Bébel, wie seine Landsleute ihn bald liebevoll nannten. Eine Liebe, die er nicht hat enttäuschen wollen. Im höheren Alter nahm er wieder Charakterrollen an und spielte in seinem eigenen Theater, auch klassische Stücke. Als er schließlich ein alter Mann war, trat der Sportler endgültig in den Hintergrund und allein der Schauspieler kam zum Vorschein. Am 6. September ist Jean-Paul Belmondo in Paris gestorben.

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