Neue DVDs im August Japanische Kinokultur und Stones im Park

Kanye West, Maxïmo Park und The Rolling Stones; "Queer as Folk", "Indochine", "Millennium Actress" und "Das dreckige Dutzend": Eine Auswahl der wichtigsten DVD-Veröffentlichungen im August - rezensiert vom KulturSPIEGEL.


Kanye West: "Late Orchestration"
(Universal)

HipHop-Konzerte geraten öfter zu ermüdenden Mitgröl-Events. Aber hier gelingt dem vom Produzenten zum Musiker aufgestiegenen Amerikaner die lässige Ausnahme. In den Abbey Road Studios zu London präsentierte er vor kleinem Publikum Hits wie "Trough the Wire" sehr aufwendig mit Orchester. Drangehängt gibt's Bonus-Clips plus Interview.



Diverse: "Acquired Taste"
(Sub Pop)

Die in Seattle ansässige Plattenfirma Sub Pop landete einst einen Volltreffer, als sie ein paar Langhaarigen namens Nirvana einen Vertrag gab. Seither ist aus der Grunge-Kaschemme ein famoses Alternativ-Pop-Label geworden. Als Beleg gibt es nun diese herrliche Sammlung oft angemessen spinnerter Clips von Künstlern wie The Shins, Hot Hot Heat oder The Postal Service.



Maxïmo Park: "Found on Film"
(Warp)

Das Debütalbum dieser bleichen britischen Nachwuchsanzugträger kam enorm gut an. Kein Wunder also, dass nun noch eine Live-DVD nachgelegt wird. Zwei Konzerte, bei denen Paul Smith und Gesellen zackige Gitarrenpop-Hits wie "Apply Some Pressure" zum Besten geben. Dazu gibt es eine feine Dokumentation. Und wer sich ranhält, erwischt vielleicht noch die limitierte Ausgabe mit einer Audio-CD mit BBC-Sessions.



The Rolling Stones: "The Stones in the Park"
(Polyband);
"Under Review" (In-Akustik)

Begleitend zur aktuellen Welttournee dieser steinalten Meister kommen zwei weitere DVDs heraus: In Bestform präsentierten sie sich 1969 im Londoner Hyde Park. Mit Debütant Mick Taylor glänzten sie dort mit "Honky Tonk Women" und anderen Rennern. Eine eher mühsame Nachhilfestunde ist die Dokumentation "Under Review", in der Journalisten und Musiker über die gute alte Zeit philosophieren.

CHRISTOPH DALLACH


Queer as Folk, 1. Staffel

Die US-Serie nach britischer Vorlage erzählt unterhaltsam und pointiert vom Alltag fünf schwuler Freunde in Pittsburgh, von Disco-Nächten, Schönheitswahn, Coming-out, HIV und Promiskuität. Über Sex wird nicht nur geredet, die Charaktere dürfen sich entwickeln, und reichlich schöne nackte Männerkörper gibt es auch zu sehen. Schade: Statt Bonusmaterial liegt nur ein doofes Kettchen bei.



Indochine. Ab 16.8.

Das Oscar-prämierte französische Epos über Liebe, Krieg und Familienbande im Indochina (dem späteren Vietnam) der dreißiger Jahre lässt dank schwindelerregend schöner Bilder und einer mindestens so schönen Catherine Deneuve das zähe Tempo und einen leichten Hang zum Edelkitsch vergessen. Als Bonus gibt es ein gelungenes Interview mit dem Regisseur Régis Wargnier.



Millennium Actress

Beeindruckend gezeichnet und mit viel erzählerischer Finesse kommt dieses komplizierte Anime-Kunstwerk von Satoshi Kon daher. Es geht um eine legendäre japanische Schauspielerin, einen mysteriösen Schlüssel, unerfüllte Liebe, viel japanische Geschichte und nichts weniger als die gesamte japanische Kinokultur. Um allen Verstrickungen folgen zu können, muss man sich den Film wohl dreimal anschauen. Und das lohnt sich.



Das dreckige Dutzend

Als ultimativer Männerfilm wurde der Action-Reißer von Robert Aldrich aus dem Jahr 1967 in der Liebesschnulze "Schlaflos in Seattle" zitiert. Kein Wunder, denn die Geschichte über zwölf Schwerverbrecher, die im Zweiten Weltkrieg als Elite-Soldaten ein Nazi-Quartier platt machen sollen, ist quasi filmgewordenes Testosteron. Das ergibt zwar keinen "knallharten Film gegen den Krieg", wie auf der opulenten 2-DVD-Special-Edition behauptet wird, dafür aber extrem spannendes Abenteuer-Kino.



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