Neue DVDs im November Mit Peitschen und Pistolen

Eine Auswahl der wichtigsten DVD-Veröffentlichungen im November - rezensiert von KulturSPIEGEL und SPIEGEL ONLINE.


FILM

Die Abenteuer von Indiana Jones
(Lucasfilm/Paramount)

Auf wohl kaum ein DVD-Boxset wurde sehnsüchtiger gewartet, als auf "Die Abenteuer von Indiana Jones"- mal abgesehen von der unlängst veröffentlichten "Pate"-Trilogie und der noch in den Sternen stehenden "Star Wars"-Edition. Die von Steven Spielberg und George Lucas zwischen 1981 und 1989 produzierte Indiana-Jones-Trilogie ist eine noch immer sehenswerte Hommage an Hollywoods Abenteuerfilme der vierziger und fünfziger Jahre, die ihren Charme durch das tolpatschige Draufgängertum des Titelhelden, kongenial verkörpert von Harrison Ford, und die damals wie heute beeindruckende Tricktechnologie versprüht - CGI war immerhin noch ein Fremdwort. Die 4-DVD-Box bietet die drei Filme in ihrer unveränderten Kino-Form und verfügt über remasterte Soundspuren, wobei bei der englischen Originalfassung hörbar mehr Sorgfalt angewendet wurde. Die Bildqualität lässt nichts zu wünschen übrig, dafür aber die Bonus-DVD, auf der sich zwar eine Fülle an liebevollen Lucasfilm-Dokumentationen über Dreharbeiten, Sound, Tricks und Stunts findet, aber keine "Goodies" wie deleted scenes oder Audiokommentare von Regisseuren oder Darstellern.


Reservoir Dogs
(Universum)


Tarantinos berühmter Erstling, ein Kammer-noir-Western über coole Musik, coole Typen und die beste Art, seinem Gegner ein Ohr abzuscheiden. Auf der DVD findet sich, neben lieblos gedrehten Interview-Schnipseln zu "Einflüssen und Anerkennung" oder dem "Netz des Film noir", eine Hommage an den Schauspieler Lawrence Tierney, der die übrigen Mitspieler über seinen Tod hinaus in bewundernder Abneigung vereint.



Die Simpsons - Season 3
(Fox)


Matt Groenings Cartoon-Serie um den alltäglichen Irrsinn einer amerikanischen Familie läuft in der dritten Staffel zur Höchstform auf: Sogar Gastredner wie Sting lassen sich von Bart und Co. mit Wonne veralbern. Das Menü der DVD ist charmant animiert, in den Episodenkommentaren erklären die Macher auch die letzten Anspielungen, die dem Zuschauer entgangen sein könnten. Als Extra gibt es u.a. eine Musikbox, die alle bisherigen Gesangseinlagen der Serie spielt.

Spiel mir das Lied vom Tod
(Paramount)


Sergio Leones hypnotisches Meisterwerk über einen Mann, seine Rache und eine Mundharmonika, aufbereitet auf einer Doppel-DVD: Den Audio-Kommentar liefern, neben anderen, die Regisseure John Carpenter, Alex Cox und John Milius, als Extras gibt es z. B. eine Dokumentation über die Bedeutung der Eisenbahn - der Film ist ein wehmütiger Nachruf auf das Land, das Amerika wurde, und auf die Männer, die es eroberten.

About Schmidt
(Warner)


Alexander Paynes tragische Komödie über einen Mann, der das Leben entdeckt, als es beinahe zu spät ist. Neben dem Kinotrailer und den obligatorischen nicht verwendeten Szenen enthält die DVD fünf Kurzfilme, in denen der Second-Unit-Kameramann die frühlingshafte Tristesse von Omaha (Nebraska) einfängt: wolkenverhangene Impressionen rund um den "Woodmen Tower". Und wer sich noch einmal anschauen möchte, wie Kathy Bates zu Jack Nicholson in den Whirlpool steigt: Szene Nummer 22. Zum Genießen.




MUSIK

Avril Lavigne - "My World"
(Arista/BMG)


So wünscht man sich eine Musik-DVD: Die erste Multimedia-Veröffentlichung der jugendlichen Rockerin aus Kanada bietet gleich das Rundum-Sorglos-Paket: ein komplettes Live-Konzert ihrer jüngsten Tournee, eine unterhaltsame Backstage-Reportage, Foto-Galerie, Outtakes und sämtliche Videos zu ihrem platinveredelten Debüt-Album. Und weil das vielleicht noch nicht genug fürs Geld sein könnte, ist auch noch eine Audio-CD mit raren Live-Aufnahmen mit dabei (u.a. Cover-Versionen von "Knockin' On Heaven's Door" und Green Days "Basketcase"). Derart gut versorgt bekommt man als Konsument einen Eindruck davon, was das neue Medium tatsächlich leisten kann.


Rechenzentrum: "Director's Cut"
(Mille Plateaux/EFA)


Dem Trio Rechenzentrum, ansässig in Berlin, ist das Visuelle mindestens so wichtig wie die Musik. Ihr neues Werk erscheint daher als Audio-CD plus DVD. Die Musik ist instrumental, elektronisch und einigermaßen abstrakt. Dasselbe gilt für die Videos - z. B. tanzende Lichtstrahlen auf dunklem Hintergrund -, die sich am besten für Vernissagen und Konzerte eignen. Den Begriff "Ambient", der auch das Einlullende ihrer Werke gut trifft, haben die Künstler mit dieser Produktion wieder aufgewertet.

Hildegard Knef: "A Woman And a Half"
(MAWA/Universal)


Hildegard Knef galt als einer der wenigen deutschen Weltstars. Dieser Dokumentarfilm funktioniert als Würdigung und Erläuterung des Phänomens Knef. Auf der "Queen Elizabeth 2" reist die Schauspielerin und Sängerin noch mal nach New York, wo sie Jahrzehnte zuvor am Broadway triumphierte. Es folgen Erinnerungen in Form von Filmausschnitten, TV-Clips und Interviews. Als Extras gibt's von alldem noch mehr. Die Knef wäre zufrieden gewesen.

Justin Timberlake - "Justified The Videos"
(Jive/BMG)


Man muss sich wohl an ihn gewöhnen, den neuen Superstar Justin Timberlake. Wie unlängst bei den MTV Europe Music Awards zu beobachten war, ist er gerade dabei, dem frechen Briten Robbie Williams den Rang als Sex-Symbol Nummer eins abzulaufen. Was den DVD-Output anbelangt, hat Justin allerdings noch einiges nachzuholen, den so opulent und liebevoll wie die Williams-DVDs kommt seine erste Veröffentlichung "Justified" nicht daher. Bei einem einzigen Album in der bisherigen Solo-Karriere mag noch nicht viel zu holen sein, daher gibt es lediglich die Clips zu den Singles "Like I Love You", "Senorita" und "Rock Your Body" sowie diverse Video-Making-ofs und Live-Performances, allesamt bei MTV aufgesammelt. Einzig lohnenswert: der Clip zur amerikanischen MC-Donald's-Kampagne "I'm Lovin' It". Musikalisches Fast Food? Aber sicher.


Roy Orbison: "Greatest Hits"
(Eagle Vision/Edel)


Unter den Titanen des Rock'n'Roll war er wohl der Geheimnisvollste. Er gab den schwarz gewandeten bleichen Außenseiter mit Sonnenbrille. Ebenso einzigartig waren seine Lieder: Balladen wie "It's Over", gesungen mit unendlich trauriger Stimme. Seine größten Erfolge sind auf der DVD in oft phantastischen Konzert- und TV-Mitschnitten versammelt; außerdem Auftritte mit Fans wie Elvis Costello und Bruce Springsteen. Zum Heulen schön!

The Human League: "The Very Best of"
(Virgin/EMI)


Ihr größter Hit "Don't You Want Me" ist bis heute ein Dauerbrenner auf sentimentalen Ü-30-Partys. Zur Erinnerung daran, wie stilprägend und enorm einflussreich diese Elektro-Pop-Pioniere aus Sheffield immer noch sind, taugt diese Sammlung. Sie enthält allerhand frühe obskure Aufnahmen, und dass die meisten Clips wie Amateurvideos aussehen, erhöht noch den Charme. Dazu gibt's ein langes Interview, in dem man u. a. lernt, dass Phil Oakey den Job als Sänger bekam, weil er so groß ist.



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