Neuer 007-Film Bleibt Bond britisch?

Der 21. James-Bond-Film "Casino Royale" soll Ende 2006 in die Kinos kommen - definitiv ohne Pierce Brosnan. Regisseur Martin Campbell enthüllte spannende Details über die Drehvorbereitungen und die Suche nach dem neuen 007.

Von Siegfried Tesche


Morgen soll es so weit sein. Auf einer Pressekonferenz in London wollen die Produzenten der James-Bond-Reihe ihren neuen Hauptdarsteller vorstellen, der als insgesamt sechster 007-Darsteller in "Casino Royale" auftreten soll. Regisseur Martin Campbell hatte bereits in der vergangenen Woche bei Interviews zu seinem aktuellen Film "Die Legende von Zorro" bekannt gegeben: "Es ist definitiv nicht Pierce Brosnan". Die monatelangen Spekulationen über eine Rückkehr Brosnans für einen fünften 007-Film sind damit wohl endgültig zu Ende. Als heißester Kandidat für die Lizenz zum Töten gilt britischen Buchmachern der 37-jährige Daniel Craig ("Layer Cake").

Ex-Bond Brosnan: Mit ihm geht auch Miss Moneypenny
REUTERS

Ex-Bond Brosnan: Mit ihm geht auch Miss Moneypenny

Brosnan oder nicht, darüber war ein langer Streit zwischen den Verantwortlichen von Sony und Eon Productions entbrannt. Bereits im Frühsommer gab es in den Londoner Pinewoodstudios Testaufnahmen mit mehreren Kandidaten für die Hauptrolle des nächsten Bondfilms "Casino Royale". Mit Hilfe der britischen Fernsehschauspielerin Camilla Power mussten die Bewerber Szenen aus dem Klassiker "Liebesgrüße aus Moskau" spielen und somit unter Beweis stellen, wie nahe sie an Sean Connery herankommen. Danach konnten sich Sony und Eon jedoch nicht darüber einigen, welcher Kandidat Brosnan ersetzen sollte. Eon wollte einen jungen neuen Bond. Sony favorisierte den 52-jährigen Brosnan. Man überlegte, den Iren wieder zurückzuholen und ihm eine höhere Gage sowie eine entsprechende Gewinnbeteiligung zu bezahlen.

Doch das wollte man bei Eon auf keinen Fall. Für die Produktionsfirma gilt seit Jahren, dass die fiktive Figur James Bond der Star der Filme ist, nicht der Darsteller, der dabei zudem immer reicher würde. Als sich nach den ersten Tests eine Mehrheit zugunsten des Briten Clive Owen ("Sin City") abzeichnete und man ihm einen Vertrag, aber keine Prozente anbot, sagte der 41-Jährige ab. So machte man im September erneut Testaufnahmen. Unter den Kandidaten waren diesmal neben Daniel Craig auch der Brite Henry Cavill (22, "Der Graf von Monte Christo"), der Kroate Goran Visnjic (33, "ER"), der Amerikaner Rikki Lee Travolta (30, "Ed.tv") und die Australier Sam Worthington (29, "Das Tribunal") und Alex O'Lachlan (28, "Oyster Farmer"). Erstaunlich dabei war, dass man auch Nichtbriten einlud, immerhin hatte man bisher stets Wert darauf gelegt, den Agenten-Darsteller aus dem Commonwealth zu rekrutieren.

Parallel zu der komplizierten Auswahl wurde im Sommer bekannt, dass der kanadische Drehbuchautor Paul Haggis, der für "Million Dollar Baby" für einen Oscar nominiert war und dessen Film "L.A. Crash" derzeit im Kino läuft, den Auftrag erhalten hatte, das bestehende Skript von Neal Purvis und Kevin Wade ("Die Welt ist nicht genug", "Stirb an einem anderen Tag") zu überarbeiten. Das tat er drei Wochen lang und gab dann in einem Interview bekannt, dass man zu den Anfängen der Figur zurückgehen, mit einem jungen Bond arbeiten und auf Spezialeffekte und den Waffenmeister "Q" verzichten werde.

Regisseur Campbell widersprach dem jetzt. Ihm zufolge ist der neue Bond "zwischen 28 und 32 Jahre alt" und es gebe durchaus "ein paar Gadgets". Zudem müsse sich der neue Bond gleich für drei Filme verpflichten. "Q", gespielt von John Cleese, und "M" in Gestalt von Judi Dench, sind erneut mit von der Partie. Allerdings quittierte Samantha Bond als Miss Moneypenny ihren Dienst. Sie hatte in Interviews immer wieder gesagt, dass sie gehen würde, wenn Brosnan aufhört. Die Musik wird, wie bei den letzten drei Filmen auch, von David Arnold komponiert.

"Casino Royale" ist Ian Flemings erster Roman über James Bond. Er erschien 1953 und erzählt, wie 007 in einem französischen Casino dem Russen Le Chiffre, einem Mitarbeiter der Organisation SMERSH, die alle Spione töten will, eine große Summe Geldes abnimmt. Dadurch kommt Le Chiffre in Erklärungsnot gegenüber dem russischen Geheimdienst, da er mit dessen Geld spielte. Le Chiffre rächt sich und entführt Bonds Kollegin, die französische Agentin Vesper Lynd. Der Agent mit der Lizenz zum Töten nimmt ihre Spur auf, wird gefangen genommen und gefoltert. Le Chiffre wird von den Russen ermordet. Lynd bringt sich selbst um und enthüllt in einem Brief, Doppelagentin gewesen zu sein.

Nach Aussagen Campells entspricht der Film zumindest "in der zweiten Hälfte" sehr der Vorlage. Die Rollen von Vesper Lynd und Le Chiffre sind noch nicht besetzt. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass der indische Bollywood-Darsteller Gulshan Grover den Schurkenpart bekommt. Campbell selbst spricht zurzeit auch mit französischen Darstellern über die Rolle. Gedreht wird ab Anfang Januar in Prag, damit "Casino Royale" wie geplant am 19. Oktober 2006 in den USA und England in die Kinos gelangt. Der deutsche Start ist für den 23. November vorgesehen.



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