Von Pakistan eingereicht für den Oscar »Joyland«, in aller Welt gefeiert, darf nicht in pakistanischen Kinos gezeigt werden

Ein Film über die Liebe eines verheirateten Mannes zu einer trans Frau soll für Pakistan den Auslands-Oscar holen. Doch in pakistanischen Kinos läuft »Joyland« nicht: Eine Regierungsbehörde zog die Freigabe nun zurück.
Szene aus »Joyland«: Filmstart war zur Transgender-Woche geplant

Szene aus »Joyland«: Filmstart war zur Transgender-Woche geplant

Pakistan hat die frühere Entscheidung, seinen Oscarkandidaten in heimischen Kinos zu zeigen, revidiert. Die Aufführung des Films »Joyland« ist verboten, teilte ein Regierungsbeamter mit.

Der Film, in dem es um eine Liebesgeschichte zwischen einem verheirateten Mann und einer Transgender-Frau geht, wurde von Pakistan für den Oscar-Wettbewerb um den besten ausländischen Film eingereicht. Beim Festival in Cannes, wo »Joyland« der erste pakistanische Film im Programm überhaupt war, gewann er den Jurypreis in der Sektion »Un certain regard«.

In einer Sonntagnacht veröffentlichten Mitteilung kritisierte »Joyland«-Regisseur Saim Sadiq die Entscheidung der Behörden als »verfassungswidrig und illegal«.

Die Darstellung der Beziehung auf der Leinwand sorgte seit Wochen für Ärger bei Konservativen in dem mehrheitlichen muslimischen Pakistan. Trans Personen gelten vielen als Ausgestoßene, obwohl es zuletzt Fortschritte bei den Transgender-Rechten gegeben hat. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofes bezeichnete trans Personen als ein drittes Geschlecht und nahm zur Kenntnis, dass sie sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren. Das Gesetz soll die Rechte von trans Personen schützen.

»Besser Kunst als Straßenblockaden«

Mobashir Hasan, der oberste Informationsbeauftragte der pakistanischen Regierung, teilte mit, der Film habe »keine Freigabe« – was bedeutet, dass eine zentrale Zensurstelle verboten hat, ihn in Kinos zu zeigen. Warum der Film seine Freigabe verlor, wollte Hasan nicht erklären, er verwies auf eine Anordnung aus dem Jahre 1979. Dabei war der Film zuvor von den drei Zensurbehörden des Landes freigegeben worden.

Es war zunächst nicht klar, welche Kinos von dem Verbot betroffen sind und ob Zuwiderhandlungen geahndet würden. Hasan wies aber darauf hin, das Verbot gelte »für ganz Pakistan«.

Salman Sufi, ein Berater von Premierminister Shahbaz Sharif, kündigte an, dass er den Informationsminister bitten wolle, den Film und das Verbot zu prüfen. Der Nachrichtenagentur Associated Press sagte er, einen Film wie »Joyland« zu verbieten, der die Lebensumstände der trans Personen in Pakistan thematisiere, »nehme diesen das Recht«, darüber zu sprechen.

Marginalisierte Gemeinschaften verdienten eine Stimme, so wie jeder andere, so wie Politiker auch, so Sufi. »Kunst ist die beste Form dafür, besser als Straßenblockaden oder Demonstrationen«, sagte er. Sufi betonte, er spreche als Privatperson.

»Joyland«-Team beim Festival von Cannes: Jurypreis bei »Un certain regard«

»Joyland«-Team beim Festival von Cannes: Jurypreis bei »Un certain regard«

Foto: Fred Dugit / MAXPPP / picture alliance / dpa

Regisseur Sadiq sagte in einem Instagram-Post, dass der Film von allen drei zuständigen Behörden im August 2022 gesehen und freigegeben worden sei. »Die pakistanische Verfassung gibt allen Provinzen die Autonomie, ihre eigenen Entscheidungen treffen zu können«, sagte er. »Trotzdem ist das Ministerium plötzlich eingeknickt unter dem Druck von einigen extremistischen Gruppierungen – die den Film nicht mal gesehen haben. Damit haben sie die bundesstaatliche Freigabebehörde lächerlich gemacht, weil sie deren Entscheidung für irrelevant halten.«

In diesem Jahr hatte die pakistanische Regierung eine Hotline für trans Personen gestartet, um diese vor Diskriminierung und Übergriffen zu schützen. Die Regierung arbeitet an einer Ergänzung seines Gesetzes zu Transgenderrechten, nach dem die Menschen ihre Geschlechtsidentität auch für bereits ausgestellte Regierungsdokumente, Bildungsabschlüsse und Personalausweise ändern könnten. Doch die Ergänzungen haben für Kontroversen gesorgt, insbesondere religiöse Hardliner lehnen sie ab.

»Joyland« sollte am 18. November in Pakistan anlaufen – pünktlich zur Transgender Awareness Week. Die Deutschlandpremiere des Films findet beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg statt, es gibt Vorführungen zwischen dem 18. und dem 25. November. Erste Abstimmungen über den Auslands-Oscar beginnen im Dezember. Die bisherigen zehn Einreichungen aus Pakistan zwischen 1959 und 2020 schafften es nicht auf die Liste der Nominierten.

feb/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.