Oscar-Preisträger Peter Ustinov ist tot

Als Kaiser Nero und Hercule Poirot wurde er zum Star, als Schriftsteller, Regisseur und Botschafter der Völkerverständigung wurde er zum gefeierten Weltbürger. Jetzt ist der Oscar-Preisträger Sir Peter Ustinov im Alter von 82 Jahren gestorben.


Ustinov (2003)
DPA

Ustinov (2003)

Genf - Ustinov starb am Sonntagabend in einem Schweizer Krankenhaus in Genoilier an Herzversagen, bestätigte sein Freund Leon Davico der Nachrichtengentur AP am Montag. "Er war eine einzigartige Persönlichkeit, jemand, auf den man wirklich zählen konnte", sagte Davico, der den Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur als ehrenamtlichen Botschafter für Unicef engagierte.

Ustinov wurde Anfang der fünfziger Jahre durch seine Charakterrollen in monumentalen Hollywoodfilmen bekannt, so als verrückter Kaiser Nero in "Quo Vadis" und als sadistischer Sklavenhändler in Stanley Kubricks "Spartacus" (1959). Für diese Rolle bekam er einen Oscar. Der zweite folgte 1964 für "Topkapi". Großen Erfolg hatte er auch als Agatha Christies belgischer Meisterdetektiv Hercule Poirot, unter anderem in "Tod auf dem Nil". Zuletzt war er als sächsischer Kurfürst Friedrich der Weise in dem Kinofilm "Luther" (2003) zu sehen.

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Sir Peter Ustinov: Bilder aus einem bewegten Leben
Seine enorme Popularität in vielen Ländern der Welt verdankte Ustinov jedoch nicht allein der Schauspielerei: Er war ein Multitalent. In einem halben Jahrhundert verfasste er neun Drehbücher, mehr als zehn Romane und Erzählungen und über 20 Theaterstücke, darunter "Beethovens Zehnte". Er inszenierte Opern in Berlin, Hamburg, Dresden, Salzburg, London, Paris und Moskau. Als Alleinunterhalter und Komiker trat er rund um die Welt auf.

Daneben engagierte sich Ustinov als Unicef-Sonderbotschafter, Professor für Vorurteilsforschung und Vorsitzender der Weltföderalisten. Bundespräsident Johannes Rau bezeichnete ihn als "Weltbürger".

Der Sohn eines russischen Emigranten und einer französischen Künstlerin wurde am 16. April 1921 in London geboren, behauptete aber stets, schweizerisches, äthiopisches, italienisches und französisches Blut in seinen Adern zu haben. Später ging er nach Amerika und verbrachte seinen Lebensabend am Genfer See in der Schweiz. Ausgebildet wurde Ustinov an der renommierten Westminster School, die er jedoch hasste und bereits mit 16 Jahren verließ. Mit 19 Jahren tauchte er erstmals in einer Tanzrevue auf, 1940, mit 19 Jahren, präsentierte er in London sein erstes Bühnenstück.

Bereits im Februar konnte Ustinov wegen Krankheit nicht zur Verleihung des Bremer Hansepreises für Völkerverständigung erscheinen. Damals hieß es, der Schauspieler liege seit einiger Zeit im Krankenhaus.



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