Oscarverleihung unter Coronabedingungen »Nomadland« ist der beste Film des Jahres

Der Favorit gewinnt: »Nomadland« holt den Oscar als bester Film des Jahres. Es ist ein dreifacher Erfolg, denn auch Hauptdarstellerin Frances McDormand und Regisseurin Chloé Zhao wurden ausgezeichnet – und diese schrieb Geschichte.
»Nomadland«-Regisseurin Chloé Zhao und Schauspielerin Frances McDormand

»Nomadland«-Regisseurin Chloé Zhao und Schauspielerin Frances McDormand

Foto: Searchlight Pictures / dpa

»Nomadland« ist der Gewinner der Oscars – und das gleich dreifach: Das Werk von Regisseurin Chloé Zhao wurde als bester Film ausgezeichnet, Zhao bekam zudem den Preis für die beste Regie und Frances McDormand – schon zum dritten Mal – den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

»Nomadland« handelt von den modernen Nomaden der USA, von Menschen, die entwurzelt sind, weil sie kein Geld für eine Wohnung haben. Der Film hatte vor der Preisverleihung als Favorit gegolten. Frances McDormand spielt eine Frau, die ihre Kleinstadt verlässt, um durch den amerikanischen Westen zu ziehen.

Regisseurin Zhao ist erst die zweite Frau, die diesen Preis erhielt, und die erste weibliche Person of Colour mit dieser Auszeichnung. »Was für eine verrückte, einmalige Reise, die wir alle zusammen gemacht haben«, sagte Zhao an ihr Team gerichtet.

Chloé Zhao mit ihrem Oscar

Chloé Zhao mit ihrem Oscar

Foto: A.M.P.A.S / via REUTERS

Anthony Hopkins wurde als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als dementer Vater im Film »The Father« geehrt. In der Kategorie war auch der im August 2020 verstorbene Chadwick Boseman nominiert gewesen. Vor der Preisverleihung war spekuliert worden, Boseman werde den Preis posthum gewinnen.

Oscarverleihung unter Spezialbedingungen

Die Oscarverleihung fand wegen der Coronapandemie unter speziellen Sicherheitsbedingungen statt. Statt wie normalerweise im Dolby Theatre in Hollywood, das 3400 Zuschauer fasst, fand die Zeremonie in der Union Station statt, dem 1939 erbauten Bahnhof in der Downtown von Los Angeles. 170 Personen, die sich in einer »Sicherheitsblase« befanden, durften teilnehmen. Zusätzlich schalteten die Organisatoren in ferne Studios wie in Seoul. Von dort ehrte Vorjahressieger Bong Joon-ho seine Nachfolgerin Chloé Zhao.

Youn Yuh-jung gewann den Oscar als beste Nebendarstellerin. Die 73 Jahre alte Südkoreanerin wurde für ihre Rolle im Film »Minari« ausgezeichnet. Sie spielt die Großmutter einer koreanischen Familie in den USA. Yuh-jung ist erst die zweite Asiatin seit 1957, die einen Darstellerinnen-Oscar gewinnt. Die 74 Jahre alte Glenn Close hatte derweil wieder mal keinen Erfolg. Bei ihrer achten Oscar-Nominierung ging sie wieder leer aus.

Daniel Kaluuya erhielt den Oscar als bester Nebendarsteller des Jahres. Der Brite gewann den Preis für seine Rolle als Black-Panther-Anführer Fred Hampton im Film »Judas and the Black Messiah«. Hampton war 21 Jahre alt, als er vom FBI ermordert wurde. Kaluuyas Rede wurde politisch. Er sei froh, überhaupt noch am Leben zu sein, sagte er. Ein Verweis auf Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Der Filmsoundtrack »Fight for You« von Sängerin H.E.R. wurde als bester Song ausgezeichnet.

Die außergewöhnlichen Umstände waren der Verleihung anzumerken. In enger Taktung wurden die Preise ohne große Showeinlagen vergeben. Kurz vor Schluss veranstalte Haus-DJ Questlove ein Musikquiz, bei dem dann Glenn Close mit ihrem Wissen und ihrem Hüftschwung zum Song »Da Butt« glänzen konnte.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nachdem Hopkins zum Schluss die Auszeichnung als bester Hauptdarsteller erhalten hatte, endete die Preisverleihung abrupt.

Im Zeichen von »Black Lives Matter«

Auch die Kurzfilme standen im Zeichen der Black-Lives-Matter-Bewegung. Ausgezeichnet wurde hier »Two Distant Strangers«, ein halbstündiger Film über einen Schwarzen, der seinen eigenen Tod durch Polizeigewalt immer wieder erleben muss. Die Filmemacher erinnerten auch in ihrer Dankesrede an Menschen, die durch Polizeigewalt gestorben sind.

Im Bereich der Animationsfilme spielte Pixar seine Stärken aus. Die Produktion »Soul« wurde ihrem Favoritenstatus gerecht – und holte zusätzlich einen zweiten Oscar für den besten Filmsoundtrack. Als bester animierter Kurzfilm wurde »If Anything Happens I Love You« ausgezeichnet.

»My Octopus Teacher« (»Mein Lehrer, der Krake«) heißt der Sieger in der Kategorie bester langer Dokumentarfilm. Der Film über das Leben eines südafrikanischen Kraken läuft auf Netflix. Der Preis war also auch ein Zeichen für den Streamingtrend während der Pandemie. Der Film des deutsch-rumänischen Dokumentarfilmers Alexander Nanau, »Kollektiv – Korruption tötet«, hatte das Nachsehen. Bester Kurz-Dokumentarfilm wurde »Colette«, ein Film über die französische Résistance-Kämpferin Colette Marin-Catherine, die zum ersten Mal nach Deutschland reist.

Das Kino hatte es in der Pandemie schwer, und damit auch bombastische Effekte, die vor allem auf der ganz großen Leinwand ihre Wirkung entfalten. Den Preis für die besten visuellen Effekte erhielt »Tenet«.

Bester Sound: »Sound of Metal«

Es liegt in ihrer Natur: Musikfilme haben gute Chancen auf den Titel für den besten Sound. Wenig überraschend war deswegen der Oscar für den Film »Sound of Metal«, der von einem plötzlich gehörlosen Musiker handelt. Auch die Trophäe für den besten Schnitt ging an die Macher des Films.

Und auch ohne sie wären Hollywoodfilme wohl keine Hollywoodfilme: Maskenbildnerinnen und Kostümdesigner. Die Oscars für Make-up und Hairstyling sowie das beste Kostüm gingen an den Film »Ma Rainey's Black Bottom«. Er war damit der erste Film mit zwei Preisen an diesem Abend gewesen. Haarstylistin Mia Neal sagte in ihrer Rede, dass es für Schwarze noch immer schwer sei, Jobs in der Branche zu bekommen.

Wenig später zog der Film »Mank« gleich, als er für das beste Produktionsdesign sowie für die beste Kamera ausgezeichnet wurde. Den Preis nahm Kameramann Erik Messerschmidt entgegen.

Die sogenannten Humanitarian Awards, die Ehrenpreise, gingen an den Motion Picture & Television Fund für seinen Einsatz für die Veteranen Hollywoods sowie an den Schauspieler Tyler Perry für sein humanitäres Engagement.

Fotostrecke

Oscars 2021 - Red Carpet

Foto:

POOL / REUTERS

Die Preisverleihung hatte mit Überraschungen begonnen, den ersten Favoritensieg gab es dann in der Kategorie internationaler Film. Thomas Vinterbergs Tragikomödie »Der Rausch« aus Dänemark wurde ausgezeichnet und setzte sich damit unter anderem gegen drei deutsche Koproduktionen durch. Vinterberg kämpfte mit den Tränen und widmete den Preis in einer emotionalen Rede seiner ältesten Tochter, die kurz vor Drehbeginn bei einem Unfall gestorben war.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die erste Goldstatue war schon nach acht Minuten vergeben: Die britische Newcomerin Emerald Fennell gewann in der Kategorie bestes Originaldrehbuch, für ihr Skript zu »Promising Young Woman«. Dabei setzte sich Fennell unter anderem gegen Größen des Showbusiness wie Aaron Sorkin (»The Trial of the Chicago 7«) durch.

Dass Christopher Hampton danach den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch (»The Father«) erhielt, war durchaus eine Überraschung, weil »Nomadland«-Regisseurin Zhao auch hier als Favoritin gegolten hatte.

ptz