DVD-Premiere "Palo Alto" Fotoroman mit James Franco

Die nächste aus dem Coppola-Clan steigt ins Filmgeschäft ein: Mit "Palo Alto" legt Gia Coppola, Enkelin von Francis Ford und Nichte von Sofia, ihren Debütfilm vor. In schönen Tableaus erzählt sie von den Liebes- und Lebensnöten von Teenies.
DVD-Premiere "Palo Alto": Fotoroman mit James Franco

DVD-Premiere "Palo Alto": Fotoroman mit James Franco

Foto: Capelight

Seit acht Ausgaben erscheint das britische Magazin "Boys by Girls" . Ein Exemplar besteht aus vielen dicken Seiten hochwertig bedruckten Papiers. Und auf jeder von ihnen ist ein junger Mann zu sehen, der fast noch ein Junge ist. Es sind natürlich nicht irgendwelche Boys, sondern die schönsten. Sie tragen keine Bärte, und ihre Gliedmaßen ähneln Spinnenbeinen. Für die Fotos der Publikation sind ausschließlich Frauen verantwortlich. Sie setzen die jungen Herren in Pose, animieren sie, Gesichtszüge fahren zu lassen, sich weltabgewandt hinter Haarfransen zu verbergen.

Vielleicht müssen sie auch gar nicht animieren, sondern drücken einfach den Auslöser vor dem, was sich ihnen ohnehin präsentiert. Das Motto der aktuellen Ausgabe lautet "The Trouble with the Boys". Und nicht nur deshalb passt die Print-Schöpfung gut zu Gia Coppolas Film "Palo Alto", der nun bei Capelight auf DVD erscheint.

Schülerin April (Emma Roberts) hat Ärger mit den Jungs. Einer von ihnen ist längst aus dem Jungsalter raus. Mr. B (James Franco), Aprils Fußballcoach, verspricht zum Babysitter-Job zusätzliche Nachhilfestunden in Geschichte - und erster Liebe. Damit verhält er sich nicht nur unreif, sondern auch grenzwertig. Mr. B reizt mit Hundeblick und setzt auf Bedrängen.

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"Palo Alto": Neues vom Coppola-Clan

Foto: Capelight

Andersartig frustrierend wirkt Teddy (Jack Kilmer), ein Teenager aus Aprils Schule, der locker einem "Boys by Girls"-Editorial entsprungen sein könnte. Jeanshemd, halblanges blondes Haar, kleine Ohrstecker an einer Seite. Obwohl April und Teddy immerfort die Köpfe nacheinander verdrehen, rennt man doch die meiste Zeit aneinander vorbei. Teddys bester Freund Fred (Nat Wolff) hat sich dafür erfolgreich auf die von den anderen Mädchen verstoßene Chrissy (Olivia Crocicchia) eingeschossen. Die gewährt ihm Zutritt in ihr rosa gestrichenes, von Puppen und Krimskrams besiedeltes Kinderzimmer. Fred: "You've got a lot of shit in here." Dann haben beide Sex. Naturgemäß gibt es danach kein Küsschen.

Wer möchte schon von differenzierten Teenagern lesen?

Coppola blendet solche Szenen an früher Stelle ab, konzentriert sich eher auf bereits etablierte Codes, anstatt auszuerzählen. Hier genügt der Blick auf ein Paar Turnschuhe. Oder eine Zeichnung, scheinbar achtlos an einen Schrank gepinnt. Als Mr. B Schülerin April so weit hat, dass sich diese mit ihm auf der Wohnzimmercouch niederlässt, füllt Coppola das gesamte Bild mit Emma Roberts Mund und wie sich dieser langsam öffnet.

"Palo Alto" wirkt oft wie ein Fotoroman. Möglicherweise liegt das daran, dass sich die 1987 geborene Enkelin von Francis Ford Coppola und Nichte von Sofia Coppola bisher vornehmlich der Fotografie gewidmet hat, sogar mit einem Studium am renommierten Bard College. "Palo Alto" ist ihr erster Film. Er basiert auf einer Kurzgeschichtensammlung James Francos, "Palo Alto Stories", die 2010 erschienen ist. Es ist eines dieser typischen Franco-Geflechte. Denn nicht nur sind Coppola und Franco gemeinsam am Drehbuch gesessen - "Palo Alto" ist auch Francos eigener Produktionsfirma Rabbit Bandini Productions entsprungen. Diese hat mit Filmen wie "Howl" und "Spring Breakers" ein mittlerweile recht ansehnliches Portfolio vorzuweisen. Selbstredend, dass Franco in allen Filmen mitspielt.

Im Gegenzug bringt er das Geld für ihr Entstehen mitunter im Alleingang auf. Im Making-of, das der DVD beigefügt ist (man kann es sich aber auch auf YouTube anschauen ), kommentiert Franco das finanzielle Anfangsdebakel von "Palo Alto" mit folgender Lösung: "Find me a movie that is gonna pay me enough money that I just can give it to Gia!" Das Making-of stammt übrigens von Gias Mutter Jacqui Getty, die sich sicherlich nicht nur wegen einer kleinen eigenen Rolle (Aprils Mutter) ununterbrochen auf dem Set herumgetrieben hat.

Das Magazin "Boys by Girls" hat sich der Idee verschrieben, Jugend sichtbar zu machen. Aber selbst hier stehen neben den Bildern gedruckte Interviews. Sie sind durchsetzt von Plattitüden. Was nicht stört. Wer möchte schon von differenzierten Teenagern lesen? "Palo Alto" ist ganz ähnlich - er bewegt sich von einer Kulisse zur nächsten. Die Party. Der Pool. Der Spielplatz. Die Bibliothek. Überall gibt es wahrhaftige Teenager zu finden: Emma Roberts unsicheres Lächeln ist groß! Und auch die Hausparty, auf der sich die Ankömmlinge zu Blood Oranges engelsrein-aufreizendem "Champagne Coast" einfinden - wunderbar! Die große Geschichte sollte man in "Palo Alto" zwar nicht suchen. Aber wem blättern gefällt, der dürfte hier durchaus etwas zu gucken haben.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Palo Alto"

Palo Alto

USA 2013

Regie: Gia Coppola

Drehbuch: Gia Coppola

Darsteller: Val Kilmer, James Franco, Chris Messina, Emma Roberts, Olivia Crocicchia, Nat Wolff, Zoe Levin, Christian Madsen, Keegan Allen, Colleen Camp, Don Novello, Jack Kilmer

Verleih: Capelight Pictures

Länge: 100 Minuten

Start: 10. Juli 2015 (auf DVD)

FSK: ab 16 Jahren

"Palo Alto" -:Offizielle Website 
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