Penélope Cruz Der Welt das Hirn versengt

Die spanische Schauspielerin Penélope Cruz gilt in Hollywood als Riesentalent. Die Rolle ihres Lebens hat sie längst gefunden: sich selbst.


Die Spanier nennen sie einfach "Pe". Das klingt intim und gleichzeitig angenehm burschikos, als ließe sich so die Hitze besser aushalten, die Penélope Cruz ausstrahlt, seit sie mit 17 Jahren ihre Schauspielkarriere begann. Der Rest der Welt, der so gern "Pe" sagen würde und dann doch beim ehrfurchtsvollen "Miss Cruz" bleibt, behilft sich mit Attributen, die in der Tonlage irgendwo zwischen andachtsvollem Raunen und Tremolo liegen. Mit ihren "feuchten Rehaugen" sei sie die "Quintessenz der Reinheit", heißt es, eine "Wiedergängerin von Audrey Hepburn". Der "Stern" entdeckte eine "unverbrauchte Aura aus Virgin und Vamp", für die "Welt" war sie schlicht "Cruz Missile" ­ mitunter scheint, als habe die 27-jährige Spanierin der Welt das Hirn versengt.

In diesem Juli allein ist Penélope Cruz in zwei Filmen der A-Kategorie zu sehen: In "All die schönen Pferde" (Start: 12.7.) spielt sie eine jungfräuliche Mexikanerin, die Matt Damon um den Finger wickelt, in "Blow" (26.7.) eine kokainsüchtige Kolumbianerin, die Johnny Depp um den Verstand bringt ­ Penélope Cruz hat es weit gebracht im Leben.
 

Glanzvoller Auftritt: Die schöne Spanierin erscheint bei der Verleihung des Academy Awards in Los Angeles (März 2000) In "Captain Corelli's Mandolin" spielte Cruz an der Seite von Nicolas Cage, Regisseur war "Shakespeare in Love"-Macher John Madden Glutäugige Schöne: Bei der Berlinale 1999 stellte Cruz ihren Film "Das Mädchen deiner Träume" vor
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Ihre Karriere handelt vom Ehrgeiz und vom Glück, zur rechten Zeit den richtigen Schritt zu wagen. Cruz, in einem Vorort von Madrid aufgewachsen, ist die Tochter eines Mechanikers und einer Friseuse. Mit drei posiert sie vor dem Spiegel in Mutters Salon, mit sechs tanzt sie bereits Ballett am Nationalkonservatorium ­ eine begabte Nervensäge, die gar nicht weiß, wo sie hin soll mit all ihrer Energie. Mit 15 hat sie einen eigenen Agenten, wenig später moderiert sie eine Talkshow im spanischen Fernsehen. Mit 17 die erste Hauptrolle.

Der Film heißt "Jamón, Jamón", was übersetzt so viel wie "Schinken, Schinken" bedeutet, ein Erotikfilm; Penélope Cruz spielt darin, freizügig, verführerisch, sich selbst. "Ich bin damit aufgewachsen, Frauen zu beobachten", sagt sie. "Wenn sie zu meiner Mutter kamen, um schön zu sein, dann habe ich zugeguckt. Es war eine gute Schauspielschule."
 

Mit 17 die erste Hauptrolle: Cruz bei der Oscar-Verleihung 2001 In "Women on Top" spielt Cruz eine Brasilianerin, die als Köchin Erfolg hat Cruz im Erotikfilm "Jamón, Jamón" von 1992
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Bei Pedro Almodóvar spielt sie noch schnell eine schwangere HIV-positive Nonne (in "Alles über meine Mutter"), dann fliegt sie nach Amerika. Von da an geht alles ganz schnell: Die Studiobosse, die verzweifelt Stars suchen für die rund 35 Millionen Hispanics in den USA, haben auf eine wie sie gerade gewartet.

Also spielt sie. Auf der Leinwand die glutäugige Schöne, die ihren Körper zu einer geheimnisvollen inneren Melodie bewegt, im öffentlichen Leben, bei Preisverleihungen und Presseterminen, die überraschte Unschuld.

"Wir haben erst ein Prozent ihres Talents gesehen", sagte Almodóvar. "Ihre besten Arbeiten kommen erst noch. Sie ist dabei, ihre ultimative Rolle zu erschaffen: sich selbst."

Hauke Goos


ALL DIE SCHÖNEN PFERDE

Aus dem Bestseller von Cormac McCarthy wollte Billy Bob Thornton einen Film machen, der mit epischer Wucht von Jugend, Verantwortung und vom Erwachsenwerden erzählt. Leider wurde der Film so stark gekürzt, dass am Ende vor allem Matt Damon, Penélope Cruz und eine Menge weites Land übrig blieben. Viel Pferd fürs Geld, trotzdem.

BLOW

Aufstieg und Fall des Drogenhändlers George Jung (Johnny Depp), der in den Siebzigern zuerst die Westküste der USA mit Haschisch und wenig später das ganze Land mit Kokain aus Kolumbien versorgte. Dabei geht er mit seinen Frauen (Penélope Cruz und Franka Potente) ebenso sorglos um wie mit seinen Lieferanten; in einer der besten Szenen kann man außerdem beobachten, dass Pablo Escobar kein Freund langer Worte war. Dass daraus kein großer Film wurde, liegt vor allem an Regisseur Ted Demme. Er lässt seinen Helden vor die Hunde gehen, wie er gelebt hat: gleichgültig, mit einem Schulterzucken, fast schlafwandlerisch. Weil sich am Anfang keine Sympathie entwickelt, stellt sich am Ende auch keine Tragik ein.



© kulturSPIEGEL 7/2001
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