"The Piano"-Regisseurin Jane Campion wird Jury-Vorsitzende in Cannes

Die Filmfestspiele von Cannes werden wieder etwas weiblicher: Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion ("The Piano") steht in diesem Jahr an der Spitze der Jury. Mit der "Königin der Festivals" fühlt sie sich schon seit Studienzeiten verbunden.

Regisseurin Campion in Cannes 2013: "Ich kann es kaum erwarten"
DPA

Regisseurin Campion in Cannes 2013: "Ich kann es kaum erwarten"


Paris - Jane Campion hat etwas Einmaliges geschafft. Die 59-jährige Regisseurin wurde 1993 für ihren Film "The Piano" in Cannes mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet, keine andere Frau hat den Preis bisher erhalten. 21 Jahre später steht sie erneut im Fokus des Filmfestivals - nun aber als Vorsitzende der diesjährigen Jury. Das teilte die Leitung des Festivals am Dienstag mit. Sie fühle sich sehr geehrt, betonte Campion in einem Statement. "Ich kann es kaum erwarten."

Ihren ersten Auftritt in Cannes hatte die Filmschaffende bereits 1986. Damals gewann sie den Kurzfilm-Preis für "Peel" (deutscher Titel: "Orangenschalen"), den sie noch während ihres Studiums an der renommierten Australia Film gedreht hatte. Für mehr Aufsehen sorgte aber sechs Jahre später ihr bislang erfolgreichstes Werk "The Piano" ("Das Piano"). In dem sensiblen, Mitte des 19. Jahrhunderts in Neuseeland spielendem Emanzipationsdrama geht es um die stumme Ada und ihre Tochter Flora, die aus Schottland nach Neuseeland kommen. Für das Drehbuch erhielt Campion auch einen Oscar.

Für eher durchwachsene Kritiken sorgte hingegen die 20-Millionen-Dollar-Produktion "In the Cut", die Campion 2000 in die Kinos brachte. Der Erotikthriller basiert auf Susanna Moores gleichnamigem Roman. Der Film handelt von einer Literaturdozentin in New York, die sich in erotische Obsessionen verstrickt und dabei an einen gefährlichen Serienmörder gerät. 2009 brachte die Regisseurin mit "Bright Star" dann das Kontrastprogramm heraus, die Kritik reagierte auf den bildgewaltigen Kostümfilm über den britischen Dichter John Keats weitaus wohlwollender.

"Ganz einzigartige Welt"

Der Leiter des Festivals in Cannes, Gilles Jacob, bezeichnete seine diesjährige Jury-Vorsitzende als "eine wirkliche Meisterin". Sie habe die Kollegen mit Filmen begeistert, die "mit einem solchen Mut und Menschlichkeit" entstanden seien und eine "ganz einzigartige Welt" zeigten. Campion selbst erklärte: "Die Bewunderung für die Königin der Filmfestivals ist immer größer geworden, seit ich mit meinen Kurzfilmen 1986 nach Cannes kam."

Zwar ist sie die einzige Regisseurin mit einer "Goldenen Palme", die erste weibliche Vorsitzende des Festivalausschusses ist sie jedoch nicht. Zuletzt präsidierte 2009 die Schauspielerin Isabelle Huppert, außerdem Liv Ullmann (2001), Isabelle Adjani (1997), Jeanne Moreau (1995 und 1975), Françoise Sagan (1979), Ingrid Bergman (1973), Michèle Morgan (1971), Sophia Loren (1966) und Olivia de Havilland (1965).

Dennoch sind die meisten Filme, die in Cannes vorgestellt werden, unter der Regie von Männern entstanden. Besonders scharfe Kritik daran gab es 2012, als kein einziger Wettbewerbsfilm von einer Frau gedreht war. Im vergangenen Jahr stand Hollywood-Urgestein Steven Spielberg der Jury vor. Die 67. Filmfestspiele von Cannes finden in diesem Jahr vom 14. bis zum 25. Mai statt.

vks/dpa/AFP/AP

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Europa! 07.01.2014
1. Eine gute Entscheidung
Zitat von sysopDPADie Filmfestspiele von Cannes werden wieder etwas weiblicher: Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion ("The Piano") steht in diesem Jahr an der Spitze der Jury. Mit der "Königin der Festivals" fühlt sie sich schon seit Studienzeiten verbunden. http://www.spiegel.de/kultur/kino/piano-regisseurin-jane-campion-wird-vorsitzende-der-cannes-jury-a-942150.html
Der "weibliche Blick" kann den Filmfestspielen nur gut tun.
luvschot 07.01.2014
2. Der
@Europa! Und warum?
Lion 07.01.2014
3. Es gibt sie noch, die guten Meldungen!
Eine wirklich gute Entscheidung!
fiftysomething 07.01.2014
4. Und
dann kein einziges Sterbenswörtchen über "Top of the lake"? Ihr habt ja Nerven....
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