Polnische Nationalhelden Andrzej Wajda verfilmt Walesas Leben

Zwei Institutionen treffen aufeinander: Der legendäre polnische Regie-Altmeister Andrzej Wajda will das Leben des ehemaligen Staatsoberhauptes und Friedensnobelpreisträgers Lech Walesa auf die Leinwand bringen. 

Andrzej Wajda verkündet den Drehstart zu "Walesa": "Das Gewissen wachrütteln"
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Andrzej Wajda verkündet den Drehstart zu "Walesa": "Das Gewissen wachrütteln"


Hamburg/Warschau - Dieser Film werde die größte Herausforderung in seiner 55-jährigen Karriere, sagt Andrzej Wajda. Der Oskarpreisträger will noch in diesem Jahr mit den Dreharbeiten zu einem Film über den ehemaligen polnischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa beginnen. Das verkündete der 85-jährige polnische Regisseur am Donnerstag vor Journalisten in Warschau. Der Dreh zu "Walesa" soll am 1. Dezember in Danzig starten, wo der damalige Gewerkschaftsführer Lech Walesa 1980 die "Solidarnosc"-Bewegung gestartet und damit zum Sturz des kommunistischen Regimes beigetragen hat.

Der Film soll die Zeitspanne zwischen den Straßenprotesten von 1970 bis zu Walesas Rede vor dem Kongress im Herbst 1989 behandeln. In der Zwischenzeit stieg Walesa vom unbekannten Elektriker der Danziger Lenin-Werft zum Arbeiterführer auf, der dem kommunistischen Regime die unabhängige Gewerkschaft "Solidarnosc", zu deutsch "Solidarität", abtrotzte und so großen Anteil am demokratischen Umbruch in Polen hatte. 1983 erhielt Walesa den Friedensnobelpreis. 1990 wurde der "Vater der Nation", der zugleich als Gewerkschaftsboss, demagogischer Volkstribun und Verteidiger der Demokratie galt, zum Staatsoberhaupt Polens gewählt.

Drehbuchautor Janusz Glowacki sagt, das Ziel seiner Vorlage sei, Walesa als "faszinierende Person" zu portätieren und nicht, ein Denkmal für ihn zu bauen. "Ich füge heroische und lustige Dinge zusammen", sagte Glowacki. Er zeige Walesa als "Riese, der stolpert und fällt, aber auch wieder aufsteht." Die Hauptrolle wird der polnische Schauspieler Robert Wieckiewicz spielen, in der Rolle von Walesas Frau Danuta wird Agnieszka Grochowska zu sehen sein.

Mit "Walesa" arbeitet sich Regisseur Wajda nicht zum ersten Mal an einem Stück Geschichte seines Heimatlandes ab. Seit 1954 steht er hinter der Kamera, seine Werke sind längst Institutionen des politischen Kinos. Filme wie "Asche und Diamant" (1959) über einen Untergrundkämpfer, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die neuen Verhältnisse stemmt und sterben muss oder das düstere Porträt der Tuchmetropole Lodz, in die der Kapitalismus Einzug hält, sind Meilensteine jenes Kinos, das, wie Wajda selbst erklärte, "das Gewissen wachrütteln und die Herzen berühren" kann.

Im Jahr 2000 erhielt Wajda den Oskar für sein Lebenswerk, sechs Jahre später wurde er auf der Berlinale mit den Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. 2009 nahm Andrzej Wajda mit seinem Film "Tatarak" an der 59. Berlinale teil und kündigte auf der Pressekonferenz zur Welturaufführung des Films an, dass sein neuestes Projekt ein Film über Lech Walesa sein würde.

vks/AP



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