Pop-Mythen Hobbits für Hollywood

Der Splatter-Regisseur Peter Jackson verfilmt "Herr der Ringe", in Neuseeland wird gedreht, und zwar werkgetreu, versprochen.

Von Rüdiger Sturm


Fast hätte King Kong dem Herrn der Ringe ein Bein gestellt. Im Sommer 1996 erhielten der neuseeländische Regisseur Peter Jackson ("Heavenly Creatures") und seine Schreibpartnerin Fran Walsh von Universal Pictures den Auftrag für ein Remake des Riesenaffen. Doch dann wurde die Produktion abgeblasen, und die beiden konnten in Ruhe ein anderes Großprojekt entwickeln. Im September 1998 wurde es dann offiziell: Jackson und sein Team stemmen für New Line Cinema eine dreiteilige Filmversion von J.R.R. Tolkiens Fantasy-Kultbuch "Der Herr der Ringe".

Ursprünglich wollte die Konkurrenzfirma Miramax die Trilogie zu einem einzigen Film eindampfen, aber Jackson legte sich quer. Schließlich stieg New Line ins Rennen ein und kaufte für 10 Millionen Dollar die Rechte, um Jacksons Film-Trio zu finanzieren.

1978 waren die ersten eineinhalb Bücher des Millionensellers schon einmal als Zeichentrick adaptiert worden, aber jetzt geht es um eine Realfilmversion. Eine Angelegenheit von biblischen Dimensionen. Denn Tolkiens Epos spielt auf einem Phantasiekontinent, auf dem ein kleinwüchsiger Held, der Hobbit Frodo, einen magischen Ring zerstören muß, um die Welt vor einem bösen Herrscher zu retten.

Die Begeisterung der Fans hielt sich in Grenzen. Auf den einschlägigen Websites wimmelte es von sorgenvollen Statements. Schließlich erschien Jackson nicht gerade der offensichtliche Kandidat für das Projekt. Seine ersten Sporen verdiente er sich mit Splatter-Filmen wie "Bad Taste" (1987) oder "Braindead" (1992). Für Furore sorgte er schließlich mit seinem surrealen Thriller-Drama "Heavenly Creatures" (1994), für dessen Drehbuch er und Fran Walsh eine Oscarnominierung erhielten. Sein erster Hollywoodstreifen, der komödiantisch angehauchte Horrorfilm "The Frighteners" (1996) mit Michael J. Fox, floppte dagegen international.

Aller Protest konnte Jackson nicht einschüchtern. Er ging in die Offensive und lud die Fans ein, ihm über Harry Knowles Web-Site Fragen zu stellen. Im Interview beteuerte er: "Wir können noch auf Fan-Meinungen reagieren, da wir die Bücher gerade für die dreiteilige Fassung umarbeiten." Er verspricht, man wolle auch Tolkiens Mythologie vermitteln und den Themen des Autors treu bleiben, etwa dem Konflikt Natur-Maschine oder dem Ethos von Freundschaft und Selbstaufopferung. Gravierende inhaltliche Veränderungen gegenüber der Vorlage soll es jedenfalls nicht geben. Lediglich das Tempo wird schneller sein.

Und Jackson verspricht hohe Schauwerte: Nachdem die ganze Produktion in Neuseeland auf die Beine gestellt wird, bekäme man hier mehr Spektakel fürs Geld. Obwohl das Studio insgesamt nur 130 Millionen Dollar zur Verfügung stellt, sollen die Filme so aussehen, als hätte man 300 Millionen. An den Computereffekten arbeitet Jacksons eigene Firma Weta Digital, die angeblich schon revolutionäre Software für riesige Schlachtszenen entwickelt hat.

Noch sind Jackson und Walsh mit den Büchern beschäftigt. Ab Dezember soll der Besetzungsprozeß beginnen - allerdings kann und will man sich keine Stars leisten, nicht mal in Nebenrollen. Der Drehstart ist für Mai 1999 geplant. Rund ein Jahr veranschlagt Jackson für die Außenaufnahmen aller drei Filme. Das Studio hofft, im Dezember 2000 den ersten Teil in die US-Kinos zu bringen. Doch aus der Nachbarschaft droht Konkurrenz: 1999 soll in Australien die Produktion zu einem anderen großen populären Mythos des 20. Jahrhunderts anlaufen. George Lucas dreht dort Teil 2 und 3 der neuen "Star-Wars"-Trilogie.



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