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Christina Aguilera: Sexpose mit Keksdose

Foto: Alix Malka

Popstar Christina Aguilera "Sexualität war stets Teil meiner Arbeit"

Befreiung durch Entkleidung: Im Musicalfilm "Burlesque" versucht sich Popsängerin Christina Aguilera erstmals als Schauspielerin. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht sie über Lust in Leder und die befreiende Macht ihrer Sexualität. Außerdem offenbart sie, wann es auf dem Set so richtig knisterte.

SPIEGEL ONLINE: Frau Aguilera, man kann sich kaum auf diesem Planeten bewegen, ohne aus irgendeinem Radio einen Ihrer Songs zu hören. Wie erleben Sie diesen Moment, in dem Sie sich selbst in einem Restaurant singen hören?

Aguilera: Es ist mir vor allem fürchterlich peinlich. Nach einem Konzert lade ich meine Tänzer oft noch zum Essen ein, um unseren Erfolg zu feiern. Und plötzlich spielen sie einen meiner Songs. Das ist extrem seltsam. Ich wünsche mir dann, dass schleunigst der Sender gewechselt wird. Aus irgendeinem Grund bin ich peinlich berührt. Dazu kommt bei mir eine extreme Tendenz zur Selbstkritik. Im Studio neige ich dazu, enorm viele Takes einzusingen, um schließlich einen zu haben, mit dem ich halbwegs zufrieden bin. Selbst wenn alle sagen, es war perfekt, will ich es noch einmal versuchen, um mich noch einmal zu steigern.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Sie haben bei den Dreharbeiten zum Musicalfilm "Burlesque", Ihrem Debüt als Schauspielerin, alle zum Wahnsinn getrieben?

Aguilera: Ich war wieder mal total übermotiviert. Mal fiel es mir leichter loszulassen, mal war es frustrierend. Denn schließlich war es ja nicht ein Musikvideo von mir, in dem sich alles um mich dreht. Die Arbeit beim Film ist eine ganz andere Art gemeinsamer Anstrengung; eine Arbeit, bei der viel mehr Komponenten zusammenkommen. Doch genau deswegen wollte ich mich ja dieser Erfahrung stellen.

SPIEGEL ONLINE: Wann sind Sie denn mal so richtig schön undiszipliniert?

Aguilera: Ich habe gesagt, ich bin Perfektionistin. Von Disziplin war keine Rede. Ich bin sehr undiszipliniert und halte nichts von Regeln und Verboten.

SPIEGEL ONLINE: Also gut: Wann haben Sie in Ihrem Leben nicht den Anspruch, alles richtig machen zu wollen?

Aguilera: Sie glauben es vielleicht nicht - ich habe tatsächlich viele Fehler! Wann ich mich nicht perfekt fühle? Andauernd. Ich versuche einfach, das Beste aus dem zu machen, womit ich zur Welt gekommen bin.

SPIEGEL ONLINE: Und wie urteilt nun die Perfektionistin: Sind Sie mit Ihrem Debüt zufrieden?

Aguilera: Ich bin die Person, die das am wenigsten beurteilen kann. Ich ertrage es ja nicht einmal, zwei Minuten der Aufzeichnung einer Preisverleihung mit mir zu sehen. Mich selbst zwei Stunden auf einer großen Leinwand anschauen? Der Gedanke ist eher gruselig. Als ich den fertigen Film gesehen habe, war ich dann aber doch stolz.

SPIEGEL ONLINE: Man wird Ihnen im Laufe Ihrer Karriere schon diverse Filmprojekte angeboten haben. Warum haben Sie sich ausgerechnet für dieses entschieden?

Aguilera: Ich habe mir mal geschworen, nur dann in einem Film mitzuspielen, wenn die Rolle überhaupt nichts mit mir zu tun hat. Und das wirklich Letzte, was ich spielen wollte, war eine Sängerin. Doch das ganze Konzept von "Burlesque" war dann doch zu verlockend. Diese ganze Welt war immer faszinierend für mich - und Sexualität stets ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Am Ende habe ich die Rolle ähnlich der von Alice gesehen, die durch den Hasenbau ins Wunderland fällt.

SPIEGEL ONLINE: Mal ganz ehrlich, ist Ihnen die weibliche Sexualität tatsächlich wichtig - oder doch nur ein attraktives Mittel, um viele Tonträger zu verkaufen?

Aguilera: Ich finde es wichtig, dass Frauen sich der befreienden Macht ihrer Sexualität bewusst werden und sich von Männerphantasien emanzipieren. Und genau diese Idee zelebriert die Burlesque-Bewegung. Frauen, die ein problematisches Verhältnis zu ihrem eigenen Körper haben, können hier Frauen sehen, die nicht unbedingt der Norm entsprechen - und trotzdem ihre Sexualität feiern. Das kann unheimlich inspirierend wirken. Nein, "Burlesque" hat nichts damit zu tun, Männerphantasien zu bedienen, sondern Weiblichkeit zu feiern.

SPIEGEL ONLINE: Entschuldigung, aber was haben Lack und Leder in Ihren Videos mit weiblicher Emanzipation zu tun?

Aguilera: Lack und Leder sind natürlich Geschmackssache, aber ich glaube, es kann sehr befreiend auf eine Frau wirken, eine andere zu beobachten, die den Mut hat, so etwas zu tragen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kollegen schwören, es gäbe nichts Unerotischeres als eine Sexszene. Können Sie das bestätigen, oder spüren Sie doch manchmal einen Kick?

Aguilera: Sinnlichkeit ist ein wichtiges Element meines Selbstverständnisses als Frau. Und ich will diesen Teil von mir nicht verstecken, weil ich konservative Menschen damit vor den Kopf stoßen könnte. Ich akzeptiere aber auch Frauen, die meinen, Sexualität sei Privatsache. Ich wünsche mir einfach, dass Menschen nicht mehr wegen ihrer Sexualität bewertet werden. Jeder soll auf seine individuelle Weise glücklich werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie sah denn Ihre sexuelle Emanzipation aus? Oder waren Sie schon immer ein Freigeist?

Aguilera: Ich habe mich schon immer sehr gut mit meiner ganz eigenen Sexualität gefühlt. Deswegen hatte ich auch nie ein Problem damit, vor der Kamera sinnliche Szenen zu spielen. Aber Sie hatten mich am Anfang ja nach einem erotischen Moment vor der Kamera gefragt...

SPIEGEL ONLINE: ...und Sie sind mir geschickt ausgewichen.

Aguilera: Es gab da diese Szene, in der mein Filmpartner nichts außer einer Keksdose trägt, vor einem bestimmten Körperteil. Das war schon sehr erotisch.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor zwei Jahren Ihren Sohn Max zur Welt gebracht. Kann man eigentlich auch als Mutter ein Sexsymbol sein?

Aguilera: Aber unbedingt! Ich fühle mich heute sinnlicher als früher, weil ich meinen Körper noch besser kenne. Ich hatte ja keine Vorstellung, was du während einer Schwangerschaft alles durchmachst. Und dann kommt dieser Moment, in dem dein Körper dir nicht mehr gehört, sondern deinem Kind. Irgendwann war ich nur noch Nahrungsressource. Meine Brüste waren nicht mehr meine, sondern der Milch-Nachschub für mein Baby. Als mein Körper langsam wieder auf Normalbetrieb umschaltete, war ich plötzlich jedoch noch selbstbewusster und stärker als zuvor. Ich bin stolz, dass wir Frauen Kinder zur Welt bringen können.

SPIEGEL ONLINE: In "Burlesque" spielen Sie eine Außenseiterin mit problematischer Jugend, die auf der Bühne Erlösung findet. Identifizieren Sie sich mit dieser Metamorphose?

Aguilera: Ja, klar. Ich bin in einem sehr chaotischen Haushalt aufgewachsen, habe mich nie wirklich sicher und beschützt gefühlt. Musik war für mich schon sehr früh ein Mittel, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Dann ging ich auf Schulen, in denen ich nicht viel mit meinen Mitschülern gemein hatte. Denen ging es immer nur um Sport. Ich fühlte mich sehr fremd, meine Mitschüler quälten mich. Aber diese Zeit hatte auch etwas Gutes: So leicht wirft mich nichts mehr um. Ich kann negative Reaktionen locker wegstecken, weil ich schon immer damit zurechtkommen musste.

SPIEGEL ONLINE: Ist "Burlesque" eigentlich ein einmaliger Ausflug in die Welt des Films, oder suchen Sie bereits Ihre nächste Rolle?

Aguilera: Ich würde gerne noch mehr Filme machen. Am besten etwas ganz anderes als ein Musical. Ich würde mich gerne mit einer dramatischeren Rolle weiterentwickeln, um eine andere Seite von mir zu zeigen. Ich würde gerne beides machen, Musik und Film, so wie Cher es verbunden hat.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt hätten wir beinahe vergessen, über Cher zu sprechen, Ihre Filmpartnerin in "Burlesque". Ist sie eine Schwester oder, besser gesagt: eine Mutter im Geiste?

Aguilera: Mein Gott, Cher war ein Star, als ich noch nicht auf der Welt war. Ich bewundere sie sehr, weil sie eine Pionierin im Musikgeschäft war. Und vor unserer ersten gemeinsamen Szene schlotterten mir ordentlich die Knie. Das ist meine Debütrolle, und ich musste mich gleich in meiner ersten Szene gegen Cher und Stanley Tucci behaupten! Ich war mir nicht sicher, ob ich dem gewachsen bin. Aber wie gesagt: So leicht wirft mich dann doch nichts aus der Bahn.

Das Interview führte Christian Aust

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