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Quentin Tarantino Bittere Trennung

aus DER SPIEGEL 21/2022
Foto: Daniel Nide / DER SPIEGEL

Die Liebe von Quentin Tarantino, 59, zu Hollywood war groß, umso schmerzhafter ist nun der Ablösungsprozess. »Hollywood ist seit 2019 nicht mehr das, was es einmal war«, sagte der »Pulp Fiction«-Regisseur bei einem Auftritt auf der Digitalmesse OMR in Hamburg. Einen wehmütigen Abgesang auf die Traumfabrik hatte Tarantino schon mit »Once Upon a Time in Hollywood« inszeniert. »Ich bin so glücklich darüber, dass dieser Film noch ganz normal in den Kinos laufen konnte, bevor sich dieses Fenster vielleicht für immer schloss«, so Tarantino.

In den Jubel über die Chancen der Digitalisierung wollte er nicht einstimmen. Dass sich Hollywoods Geschäftsmodell wegen der zunehmenden Verlagerung des Filmkonsums ins heimische Wohnzimmer gerade verändert, ist Tarantinos Sache nicht. »Erst in einigen Jahren werden wir wissen, wie es mit dem Kino weitergeht«, so Tarantino. »Aber wenn die Unterhaltungsindustrie sich dann drastisch von dem Modell der Auswertung von Filmen im Kino abgewandt haben sollte, dann bin ich nicht mehr inte­ressiert. Mein Job ist es nicht, Fernsehen zu machen.« An den Streamingdiensten ließ Taran­tino kein gutes Haar. Die Filme, die dort liefen, bedeuteten nichts: »Ich sage nicht, dass sie schlecht sind. Aber ich sage: Sie sind nicht Teil des Zeitgeistes, sie sind nicht Teil eines kollektiven Gesprächs über Popkultur.« Tarantino kündigt seit einigen Jahren an, mit seinem zehnten Film seine Karriere als Filmregisseur beenden zu wollen. Langweilig sei ihm ohne Dreharbeiten jedenfalls nicht: »Ich schreibe sehr gern Bücher. Und ich möchte meinem Sohn beim Aufwachsen zuschauen, für ihn da sein. Das reicht mir völlig.«

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