Quentin Tarantino kritisiert Marvel-Filme »Captain America ist der Star, nicht die Schauspieler«

Als Jugendlicher verschlang er die Comics, doch von den Marvel-Verfilmungen hält Quentin Tarantino wenig. Marvel-Heldendarsteller Simu Liu widerspricht dem Regisseur: Das alte Hollywood »war weiß wie Hölle«.
Regisseur Tarantino: »Das Problem ist, dass es nichts anderes mehr gibt«

Regisseur Tarantino: »Das Problem ist, dass es nichts anderes mehr gibt«

Foto: Franco Origlia / Getty Images

Sein jüngster Film ist nun schon wieder eine ganze Weile her: 2019 kam »Once upon a Time in Hollywood« in die Kinos und war ein großer Erfolg. Seitdem hat Quentin Tarantino zwei Bücher veröffentlicht, auf Deutsch erschienen bei Kiepenheuer & Witsch: Zunächst eine Romanfassung von »Es war einmal in Hollywood«, und nun ein filmhistorisches Werk, »Cinema Speculation«.

Der Schwerpunkt von Tarantinos persönlich gefärbtem Sachbuch liegt auf dem Hollywood der Siebzigerjahre, auf Filmen, die er als junger Mann in den Kinos von Los Angeles gesehen hat. Doch wenn man mit ihm darüber sprechen kann, liegt es nahe, ihn auch um Vergleiche mit der Filmszene der Gegenwart zu bitten. So machte es auf jeden Fall Tom Segura, der Quentin Tarantino bei dem Podcast »2 Bears, 1 Cave« zu Gast hatte. Dort sprach Tarantino von einer »Marvelisierung Hollywoods«, die zur Folge habe, dass es keine richtigen Filmstars mehr gebe.

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»All diese Schauspieler wurden bekannt dadurch, dass sie diese Figuren gespielt haben«, zitierte das Branchenblatt »Variety« Tarantino: »Aber sie sind keine Filmstars, oder? Captain America ist der Star. Oder Thor ist der Star.« Er sei auch bei Weitem nicht der Erste, der dies feststelle und er mache den Schauspieler auch keinen Vorwurf daraus.

Noch 2005 wäre ein Schauspieler, der in einem Film mit ähnlich viel Erfolg wie heute die Beiträge zum Marvel Cinematic Universums eine Hauptrolle gespielt hat, zum absoluten Star geworden, so Tarantino: »Sandra Bullock war in ›Speed‹ und alle fanden sie toll darin. Jeder wollte sie auch in anderen Filmen sehen. Heute wollen wir, dass dieser Typ immer wieder Wolverine oder was auch immer spielt.«

Mit 20 hätte Tarantino Marvelfilme geliebt

Quentin Tarantino betonte in dem Interview, dass er die Marvelfilme nicht hasse, er möge sie nur nicht besonders. »Ich habe wie ein Irrer Comics von Marvel gesammelt als Kind«, sagte der Regisseur, »wenn diese Filme rausgekommen wären, als ich in meinen Zwanzigern war, hätte ich sie geliebt.«

Heute, mit fast 60, könne er ihnen nicht mehr viel abgewinnen. In den Siebzigern wären sie zudem Filme unter anderen Filmen gewesen: »Heute scheinen sie die einzigen Filme zu sein, die überhaupt noch Aufregung unter ihren Fans und auch bei den Studios auslösen.« Damit habe er ein Problem.

Tarantinos Klage folgt auf ähnliche Stimmen aus dem Hollywood-Establishment. Insbesondere Martin Scorsese hat sich mehrfach kritisch über das Superheldenkino der Gegenwart geäußert.

Einer der von Tarantino angesprochenen Schauspieler meldete sich inzwischen zu Wort, wie das Branchenblatt »Hollywood Reporter« berichtete. Der Darsteller des Marvel-Superhelden Shang Chi, der chinesisch-kanadische Schauspieler Simu Liu, schrieb auf Twitter: »Wenn Tarantino und Scorsese die einzigen Türsteher zum Filmstarwesen wären, hätte ich nie die Möglichkeit gehabt, in einem 400-Millionen-Dollar-Film die Hauptrolle zu spielen.«

Simu Liu in »Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings«

Simu Liu in »Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings«

Foto: Capital Pictures / ddp/Capital Pictures

Er bewundere die Männer als Filmgenies und Autorenfilmer, so Liu weiter. »Doch ich bin stolz darauf, für ein Studio zu arbeiten, das sich nachhaltig darum bemüht, die Diversität auf der Leinwand zu vergrößern – indem es Helden schafft, die Menschen aus allen Gemeinschaften der Welt ermächtigen und inspirieren.« Auf die von Tarantino glorifizierten Zeiten bezogen, schrieb Liu: »Ich habe das ›Goldenen Zeitalter‹ auch geliebt. Aber es war weiß wie Hölle.«

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Quentin Tarantino hat angekündigt, nur noch einen weiteren Spielfilm drehen zu wollen – zehn sei eine gute Zahl. Seine bisher neun Filme zitierten immer wieder Genre-Sujets. »Kill Bill« und »Kill Bill 2« zum Beispiel bezogen sich auf asiatische Kampfsportfilme und Thriller.

feb
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