Rassismus-Drama "Selma" Oscar-Academy zeigt nach Vorwürfen Reue

2015 sei das Rassismus-Drama "Selma" bei den Oscarnominierungen benachteiligt worden, weil die Filmemacher gegen Polizeigewalt protestiert hätten, sagt Schauspieler David Oyelowo. Die Academy gelobt Besserung.
Schauspieler David Oyelowo, Regisseurin DuVernay am Set von "Selma": bei den Oscars 2015 übergangen

Schauspieler David Oyelowo, Regisseurin DuVernay am Set von "Selma": bei den Oscars 2015 übergangen

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Atsushi Nishijima/ AP/dpa

Das Statement war knapp, aber deutlich und demütig: "Ava & David, wir verstehen euch. Nicht akzeptabel. Wir bemühen uns um Fortschritt", twitterte die für die Verleihung der Oscars verantwortliche Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Freitag.

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Der rund 9000 Mitglieder umfassende Verband reagierte damit auf die Vorwürfe des britisch-amerikanischen Schauspielers und Regisseurs David Oyelowo, die er kurz zuvor in einem Interview mit dem Magazin "Screen International"  geäußert hatte. 2015 hätten einige Academy-Mitglieder absichtlich keine Oscarnominierungen für das Rassismus-Drama "Selma" abgegeben, weil die schwarzen Filmemacher öffentlich gegen Polizeigewalt protestiert hätten.

In dem Film der afroamerikanischen Regisseurin Ava DuVernay ("When They See Us") spielt Oyelowo die Hauptrolle des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. Bei der Premiere des Films im Dezember 2014 in New York hätten er und einige Kollegen T-Shirts mit der Aufschrift "I can't breathe" getragen. Sie wollten damit gegen die Tötung des Afroamerikaners Eric Garner protestieren, der wenige Monate zuvor bei einer Polizeikontrolle in New York ums Leben gekommen war. "I can't breathe" waren seine letzten Worte, wie nun auch der in Minneapolis bei einem Polizeieinsatz getötete George Floyd zu dem Beamten sagte, der ihm minutenlang mit seinem Knie die Luft abschnürte: "Ich kann nicht atmen". Der erschütternde Satz wurde in den vergangenen Tagen zur Parole eines neu entflammten Massenprotests gegen Rassismus.

Oyelowo zufolge hätten sich damals einige Mitglieder der Academy bei den Produzenten des Films über die Aktion beschwert und erklärt, sie würde bei den Oscars nicht für "Selma" stimmen. "Was fällt denen ein, das zu tun? Warum wirbeln die diese Scheiße auf?", so beschreibt Oyelowo in dem Interview den Zorn der Oscar-Voter. "True Story", wahre Geschichte, pflichtete Ava DuVernay ihm am Freitag auf Twitter bei.

Das von Kritikern weithin gepriesene Biopic bekam 2015 lediglich zwei Oscarnominierungen in den Sparten "Bester Film" und für den Song "Glory" von John Legend und Rapper Common, der auch gewann. Regisseurin DuVernay und Hauptdarsteller Oyelowo gingen hingegen leer aus.

Zum großen Teil sei die Missachtung von "Selma" in den Hauptkategorien mitverantwortlich für die Gründung der Protest-Initiative #Oscarssowhite gewesen, sagt Oyelowo. Die Academy-Mitglieder hätten ihr Privileg als Weiße benutzt, um einem Film Anerkennung zu verweigern, der nicht in ihre Sicht der Welt passe, sagte er im Interview.

Unter dem Hashtag #Oscarssowhite war die Oscar-Academy später in die Kritik geraten, weil Afroamerikaner bei den Nominierungen immer wieder weitgehend übersehen wurden. Diesem Druck gehorchend, hat sich die Academy aktiv um größere Vielfalt bemüht, unter anderem durch die Aufnahme größerer Minderheitenanteile in die überwiegend weiße Mitgliederschaft.

Das Eingeständnis, dem Film "Selma", seiner Thematik und seinen Kreativen eine größere Würdigung verwehrt zu haben, gehört wohl zu diesem langwierigen Prozess. Bereits am 31. Mai hatte sich die Academy, ebenfalls auf Twitter, angesichts der Tötung George Floyds mit der "Black Lives Matter"-Bewegung sowie ihren schwarzen Mitgliedern solidarisiert: "Wir müssen ein grelleres Licht auf Rassismus werfen und unseren Teil dazu beitragen, diesem Moment gerecht zu werden", heißt es in der Botschaft.

bor/dpa
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