Rassismus-Vorwürfe Blockbuster "Doctor Strange" unterschlägt tibetische Figur

Tilda Swinton spielt in dem Superheldenfilm "Doctor Strange" eine Figur namens The Ancient One. Die ist im Comic ein Mann aus Tibet. Jetzt hat das Filmstudio auf Vorwürfe reagiert, es handle sich um Whitewashing.
Tilda Swinton spielt The Ancient One.

Tilda Swinton spielt The Ancient One.

Foto: Disney/ Marvel

Wieder spielt ein weißer Star in einem Hollywoodblockbuster eine Figur, die ursprünglich einer anderen Ethnie angehörte. Diesmal ist es die Schottin Tilda Swinton, die The Ancient One in der neuen Comicverfilmung "Doctor Strange" spielt (Deutschlandstart: 27. Oktober). Eine Figur, die in der Vorlage der Lehrmeister der Titelfigur ist - und ein Mann aus Tibet.

Das Marvel-Studio, das den Film produziert, hat nun auf Vorwürfe reagiert, es handele sich um einen neuen Fall von Whitewashing. Der amerikanischen Webseite "Mashable" sagte ein Sprecher : "Marvel hat in der Vergangenheit seine Darsteller immer sehr vielfältig ausgewählt, um sein Universum mit Leben zu füllen. Dabei sind wir immer wieder auch von Stereotypen und vom Ausgangsmaterial abgewichen."

Kritik hatte schon eingesetzt, als bekannt wurde, dass Swinton in der neuen Comic-Verfilmung "Doctor Strange" die Figur The Ancient One spielen würde. Die Diskussionen nahmen nach der Veröffentlichung des Trailers vor zwei Wochen noch einmal zu. Dann äußerte sich auch noch  einer der Drehbuchautoren zu den Vorwürfen. In einem Interview sagte C. Robert Cargill: "Die Figur ist die größte kulturelle Landmine in der gesamten Geschichte von Marvel."

Die Vorwürfe häufen sich

Cargill führte die Besetzung mit Swinton darauf zurück, dass das Studio das chinesische Publikum nicht verärgern wollte: "Die Figur kommt aus Tibet, und wenn wir daran erinnern, dass Tibet ein Land ist, dann riskieren wir, eine Milliarde Menschen vor den Kopf zu stoßen, die glauben, dass das Schwachsinn ist." Es habe auch das Risiko bestanden, dass die chinesische Regierung den Film nicht freigeben würde.

Hollywood muss sich in letzter Zeit immer wieder für Casting-Entscheidungen rechtfertigen, die als rassistisch oder zumindest ignorant gegenüber ethnischen Zugehörigkeiten gelten. Auch die Besetzung von Scarlett Johansson als The Major in der Manga-Verfilmung "Ghost in a Shell" ist zurzeit stark umstritten, da die Geschichte in Japan angesiedelt ist und ihre Figuren japanischen Ursprungs sind.

Zuvor war bereits die romantische Komödie "Aloha", die auf Hawaii spielt, in die Kritik geraten. Dessen Bevölkerung besteht zu 70 Prozent aus Nichtweißen. Das Filmensemble, unter anderem mit Emma Stone und Bradley Cooper, war jedoch ausschließlich weiß. Auch der Blockbuster "Gods of Egypt" stand in der Kritik, eine im nordafrikanisch-arabischen Raum spielende Geschichte mit Nord- und Mitteleuropäern zu besetzen. Die Produzenten entschuldigten sich daraufhin.

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