Comedystar Rebel Wilson "Keine Sorge, ich werde nicht zum Fitness-Häschen!"

In Komödien wie "Brautalarm" muss sie immer die lustige Mollige sein. Aber damit hat Rebel Wilson kein Problem, wie sie im Gespräch erklärt.

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Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Frau Wilson, Ihr Name ist fast schon so etwas wie eine Marke. Wo Rebel Wilson draufsteht weiß man, dass es laut, wild und lustig wird. Auch Ihre Rolle in "How to Be Single" passt wieder genau in dieses Muster. Stecken Sie in einer Schublade fest?

Wilson: Das werden wir noch sehen. Ich stürze mich als Nächstes einfach auf die dramatischen Rollen mit Oscar-Potenzial, dann werden wir ja sehen, was passiert. (lacht) Aber ich weiß natürlich, was Sie meinen. Manchmal stoße ich schon an meine Grenzen. In "How to Be Single" gab es eine Szene, in der ich einen Monolog hatte, der ein bisschen die Hintergründe meiner Figur erklärt. Da habe ich viel improvisiert und von der schwierigen Beziehung ihrer Eltern erzählt. Ich wollte diesem Partygirl einfach etwas mehr Tiefe und Komplexität verleihen.

SPIEGEL ONLINE: Davon ist im fertigen Film aber nicht viel zu sehen...

Wilson: Der Regisseur hat mich dann irgendwann gebremst und gebeten, mich ans Drehbuch zu halten. Das war ihm zu ernsthaft für eine Komödie. So ist das eben oft: Die Filmemacher entscheiden sich für das Bewährte und Naheliegende. Ich bin also nicht immer schuld daran, wenn es in meinen Filmen laut und wild zugeht. Ich bemühe mich schon um Glaubwürdigkeit und Dreidimensionalität.

Zur Person
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    Rebel Wilson begann nach einem Schauspielstudium (das sie vorübergehend auch nach Südafrika und New York führte) ihre Karriere zunächst mit der Sydney Theatre Company und auf Stand-up-Bühnen, bevor ihr in verschiedenen australischen Sitcoms und Sketch-Sendungen der Durchbruch gelang. Doch in der Heimat wurde es für Wilson bald zu eng, so dass sie nach Hollywood aufbrach, wo sie mit einem kleinen Auftritt im Sensationserfolg "Brautalarm" prompt für Aufsehen sorgte. Seither darf die 36-jährige immer ran, wenn es laut und lustig werden soll, sei es in "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin", "Nachts im Museum: Das geheime Grabmal" oder in ihrer Paraderolle der Fat Amy in den "Pitch Perfect"-Filmen. Zuletzt sah man sie als Ehefrau von Sacha Baron Cohen in "Der Spion und sein Bruder".
SPIEGEL ONLINE: Aber immer die lustige Dicke sein zu müssen, nervt das nicht?

Wilson: Kein bisschen, denn ich verdiene damit jede Menge Kohle! Spaß beiseite: Ich darf die Leute zum Lachen bringen, das ist doch der beste Job der Welt. Aber ich sehe mich schon auch als Schauspielerin, nicht nur als Ulknudel. Gegen ernste Rollen hätte ich also tatsächlich gar nichts einzuwenden.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie das Komödienfach bereits im Blick, als Sie sich für die Schauspielerei entschieden?

Wilson: Als ich mit der Schauspielerei anfing, bei der Sydney Theatre Company, hatte ich, im Gegenteil, eigentlich eher eine Karriere wie Judi Dench im Sinn. Die großen Tragödienklassiker, Shakespeare und so. Doch dann betrat ich in meinem ersten Stück die Bühne - und alle Zuschauer fingen an zu lachen. Erst war ich sauer, aber als das dann jeden Abend passierte, merkte ich, dass da scheinbar ein Talent in mir schlummert. Seither gibt es nichts Schöneres für mich, als die Leute zum Lachen zu bringen.

SPIEGEL ONLINE: Hat man Sie es im Laufe Ihrer Karriere oft spüren lassen, dass Ihre Figur für Produzenten oder Regisseure ein Problem ist?

Wilson: Im Gegenteil! Sie war von Anfang an ein echter Vorteil. Als ich nach Hollywood kam, brauchte ich keine zwei Tage, bis ich einen Agenten gefunden hatte. Denn es gibt in Hollywood nicht viele Dicke, da sieht kaum jemand aus wie ich. Meine Figur ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal - und das ist in dieser Branche Gold wert. Deswegen hat es mich nie gestört, dass ich nicht diesem Typ "glamouröses Starlet" entspreche. All diese dürren Mädels schlucken Pillen und essen nichts. Darauf hätte ich sowieso keine Lust. Was aber übrigens nicht heißt, dass ich nicht auch mal auf dem Laufband stehe und meine Ernährung im Blick behalte.

SPIEGEL ONLINE: Also hat sich Ihr Verhältnis zum eigenen Körper und zum Thema Schönheit nicht verändert, seit Sie in Hollywood leben und ein Star sind?

Wilson: Keine Sorge, ich werde nicht zum Fitnessstudio-Häschen oder Hungerhaken. Das mit dem Laufband habe ich nur erwähnt, weil es in der Tat wichtig ist, ein gewisses Fitnesslevel zu haben. Auch als Dicke. Sonst steht man Drehtage von 16 Stunden nicht so ohne weiteres durch.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mit den Figuren, die Sie spielen, eigentlich viel gemeinsam?

Wilson: Das denken die meisten Leute, dabei bin ich nach zwei Drinks normalerweise schon bedient. Alle wollen ständig mit mir saufen, bieten mir Drogen an und denken, ich stehe auf One-Night-Stands. Wenn sie dann herausfinden dass ich eigentlich fast ein bisschen konservativ bin und definitiv Klasse habe, sind einige ganz enttäuscht. Da sehen Sie mal, was ich für eine gute Schauspielerin bin! Nicht dass ich nicht weiß, wie man ordentlich über die Stränge schlägt. Aber gemütliche Fernsehabende auf dem Sofa sind mir definitiv wichtiger.

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Rebel Wilson: Die Granate aus Down Under
SPIEGEL ONLINE: Apropos Fernsehen: Einer der wenigen Flops in Ihrer Karriere war Ihre eigene Sitcom "Super Fun Night", bei der Sie nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch Produzentin und Autorin waren. 2014 wurde sie nach nur einer Staffel wieder eingestellt. Trauern Sie dem Projekt noch nach?

Wilson: Nein, damit habe ich längst meinen Frieden gemacht. Für mich war das in erster Linie ein Experiment, denn ich hatte keine Ahnung, wie der Hase im amerikanischen Fernsehen läuft. Ich hatte mir vorher nicht wirklich überlegt, wie unglaublich anstrengend die Sache werden würde. Das Drehpensum ist viel höher als bei einem Film. Sieben Drehbuchseiten am Tag, das ist der Wahnsinn. Und am Wochenende musste ich ja ständig an den neuen Folgen schreiben. Kein Wunder, dass es bei den großen Free-TV-Sendern, wo eine Staffel 20 und mehr Folgen pro Jahr hat, wenige Leute gibt, die Autor und Star gleichzeitig sind. Wie Tina Fey das jahrelang durchgehalten hat, ist mir nämlich wirklich ein Rätsel.

SPIEGEL ONLINE: Abgesehen vom Stress hat Ihnen die Erfahrung aber gefallen?

Wilson: Lassen Sie es mich so sagen: Ich habe oft gejammert und mich beschwert. Nicht zuletzt in Gesprächen mit Robin Williams, den ich am Set von "Nachts im Museum" kennenlernte und der damals parallel zu mir auch eine neue Sitcom hatte. Wir waren beide frustriert, wie schwierig es abseits der Bezahl- oder Kabelsender ist, auch mal etwas Ungewöhnliches zu wagen. Ich wurde ständig zensiert, meistens waren es meine Lieblingsgags, die der Schere zum Opfer fielen. Das war nicht immer nur Spaß. Aber jetzt weiß ich, worauf es ankommt - und würde beim nächsten Mal vieles anders machen.

SPIEGEL ONLINE: In Ihren Filmen genießen Sie das Singledasein in vollen Zügen. Wie sieht es in echt aus?

Wilson: Ich bin auch in echt Single. Ist ja als Schauspielerin auch nicht immer ganz einfach. Ständig dreht man, aber ja praktisch nie in Los Angeles. Aber ich will mich künftig wieder mehr in die Dating-Szene begeben. Denn jetzt, wo ich mich karrieremäßig ein bisschen etabliert habe und weiß, wo ich stehe, kann ich wieder ein wenig Balance zwischen Arbeit und Privatleben herstellen.

SPIEGEL ONLINE: Findet man Sie also bei Tinder?

Wilson: Um Gottes Willen! Online-Dating ist so gar nicht meine Sache. Finde ich auch schwierig, wenn man in der Öffentlichkeit steht, denn natürlich wollen sich 99 Prozent der Männer nur treffen, weil man bekannt ist. Die Sache ist in L.A. ohnehin schon schwer genug, denn alle arbeiten entweder in der Unterhaltungsbranche oder träumen zumindest davon. Da jemanden zu treffen, dem es ernsthaft um mich als Person geht, ist keine leichte Sache.

SPIEGEL ONLINE: Sie hoffen also drauf, den Mann fürs Leben bei der Arbeit zu treffen?

Wilson: Oder über gemeinsame Freunde. Neulich war ich ganz aufgeregt, weil ich dachte, dass ein befreundetes Paar mich verkuppeln will. Wir waren zum Essen verabredet und sie wollten einen Bekannten mitbringen, einen Comedystar aus Dänemark. Doof nur, dass der seine Frau mitbrachte.

SPIEGEL ONLINE: Wäre er denn Ihr Typ gewesen?

Wilson: Na ja, eigentlich stehe ich mehr so auf den Typ Profi-Footballspieler. Wobei ich mir das aus dem Kopf schlagen muss. Die betrügen schließlich bekanntermaßen alle ihre Frauen und decken sich dann gegenseitig. Das kann ich nun gar nicht gebrauchen!

How to Be Single
    Vier unterschiedliche Freundinnen in New York, Freud und Leid des Single-Daseins und offenherzige Gespräche über Sex, Männer und Alkohol? Das klingt nicht nur nach "Sex and the City", sondern ist im Falle von "How to Be Single" auch deutlich davon inspiriert. Das gleiche Niveau in Sachen Witz und Dialoge erreicht das vorhersehbare und etwas chaotische Hollywood-Debüt des Deutschen Christian Ditter allerdings nie. Aber immerhin gelingen zumindest Leslie Mann und vor allem Rebel Wilson neben der braven Dakota Johnson einige ziemlich amüsante Gags.



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