Französischer Filmemacher Regie-Legende Alain Resnais ist tot

Mit seinen Filmen wühlte er das kollektive Gedenken an die Gräuel des Zweiten Weltkriegs auf, seine radikale Erzählweise revolutionierte das Weltkino: Der Franzose Alain Resnais galt als einer der aufregendsten Filmemacher. Jetzt ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

AFP

Paris - Der Altmeister des französischen Kinos Alain Resnais ist tot. Der 91-Jährige sei am Samstagabend im Kreis seiner Familie in Paris gestorben, teilte der Produzent seiner letzten Filme, Jean-Louis Livi, am Sonntag mit. Resnais wurde mit Filmen wie "Hiroshima, mon amour" und "Das Leben ist ein Chanson" berühmt. Für seine Arbeiten, die sowohl durch ihre experimentelle Ästhetik als auch durch ihre aufregende Themenwahl bestachen, wurde er als "faszinierendster Runderneuerer des Weltkinos" ("FAZ") gefeiert. Resnais wurde mit über 50 Preisen ausgezeichnet, zuletzt auf der diesjährigen Berlinale mit dem Alfred-Bauer-Preis für seinen Film "Aimer, boire et chanter" ("Life of Riley").

Resnais wurde am 3. Juni 1922 in Vannes/Bretagne als Sohn eines Apothekers geboren. Aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit wurde er vom Militärdienst befreit, weshalb er 1939 ein Pädagogikstudium in Paris beginnen konnte. Bald wechselte jedoch ans Institut des Hautes Etudes Cinématographiques und absolvierte dort eine Ausbildung als Cutter. Zudem nahm er Schauspielunterricht und gastierte als Mitglied der klassischen Theatergruppe Les Arlequins in den letzten Kriegsjahren in der Provinz.

Nach dem Krieg arbeitete Resnais zunächst als Cutter, dann begann er, dokumentarische Künstlerporträts zu verfassen. Mit seinem Film "Nacht und Nebel", einer Auseinandersetzung über die deutschen Konzentrationslager, sorgte er für diplomatische Verwicklungen zwischen Frankreich und Deutschland. Der 32-minütige Dokumentarfilm war nach Meinung der "Welt" "für eine ganze Generation weltweit die erste bildliche Begegnung mit den KZ-Gräueln".

Kinorevolution mit Spielfilmdebüt

Noch mehr Aufsehen erregte sein Debüt als Spielfilmregisseur: "Hiroshima, mon amour" wurde 1959 als Meisterstück der Nouvelle Vague gefeiert. Mit dem Film, der Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva ("Liebe") zum Star machte, lieferte Resnais eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Grauen nach dem Abwurf der Atombombe. Auch sein zweiter, 1960 in den Schlössern Nymphenburg und Schleißheim sowie in der Münchner Residenz gedrehter Spielfilm "Letztes Jahr in Marienbad" wurde ein gefeiertes Kinoereignis, für das er in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde.

Nachdem er in den siebziger und achtziger Jahren wegen wirtschaftlicher Erfolglosigkeit nur wenig Filme machen konnte, gelang Resnais 1993 mit dem Doppelfilm "Smoking" und "No Smoking" ein furioses Comeback. In den zwei Filmen spielt er den Gedanken durch, wie es wäre, wenn man ein Leben zweimal leben könnte. Die französische Filmakademie zeichnete "Smoking"/"No Smoking" mit fünf Césars aus, unter anderem als bester Film des Jahres.

Seinen größten kommerziellen Erfolg feierte Resnais 1997 mit der Gesellschaftskomödie "Das Leben ist ein Chanson", die sieben Césars gewann. In den neunziger Jahren wurde Resnais mehrfach für sein Lebenswerk ausgezeichnet, so ehrten ihn unter anderem die Filmfestspiele von Berlin und Venedig.

Auch im hohen Alter drehte Resnais weiterhin Filme, zuletzt war von ihm "Ihr werdet euch noch wundern" (2012) in den deutschen Kinos zu sehen."Aimer, boire et chanter", was sich als Resnais' letzter Film erweisen sollte, lief 2014 im Wettbewerb der Berlinale, wo er sowohl mit dem Fipresci-Preis als auch mit dem Preis für einen "Film, der neue Perspektiven eröffnet" gewürdigt wurde. An der Preisverleihung konnte Resnais schon nicht mehr teilnehmen. An seiner Stelle nahm Produzent Livi den Preis entgegen. An Livi war es auch nun, die traurige Botschaft von Resnais' Tod zu überbringen.

hpi/dpa



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