"Rico, Oskar und der Diebstahlstein" Lauschangriff am FKK-Strand

Tschüss Rico und Oskar: Im letzten Teil der "Rico und Oskar"-Trilogie suchen die Berliner Hobby-Detektive einen gestohlenen Stein. Ein würdiger Abschied der kleinen Filmhelden.

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Ganz schön groß geworden sind die beiden - so groß, dass die Schauspieler Anton Petzold, 12, und Juri Winkler, 13, in keinem weiteren Film durchgehen würden als die Berliner Jungs Oskar und Rico, die mit kindlicher Naivität und Besserwisserei Kriminalfälle lösen.

Aber Andreas Steinhöfel hat nur drei Bände der Trilogie um den tiefbegabten Rico und den hochbegabten Oskar verfasst, und nun kommt mit "Rico, Oskar und der Diebstahlstein" also der letzte Teil ins Kino.

Er beginnt mit einem Todesfall: Der ewige Bademantel-Träger und ausgesprochen schrullige Nachbar Fitzke (Milan Peschel) stirbt an einem Herzinfarkt. Er hinterlässt Rico seine Steinsammlung und die Aufzeichnungen über seine jahrelangen Versuche, Steine zu züchten. Oskar hält die Zuchtversuche für kompletten Quatsch, zumal Fitzke nicht mal weiß, dass er versucht, verschiedene Gesteinsarten zu kreuzen. Oskar aber hat sich in einen weißen Stein verliebt, den "Kalbstein", der eigentlich ein Kalkstein ist.

Nicht ohne den gefleckten Hund

Doch dann schleicht jemand nachts in die Wohnung, und ausgerechnet der Kalbstein wird geklaut. Schnell finden die beiden heraus, dass Fitzke eine Tochter hat, und die vermutlich einen Wohnungsschlüssel. Und sie besitzt ein Haus am Meer. Dass Ricos Mutter (Karoline Herfurth) mit dem Nachbarn und Polizisten Simon Westbühl (Ronald Zehrfeld) in den "Knutsch-Urlaub" fährt, kommt den Jungs ausgesprochen entgegen - denn nun können sie unbemerkt losreisen und den gestohlenen Stein suchen.

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"Rico, Oskar und der Diebstahlstein": Hoch- und tiefbegabt

Auch Oskars Vater Lars (Detlev Buck), der inzwischen mit Oskar im selben Haus lebt wie Rico, wird nicht Alarm schlagen: Oskar hat ihm einen Zettel geschrieben, dass er "Abstand" brauche - eine Retourkutsche für eine wortgleiche Notiz, die der Vater ihm in Teil 2 "Rico, Oskar und das Herzgebreche" hinterlassen hatte. Mit auf die Reise kommt der kleine gefleckte Jack-Russell-Terrier der bösen Bingo-Betrügerin Ellie Wandbek, den Rico und Oskar am Ende von Teil 2 in Pflege genommen haben. Von seinem Helm hat Oskar sich ja schon in Teil 1 verabschiedet; in Teil 3 trägt er eine auffällige Bommel-Mütze.

Ungewohnt unclever für einen Hochbegabten, wie sich herausstellt. Schließlich will Oskar unbemerkt auf den Spuren des Verbrechers wandeln.

Durchgedrehte Kellnerinnen

Sehr lustig auch für Erwachsene ist die Szene, als Rico im Großraumwagen unterm Tisch versteckt wird, während Oskar von einer befreundeten Familie die Fahrkarte eines Jungen bekommt, der doch nicht mit auf die Reise gegangen ist. "Unter dem Tisch sitzt noch einer", sagt der Vater und grinst begeistert über seinen eigenen, total gerissenen Witz.

Spannend für Kinder ist, als die Jungs versuchen, bei einem nächtlichen Einbruch den Stein zurückzuholen und auf einen, allerdings tauben, Mastino Napolitano treffen. Und grotesk ist, wie sie bei einer Kellnerin (Heike Makatsch) bestellen, die die Wünsche der Gäste vorab errät - durchgedrehte Kellnerinnen oder Eisverkäuferinnen sind ein Running Gag der Trilogie.

Höhepunkt ist der Lauschangriff am FKK-Strand: Da liest Sven, der gehörlose Freund von Rico und Oskar, den Stein-Dieben und dem Hehler von den Lippen ab. Dass dies nicht albern, sondern witzig ist, zeigt die hohe Kunst der Regisseurin Neele Leana Vollmar, die auch schon Teil 1 "Rico, Oskar und die Tieferschatten" inszeniert hat. Bei Teil 2 hatte sie mutterschaftsbedingt ausgesetzt.

Jeder Teil der Trilogie hat ein Happy-End, wie sich das so gehört bei fröhlichen Sommer-Familien-Filmen. Der Trilogie-Abschluss ist sogar eine Art Super-Happy-End. Denn es gibt Hoffnung, dass Oskar endlich die Liebe seines Vaters findet. Und während Vater und Sohn auf der nebeneinander sitzen und Licht in das Dunkel ihrer Beziehung bringen, macht es immer wieder klick, und das Treppenhauslicht geht aus. Rico steht auf und schaltet es wieder an für seinen Freund. Eine schöne Szene, eine schöne Metapher.

Schade, dass es jetzt vorbei ist. Im nächsten Sommer wird das tief-hoch-begabte Jungs-Duo im Kino fehlen.

Im Video: Der Trailer zu "Rico, Oskar und der Diebstahlstein"

"Rico, Oskar und der Diebstahlstein"

    D 2016

    Regie: Neele Leana Vollmar

    Drehbuch: Martin Gypkens - basierend auf Andreas Steinhöfel

    Darsteller: Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth

    Verleih: Fox Deutschland

    Länge: 94 Minuten

    FSK: ab 0 freigegeben

    Start: 28. April 2016

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