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Road-Movie "Plein Sud": Traumhafte Hüllen

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Road-Movie "Plein Sud" Traumhafte Hüllen

In Sébastian Lifshitz' neuem Film "Plein Sud - Auf dem Weg nach Süden" sehen die Menschen so gut aus, dass es kaum auffällt, wie wenig interessante Dinge sie tun.

Wer schöne Menschen mag, vor allem schöne Männer, ist in Sébastien Lifshitz' neuem Film "Plein Sud" schon mal ganz gut aufgehoben, hier ist für jeden einer dabei. Und alle in einem Auto! Sie mögen geheimnisvolle, maskuline James-Dean-Typen? Dann könnte Ihnen der 27 Jahre alte Sam (Yannick Renier) gefallen, der am Steuer eines alten Fords sitzt und zunächst ohne nähere Angabe von Gründen, aber mit einem Revolver im Gepäck Richtung Süden reist, dabei sehr wenig spricht und mal wütend, mal unendlich traurig ins Nichts schaut.

Auf der Flucht vor irgendwas

Oder doch lieber der unschuldige, goldgelockte Jüngling? Im Auto sitzt auch noch Teenager Matieu (Théo Frilet), etwas schüchtern, aber eindeutig auf sexueller Entdeckungsreise, die seinetwegen gern den Schoß von Sam zum Ziel haben könnte, aber wer weiß schon, was dem so gefällt, der redet ja nicht. Irgendwann steigt noch der arrogante, junge Skatertyp Jérémie (Pierre Perrier) dazu, ohne besonderen Grund, aber groß stören tut er auch nicht, und dekorativ ist er allemal. Für ihn und alle anderen Fans von Frauen ist auch noch Matieus Schwester Léa (Léa Seydoux) dabei, ganz die selbstbewusste, erdbeerblonde Schönheit, sinnlich und fordernd, aber eigentlich auch ganz zerbrechlich. Vor irgendetwas auf der Flucht. Ach, sind wir das nicht alle, wenn wir jung sind?

Ein Quartett wie gemacht für die Welt des Kinos, denn diese Menschen wollen in Großaufnahme bewundert werden, die Gesichter umspielt von südfranzösischem Sommerlicht, Sandkörner auf kaum bekleideter Haut, wenige Worte, aber viele vielsagende Blicke. Regisseur Lifshitz (bekannt vor allem durch seine komplizierte multisexuelle Liebesgeschichte "Wild Side", die auf der Berlinale 2004 den queeren Filmpreis Teddy bekam), tut alles, um seine attraktiven Darsteller in all ihrer Pracht in Szene zu setzen, und das gelingt ihm gut. Viele seiner Bilder sind wie bewegte Fotos eines flirrenden Sommers, schöne Menschen mit Geheimnissen in einer täuschend schönen Welt. Man kann sich darin verlieren, auf der Suche nach den Rissen in der perfekten Fassade, nach der Geschichte dahinter.

Ein bisschen Godard

Wenn die nur spannend wäre! Lifshitz breitet sie nach und nach aus, wobei ihm eigentlich nur der Hintergrund des mysteriösen Sam wichtig genug erscheint, um ihn in Rückblenden langsam auszuleuchten. Der Arme hatte nämlich eine ziemlich traumatische Kindheit, die es nun aufzuarbeiten gilt, womöglich mit Hilfe der Waffe, in Spanien, wo ein bestimmtes Familienmitglied wohnt, mit dem noch ein Hühnchen zu rupfen wäre.

Godard

Ozon

Lifshitz erzählt mit betont vielen Auslassungen, deutet lieber an als zu erklären und pflegt überhaupt einen sehr französischen Kunstfilm-Stil - ein bisschen (Achtung, eine Waffe!), ein bisschen (Oh, all die schreckliche Schönheit) - wogegen überhaupt nichts einzuwenden wäre, wenn er etwas tiefer schürfen würde, als nur die glänzende oberste Schicht anzukratzen. Am Ende ist Sam um sein Geheimnis erleichtert, ohne jemals wirklich etwas von seiner Persönlichkeit preisgeben zu müssen. Die anderen drei werden auf halber Strecke einfach zurückgelassen, gerade als sie so etwas wie Charaktere zu entwickeln beginnen. Es ist fast so, als wehre Lifshitz eine nähere Auseinandersetzung mit seinen Figuren aktiv ab. Vielleicht aus Angst, dass hinter diesen traumhaft schönen Hüllen nicht mehr allzu viel zu entdecken ist.


"Plein Sud - Auf dem Weg nach Süden". Start: 16.12. Regie: Sébastian Lifshitz mit Yannick Renier, Théo Frilet, Pierre Perrier, Léa Seydoux.

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