Oscarverleihung Netflix steckt Millionen in Kampagne für "Roma"

And the winner is: "Roma". Zumindest, wenn es nach Netflix geht. Laut Medienberichten fährt der Konzern die teuerste Kampagne seit Jahren, damit sein Juwel in der Kategorie "Bester Film" gewinnt.

Golden-Globes-Gewinner Alfonso Cuaron
MIKE NELSON/ EPA-EFE/ REX

Golden-Globes-Gewinner Alfonso Cuaron


Netflix überlässt nichts dem Zufall, wenn es um den populärsten Filmpreis der Welt geht. Ins Kino bringt der Konzern seine Filme zwar nur widerwillig, aber für einen Oscar als bester Film für sein Drama "Roma" gibt er alles. Die Auszeichnung würde schließlich Prestige und neue Abonnenten bringen.

Zehn bis 20 Millionen Dollar oder mehr gibt Netflix laut PR-Experten aus, berichtet die " New York Times". Hollywood sei mit Anzeigen plakatiert, beinahe rund um die Uhr finde irgendwo ein "Roma"-Event statt, oft mit populären Moderatorinnen wie Angelina Jolie und Charlize Theron. Allein für einen zweiminütigen Werbeclip, der während der populären Morgenshow "CBS Sunday Morning" lief, gab Netflix 170.000 Dollar aus.

Es dürfte sich um die teuerste Oscar-PR-Kampagne seit Jahren handeln. Ein Insider sagte dem Magazin "Fast Company": "Netflix gibt nicht nur ein bisschen mehr als alle anderen aus, sondern Millionen über Millionen mehr."

"Roma" soll für Netflix unbedingt den Oscar für den besten Film holen
Netflix

"Roma" soll für Netflix unbedingt den Oscar für den besten Film holen

Die Chancen für "Roma" dürften gewachsen sein, nachdem der Film bei den Golden Globes als bester nicht-englischsprachiger Film und für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Dort durfte das Drama nicht in der Kategorie Bester Film antreten, weil die Regeln vorschreiben, dass die Dialoge dazu auf Englisch gesprochen sein müssen. In "Roma" wird Spanisch gesprochen.

Deshalb steht der Film bei der Oscarverleihung auch auf der Shortlist der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Mexiko hatte ihn dazu eingereicht. Das wiederum könnte die Chancen von "Roma" trotz der Kampagne minimieren, denn noch nie hat ein Film aus der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" auch als bester Film des Jahres gewonnen.

Es gibt aber auch handfestere Gründe, warum die Chancen von "Roma" vielleicht doch nicht so gut stehen, obwohl der Film mittlerweile von den meisten Kritikervereinigungen ausgezeichnet wurde. Mit dem Gewinn des Oscars für den besten Film wäre der Emporkömmling schließlich endgültig im Hollywood-Olymp angekommen. Dabei zerstört der Konzern in der Wahrnehmung vieler altgedienter Mitarbeiter der Filmindustrie das Geschäftsmodell der Traumfabrik.

Amazon hat schon wichtige Oscars gewonnen

Netflix lehnt es nach wie vor ab, seine Filme regulär ins Kino zu bringen und eine Frist einzuhalten, bevor sie auch auf der Plattform starten. "Roma" zählt zwar zu den wenigen Netflix-Filmen, die in mehreren Ländern - auch in Deutschland - in einigen Kinos starteten. In den USA lief der Film aber gerade einmal drei Wochen in ausgewählten Lichtspielhäusern in New York und Los Angeles - die Mindestanforderung, um den Film überhaupt für die Oscarverleihung anmelden zu können.

Dass es auch anders geht, zeigt seit Jahren der direkte Konkurrent Amazon Studios, dessen Drama "Manchester By The Sea" 2017 für den besten Film nominiert wurde. Casey Affleck gewann einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Amazon bringt seine Filme regulär in die Kinos.

Netflix konnte bisher erst zwei Oscars ergattern, einen für die beste Kurzdoku und einen 2018 für die beste Dokumentation in Spielfilmlänge ("Icarus"). Für "Roma" geht es zunächst einmal darum, überhaupt nominiert zu werden. Die Nominierungen werden am 22. Januar bekannt gegeben.

kae



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lotharbongartz 16.01.2019
1. Hype
Ich habe den Film mit meiner Frau und Tochter angeschaut und keiner hat bis zum Ende durchgehalten. Der Film biedert sich bei Kritikern an und hat damit ja Erfolg. Auch bei Netflix passt er deshalb in die Image-Pflege.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.