Vergewaltigungsvorwürfe Polanski-Filmstart von Protesten begleitet

"J'accuse", heißt der neue Film von Roman Polanski, der jetzt in Frankreichs Kinos anläuft. Die PR-Kampagne aber stockt - denn der Regisseur ist mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert.

Demonstration vor Pariser Kino: "J'accuse"-Preview gestört
Christophe ARCHAMBAULT/ AFP

Demonstration vor Pariser Kino: "J'accuse"-Preview gestört


Der Start des neuen Films von Oscarpreisträger Roman Polanski wird in Frankreich von Protesten begleitet: Mehrere Dutzend Frauen demonstrierten am Dienstagabend im Pariser Quartier Latin vor einem Kino, in dem "J'accuse" als Vorabpremiere gezeigt werden sollte. Sie nannten den Regisseur einen "Vergewaltiger" und warfen der Filmbranche ein "Schweigekartell" vor. Daraufhin wurde die Vorführung abgesagt.

Valentine Monnier, ein früheres französisches Model, hatte dem in Frankreich lebenden Regisseur kürzlich vorgeworfen, sie 1975 in seinem Haus im Schweizer Skiort Gstaad vergewaltigt zu haben. Sie war damals 18 Jahre alt, Polanski 42. Polanski weist die Vorwürfe zurück.

Polanskis Anwalt Hervé Temine drückte gegenüber "Le Parisien" seine Missbilligung aus, dass Monniers Vorwurf kurz vor dem französischen Kinostart von "J'accuse" publik gemacht wurde. Monnier sagt, sie hätte seit zwei Jahren verschiedene Personen und Instanzen in der Sache angeschrieben, darunter die Polizei von Los Angeles, Präsidentengattin Brigitte Macron und Marlène Schiappa, Staatssekretärin für Geschlechtergerechtigkeit in der französischen Regierung. An die Medien habe sie sich schließlich gewandt, als sie von Polanskis neuem Film erfuhr, da die Berichterstattung zu "J'accuse" ihre "traumatischen Erinnerungen" wiederbelebt hätte: "Vergewaltigung ist eine Zeitbombe", so Monnier.

Hauptdarsteller sagte Interview ab

Der heute 86-jährige Polanski wird in den USA seit Jahrzehnten wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen polizeilich gesucht. Im Jahr 1977 hatte er Sex mit der damals 13-jährigen Samantha Geimer, ein Jahr später floh er aus den USA. Den Oscar, den er 2003 für "Der Pianist" gewann, nahm er nicht bei der Gala in Los Angeles entgegen, sondern erst später in Frankreich. Seither haben weitere Frauen von sexuellen Übergriffen Polanskis in den Siebziger- und Achtzigerjahren berichtet.

In seinem neuen Film, der in Deutschland im Februar unter dem Titel "Intrige" in die Kinos kommen soll, geht es um die Dreyfus-Affäre: den Fall des jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus, der 1894 in Frankreich zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt wurde. Einige Kritiker werfen dem Holocaust-Überlebenden Polanski vor, sich mit dem Film selbst zum Opfer einer Intrige stilisieren zu wollen.

Der Schauspieler Jean Dujardin, einer der Hauptdarsteller von "J'accuse", zog einen geplanten Auftritt in den Prime-Time-Nachrichten des französischen Fernsehsenders TF1 zurück, nachdem die Vorwürfe von Valentine Monnier bekannt geworden waren.

Dujardin hatte sich zuvor mit der Schauspielerin Adèle Haenel solidarisch erklärt, die Anfang des Monats öffentlich gemacht hatte, dass sie als Minderjährige von dem französischen Regisseur Christophe Ruggia sexuell belästigt worden sei. Die Aussage von Haenel hatte der #MeToo-Debatte in Frankreich neue Brisanz verliehen. Adèle Haenel sagte in einem Statement Valentine Monnier ihre Unterstützung zu.

Polanskis Film wurde bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem "Großen Preis der Jury" ausgezeichnet, dem zweiten Preis. Es gab am Dienstagabend weitere Vorabpremieren in Pariser Kinos, darunter eine von Prominenten besuchte im "UGC Normandie" auf den Champs-Élysées. Dort wurde "J'accuse" mit Applaus gewürdigt. Polanski war nach Angaben von purepeople.com und mehreren Filmkritikern anwesend. Der "Figaro" berichtet, dass mehrere Premierengäste davon gesprochen hätten, "den Mann vom Regisseur trennen" zu wollen.

feb/AFP/dpa



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