"Rücksturz ins Kino" Raumpatrouille Reloaded

Die "Raumpatrouille Orion" fliegt wieder - als neu geschnittener Kinofilm mit Moderation von Elke Heidenreich. Fraglich bleibt nur, warum. Der Plan, aus dem alten Kult einen neuen zu kreieren, ging leider nicht auf.

Von Jörg Schallenberg


"Raumpatrouille", Darsteller Schönherr, Völz, Pflug: Kult der sechziger Jahre
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"Raumpatrouille", Darsteller Schönherr, Völz, Pflug: Kult der sechziger Jahre

Nur 20 Sekunden dauert es nach dem Vorspann, dann ist es schon im Bild: Das Bügeleisen. Jenes so mythische wie klobige Sechziger-Jahre-Modell, das in keinem Bericht über die Abenteuer der "Raumpatrouille Orion" fehlen darf. Denn eigentlich ist es ja gar kein Bügeleisen, sondern das zentrale Steuerelement eines Sternenkreuzers. Zumindest dachte sich das irgendwann im Frühjahr 1965 der durchaus visionäre Filmausstatter Rolf Zehetbauer, als er den Auftrag bekam, die Kommandobrücke eines Raumschiffes zu bestücken, das von den Bavaria-Studios im Süden Münchens aus schon bald seine Reisen ins Weltall und vor allem auf die deutschen Fernsehschirme starten sollte.

Das intergalaktische Bügeleisen verfehlte seine Wirkung nicht: Die siebenteilige Serie "Raumpatrouille" mit Dietmar Schönherr als Commander Cliff Allister McLane, Wolfgang Völz als Mario de Monti und Eva Pflug als Leutnant Tamara Jagellovsk erreichte in den Sechzigern traumhafte Einschaltquoten und wurde später dank der unverkennbaren Titelmelodie von Peter Thomas, der - nun ja - einfallsreichen Ausstattung und dem spröden Charme der etwas hüftsteifen Darsteller völlig zu Recht zum Kult erhoben. Genau darin liegt nun das Problem.

Darsteller bei der Premiere in München: Haha und zwinker-zwinker
DDP

Darsteller bei der Premiere in München: Haha und zwinker-zwinker

Denn beim Münchner Filmfest feierte am Dienstag der Film "Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino" Premiere. Dahinter verbirgt sich keineswegs ein Remake oder eine Neuverfilmung mit den leicht gealterten Hauptdarstellern - nein, aus den Originalaufnahmen der Bavaria Film hat eine findige Crew eine neue, 90-minütige Handlung zusammengeschnitten, die am 24. Juli in den Kinos anlaufen soll. Natürlich steht mal wieder viel auf dem Spiel: "Es geht um die Menschheit, Commander!", muss sich McLane schon bald von der Weltregierung sagen lassen, bevor dann "Plan DX 17" zur Rettung des Planeten angeworfen wird. Schnell, schnell, draußen im Weltall lauern schon die verdammten Frogs, also "Feindliche Raumschiffe ohne galaktische Seriennummer". Und wahrscheinlich auch ohne TÜV. Doch, es war schon eine recht deutsche Serie, obwohl es freilich in der Zukunft der "Orion" keine Nationalstaaten mehr gibt.

Aber das hat ja im Vergleich etwa zum "Raumschiff Enterprise" seine Vorteile: "Raumpatrouille Orion" wirkt viel bodenständiger und lebensnäher. Da besaufen sich Besatzungsmitglieder schon mal vor Frust darüber, dass sie nach dem Einsatz nach Hause zur nervigen Ehefrau müssen, da gibt es wenig heroische Anwandlungen, dafür unbändige Freude über den Feierabend und ein gepflegtes Bier im "Starlight Casino". Natürlich verrät der Film auch viel über den Zeitgeist der mittleren Sechziger, über Stil, Politik, Musik, Mode - und durchaus auch über manche politische Idee, die dann von den 68ern vom Fernsehsessel auf die Straße getragen wurde.

Bloß - das kennt man ja alles schon. Zumindest fast alles, denn die Produzenten vom "Rücksturz ins Kino" haben sich eine neue Figur einfallen lassen. Die Moderatorin Elke Heidenreich tritt zwischendurch als Nachrichtensprecherin Helma Krap auf, die in der "Sternenschau" die wichtigsten Ereignisse des "Orion"-Zeitalters verkünden und kommentieren darf. Das macht sie auch sehr gut, und doch ist ihre Figur nicht nur in dramaturgischer Hinsicht überflüssig.

Moderatorin Heidenreich als Helma Krap: Wink mit dem Zaunpfahl
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Moderatorin Heidenreich als Helma Krap: Wink mit dem Zaunpfahl

Denn Krap alias Heidenreich soll dummerweise gleich mehrere Funktionen erfüllen. Zum einen ist sie der Wink mit dem Zaunpfahl, der signalisiert: "Hallo, das ist was Neues hier!", zum anderen muss sie offenbar die Haltung der Produzenten vermitteln, die Wert darauf legen, dass doch alles ganz ironisch und selbstironisch gemeint ist. So flimmern dann Werbespots im Sixties-Stil mit einem der Geldgeber für den Film über die Leinwand, und so kündigt Elke Heidenreich, Moderatorin der erfolgreichen Bücher-Sendung "Lesen", in ihrer Rolle als Helma Krap schelmisch an, demnächst einen bekannten Science-Fiction-Autor zu interviewen. Haha und zwinker-zwinker. Man muss es nicht komisch finden.

Und auch nicht kultig. Denn allzu offensichtlich wollte die Münchner Bavaria beim "Rücksturz ins Kino" den Faktor "Kult" bei der Vermarktung mobilisieren. Garantiert hat man darauf geschielt, dass Helma Kraps Spruch "Alles wird galaktisch gut" so in den Sprachgebrauch eingeht wie einst "Es wird böse enden" aus "Zur Sache, Schätzchen". Aber es funktioniert nicht. Die Idee, aus einem alten Kult einen neuen zu kreieren, geht nicht auf, weil an keiner Stelle erkennbar wird, warum dieser Film notwendig sein soll - mal abgesehen davon, dass die Titelmelodie in Dolby Surround noch faszinierender klingt als bisher.

Der Blick ins Pressematerial zum Film bestätigt schließlich schlimmste Befürchtungen: Der Orion-Zusammenschnitt soll lediglich als Pilotprojekt für das Prinzip dienen, "aus kultfähigem TV-Material, zum Beispiel alten Serien und Musikshows, (...), optisch und akustisch überzeugende Kinoversionen entstehen" zu lassen. Na, dann warten wir mal auf "Der Goldene Schuss - reloaded".



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