In Russland inhaftierter Filmemacher Oleg Senzow stoppt Hungerstreik - nach 144 Tagen

Der ukrainische Regisseur Oleg Senzow hat eingewilligt, wieder Nahrung zu sich zu nehmen, melden russische Agenturen. Er war seit Mai im Hungerstreik, als Protest gegen die Menschenrechtslage in Russland.

Oleg Senzow 2015 (links) und Ende September nach 139 Tagen Hungerstreik
AFP/ Russian Federal Penitentiary Service / HO

Oleg Senzow 2015 (links) und Ende September nach 139 Tagen Hungerstreik


Der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher Oleg Senzow hat nach Angaben der russischen Strafvollzugsbehörde seinen seit fast fünf Monaten andauernden Hungerstreik unterbrochen. "Ja, er hat seinen Hungerstreik gestoppt", sagte der Vizechef der russischen Gefängnisbehörde, Valeri Maximenko, der Nachrichtenagentur Interfax am Freitag.

Die "besten Ernährungswissenschaftler Moskaus" hätten einen Speiseplan für den 42-Jährigen erstellt, so Maximenko. Damit solle sichergestellt werden, dass er wieder volle Gesundheit erlangen könne. Der Nachrichtenagentur Tass sagte Maximenko, Senzow habe auf die Bitten der Gefängnisärzte und seiner Anwälte reagiert. Senzows Anwalt war zunächst nicht für eine Bestätigung zu erreichen.

Ende September war Senzow zu Untersuchungen in ein Krankenhaus in der Stadt Labytnangi gebracht worden. Ein von den Strafvollzugsbehörden veröffentlichtes Foto zeigt, wie eine Ärztin die Brust des inhaftierten Kreml-Kritikers abhört. Der Filmemacher wirkt darauf deutlich dünner und älter als auf vorherigen Aufnahmen.

Senzow war im Mai 2014 auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen worden. Die Behörden warfen ihm "Terrorismus" und Waffenhandel vor. Der Aktivist und Dokumentarfilmer wies dies zurück, wurde aber im August 2015 zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er in einer Strafkolonie im äußersten Norden Russlands verbüßt. Der Prozess wurde international scharf kritisiert.

Senzow trat Mitte Mai in einen Hungerstreik. Diesen wollte er erst beenden, wenn Russland alle ukrainischen "politischen Gefangenen" freilässt, hatte er damals gesagt.

feb/AFP/Reuters/AP



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