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Gestorben Sacheen Littlefeather, 75

aus DER SPIEGEL 41/2022
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Bridgeman Images

Sacheen Littlefeathers großer Auftritt bei den Oscars 1973 kam unverhofft. Am Abend vor der Gala rief Marlon Brando bei seiner Bekannten, einer Aktivistin und Schauspielerin, an und fragte, ob sie an seiner Stelle die Annahme des Oscars verweigern würde, sollte er für »Der Pate« gewinnen. Er wollte damit gegen die Darstellung von Native Americans in Hollywood protestieren und auf die Besetzung von Wounded Knee hinweisen, die Indigenen-Aktivisten einen Monat zuvor begonnen hatten. Brando gewann den Oscar als bester Hauptdarsteller, und Little­feather, deren Vater von den White-Mountain-Apachen und Yaqui abstammte, betrat als erste indigene Amerikanerin die Bühne der Academy Awards. Die Ablehnung war massiv: Buhrufe begleiteten ihre Rede, John Wayne wollte die Bühne stürmen. Als Littlefeather nach der Zeremonie Brando zu Hause besuchte, wurden Schüsse auf seine Haustür abgefeuert. Brandos Aufstieg in Hollywood ging danach weiter. Littlefeather, geboren 1946 als Marie Cruz, gelang es hingegen nicht, sich als Schauspielerin zu etablieren. Sie engagierte sich stattdessen im Gesundheitswesen für Indigene und beriet Film- und Fernsehproduktionen in Fragen zu indigener Kultur. Im September dieses Jahres veranstaltete die Academy einen Abend zu ihren Ehren und entschuldigte sich erstmals für das Fehl­verhalten. Littlefeather sagte bei dieser Gelegenheit über die Oscars 1973: »Ich musste für den Eintritt bezahlen, und das war okay. Weil die Türen geöffnet werden mussten.« Sacheen Littlefeather starb am 2. Oktober in Marin County, Kalifornien, an den Folgen einer Brustkrebserkrankung.

hpi
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