Interview zur Rollenauswahl Scarlett Johansson wehrt sich gegen umstrittene Aussagen

Weil sie einen Transmann spielen sollte und als Japanerin gecastet wurde, geriet Scarlett Johansson in die Kritik. Jetzt sind Aussagen von ihr dazu aufgetaucht. Doch die stimmen so nicht, sagt die Schauspielerin.

Scarlett Johansson in "Ghost in the Shell"
DDP

Scarlett Johansson in "Ghost in the Shell"


In den vergangenen Jahren war Scarlett Johansson mehrfach für ihre Rollenauswahl kritisiert worden, weil sie als weiße Schauspielerin die dargestellten Charaktere nicht repräsentiert: Sie sollte einen Transmann spielen und wurde in "Ghost in the Shell" als japanischer Cyborg gecastet. Jetzt dreht sich die Debatte weiter.

In einem Interview mit dem Kunstmagazin "As if" soll die Schauspielerin gesagt haben, dass Kunst immun gegen politische Korrektheit sein sollte; jeder Schauspieler dürfe jede Rolle spielen. Das berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Viele interpretierten Johanssons Aussagen als Reaktion auf die Diskussion über ihre Besetzung in der Manga-Verfilmung "Ghost in the Shell", als den Filmemachern vorgeworfen wurde, sie würden Whitewashing betreiben, indem sie die Hauptrolle keiner japanischen Schauspielerin, sondern der weißen Johansson gegeben hätten.

Ihre Aussagen in dem Interview seien aus dem Zusammenhang gerissen und bloß zum "Clickbaiting" missbraucht worden, wehrte sich Johansson aber nun in einer Stellungnahme, die der Branchendienst "Variety" veröffentlichte: "Ich bin der Meinung, dass in einer idealen Welt jeder Schauspieler in der Lage sein sollte, jeden zu spielen, und dass Kunst in jeder Form immun gegen politische Korrektheit sein sollte."

Allerdings wisse sie, dass es in ihrer Branche große Unterschiede gebe, wie Rollen verteilt würden. Nicht jeder Schauspieler bekäme solche Chancen wie sie, sondern vor allem weiße Darsteller mit Cis-Geschlecht, also Menschen, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. "Ich unterstütze die Vielfalt in jeder Branche und werde immer für Projekte kämpfen, die alle involvieren", sagte sie laut "Variety".

Damit bezieht sich Johansson auf eine andere Kritik, die ihr vor einem Jahr begegnete: Da geriet die Schauspielerin nach einem Casting zum Film "Rub & Tug" in die Schlagzeilen, weil keine Transperson für die Hauptrolle eines Transmannes berücksichtigt worden war, sondern Johansson. Damals entschied sie, sich wegen "jüngsten moralischen Zweifeln" aus dem Projekt zurückzuziehen.

evh

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