"Scary Movie" Letale Folgen für den guten Geschmack

Mit Blähungen gegen den blanken Stahl des Killers: In der Horror-Posse "Scary Movie" darf man sich totlachen.

Von Manfred Müller


"Scary Movie": Meuchelnder Mordbube

"Scary Movie": Meuchelnder Mordbube

Wer "Verrückt nach Mary" war und schon auf "Ich Beide & Sie" lauert, wer die "Scream"-Trilogie für Kult hält und ihre trendigen Nachwehen à la "Ich weiß, was du letzten Sommer..." abgeschmackt findet, wer über "The Blair Witch Project" auch lachen konnte und sich an die frühen Monty Pythons erinnert, für den gibt's jetzt "Scary Movie", die ultimative Horrorklamotte.

Regisseur Keenen Ivory Wayans hatte sich zuvor bereits am Blaxploitation-Film der siebziger Jahre und dem Ghetto-Genre ("Mr. Cool") der neunziger vergangen, bevor er mit seinen Drehbuch schreibenden Brüdern Shawn und Marlon die Teenhorrorwelle der Jahrtausendwende mit einer Zwerchfell erschütternden Lachsalve eindeckte. Was im abgelaufenen Jahrzehnt zwischen "Nightmare on Elm Street" und "Matrix" Horror und Suspence verbreitet hat, wird hier einem hemmungslosen Bildersturm ausgesetzt.

Die Geschichte, soweit überhaupt um eine logische Entwicklung bemüht und nicht nur Rahmen für eine Zitatensammlung, ist dem Handlungsgang von Wes Cravens "Scream" nachempfunden, der selbst zunächst unter dem Arbeitstitel "Scary Movie" firmierte. Die jungfräuliche Cindy glaubt sich und ihre Clique von einem Killer verfolgt, kann die ungenierte Buffy aber erst von der Gefahr überzeugen, als der sexuell unzulängliche Greg vor deren Augen gemeuchelt wird.

Dabei hat der Mann mit der Maske nicht immer leichtes Spiel. Gleich das erste Opfer (Baywatch-Boje Carmen Elektra in einer fulminanten Parodie auf Drew Barrymores Slasherquiz im "Scream"-Intro) traktiert ihn mit Blähungen. Und als er endlich seinen Dolch in ihrer wogenden Oberweite versenkt, bleibt er in einem Siliconkissen stecken.

"Scary Movie": Drastischer und nicht immer jugendfreier Humor

"Scary Movie": Drastischer und nicht immer jugendfreier Humor

Doch wo blanker Stahl sein Ziel verfehlt, greift der Mordbube schon mal zu härteren Mitteln. Als der neugierige Ray auf einem Herrenklo an der Nachbarkabine lauscht, bohrt sich dem Notdürftigen ein erigiertes Geschlecht in die Ohrmuschel - mit letalen Folgen auch für den guten Geschmack, dem hier nicht minder übel mitgespielt wird als der sexuell aktiven Jugend auf dem beschaulichen Highschool-Campus.

Der Humor der Wayans-Brothers, die in den USA durch die TV-Comedy-Show "In Living Color" zur nationalen Institution reiften, ist drastisch und sicher nicht in allen Einzelheiten jugendfrei. Aber der überwältigende Erfolg ihrer frivolen Komödie war auch durch eine entsprechende Indizierung nicht zu stoppen. Einem Einspielergebnis jenseits der 150 Millionen Dollar, bei dem sich die Produktionskosten innerhalb von drei Monaten rund zehnfach amortisiert haben, werden im Land des Big Business auch die moralischen Bedenkenträger Respekt zollen. Wayans, der sich und seine beiden Brüder in kleineren Rollen auch selbst ins Spiel gebracht hat, avancierte damit zum erfolgreichsten Schwarzen auf dem Regiestuhl.

"Scary Movie". USA 2000. Regie: Keenen Ivory Wayans; Buch: Shawn Wayans, Marlon Wayans; Darsteller: Anna Faris, Jon Abrahams, Shannon Elizabeth, Cheri Oteri, Carmen Electra. Verleih: Highlight (Central); Länge: 88 Minuten; Start: 5. Oktober 2000.



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