Schauspieler TV-Star Ivan Desny ist tot

Karriere zwischen Fassbinder und "Tatort": Der vor allem in Deutschland erfolgreiche französische Schauspieler Ivan Desny ist im Alter von 79 Jahren verstorben.


Französischer Frauenschwarm: Ivan Desny (2001)
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Französischer Frauenschwarm: Ivan Desny (2001)

Ascona/München - Der französische Filmschauspieler Ivan Desny ist im Alter von 79 Jahren in Ascona in der Schweiz gestorben. Der in Peking geborene russischstämmige Darsteller sei bereits am vergangenen Samstag aus dem Leben geschieden, teilte seine Agentur am Dienstag in München mit. Es sei sein Wunsch gewesen, die Öffentlichkeit erst nach seiner Einäscherung zu informieren. Dies sollte am Dienstag geschehen, hieß es. Über die Todesursache konnte seine Agentin nichts weiter sagen. Desny sei vor einigen Wochen wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Zuletzt hatte der Schauspieler unter anderem in der ARD-Serie "St. Angela" in der Folge "Der erste Tango" und in dem "Tatort"-Krimi "Tod vor Scharhörn" mitgewirkt. Seine letzte Kinorolle, ein Part in der Klamotte "Mr. Boogie" (mit "Big Brother"-Star Zlatko), erblickte bisher nicht das Licht der Leinwand.

1922 als Sohn eines russischen Diplomaten geboren, wuchs Desny (eigentlich: Ivan Nikolai Desnitsky) in Paris bei einem Stiefvater auf. Sein Studium der Rechtswissenschaften brach er ab und nahm stattdessen Schauspielunterricht. In Paris debütierte er Ende der vierziger Jahre im renommierten Boulevardtheater "Théâtre de la Michodière" unter Pierre Fresnay. Der britische Meisterregisseur David Lean holte Desny 1951 für seinen Film "Madeleine" vor die Kamera. In den darauffolgenden Jahren spielte er unter anderem in Michelangelo Antonionis Film "Die große Rolle", in "Anastasia, die letzte Zarentochter" (1956) mit Ingrid Bergmann und in Max Ophüls "Lola Montez" (1955). In Deutschland wurde Desny Anfang der siebziger Jahre durch zahlreiche "Tatort"-Rollen populär.

1979 engagierte ihn Rainer Werner Fassbinder für die Rolle des Karl Oswald in "Die Ehe der Maria Braun". Ein Jahr später spielte er die Rolle des Plum in Fassbinders TV-Miniserie "Berlin, Alexanderplatz" und auch in "Lola" (1981) spielte Desny unter Fassbinders Regie. Eine seiner letzten Kino-Arbeiten war Andre Techines Krimi-Psychodrama "Diebe der Nacht" (Les Voleurs, 1996) mit Catherine Deneuve und Daniel Auteuil. 1980 erhielt der Franzose das Filmband in Gold für sein langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film und Fernsehen.

"Wenn ich zu tun habe, bin ich zufrieden", sagte der Schauspieler mit dem charmanten, fremdländischen Akzent und dem markanten Schnurrbart einmal. Die Rolle des sprachgewandten Kosmopoliten, die er in vielen Fernseh- und Kinorollen immer wieder ausfüllte, ließ Desny in den fünfziger und sechziger Jahren zum Schwarm der Kinobesucherinnen werden. Der passionierte Hobbymaler lebte seit langem überwiegend in der Schweiz.

Noch im September letzten Jahres hatte Desny Gerüchte über eine Krebserkrankung (Prostata) mit den Worten dementiert: "Ich saufe, ich trinke, alles in Ordnung!"



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