Schwarzenegger-Film in Berlin "Beleidigung für alle denkenden Menschen"

Arnold Schwarzeneggers neuester Actionfilm "Collateral Damage" musste schon im Vorwege viel Kritik einstecken, daher reiste der Austro-Amerikaner zur Deutschland-Premiere höchstpersönlich an, um Schönwetter zu machen. Genützt hat's nicht viel...


Schwarzenegger in Berlin: Alternder Terminator
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Schwarzenegger in Berlin: Alternder Terminator

Berlin - Beim Publikum im Premierekino löste der Terroristen-Reißer (Start: 21. Februar) trotz Anwesenheit von Hauptdarsteller Schwarzenegger und Regisseur Andrew Davis ("Auf der Flucht") nur sehr verhaltenen Beifall aus. In dem Actionfilm spielt "Arnie" einen amerikanischen Feuerwehrmann, der bei einem Terroranschlag kolumbianischer Unabhängigkeitskämpfer seine Familie verliert und sich - angesichts der Unfähigkeit offizieller Behörden - in Selbstjustiz übt. Umrahmt von jeder Menge Pyrotechnik und Platzpatronen kämpft sich Muskelmann Schwarzenegger auf seinem Rachefeldzug durch den südamerikanischen Urwald. Die Nebenrollen sind mit Francesca Neri ("Hannibal"), Elias Koteas ("The Thin Red Line") und John Leguizamo ("Moulin Rouge!") besetzt.

Cowboystiefel und Totenkopfring: Schwarzenegger begeistert seine Fans
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Cowboystiefel und Totenkopfring: Schwarzenegger begeistert seine Fans

Jungschauspieler Robert Stadlober war nach der Vorführung sichtlich entgeistert: "Der Film ist grottenschlecht, eine Beleidigung für alle denkenden Menschen", sagte der aus der deutschen Komödie "Sonnenallee" bekannte Darsteller und Musiker. TV-Moderatorin Mo Asumang kritisierte das Drehbuch: "Ich finde es total scheiße, dass eine Frau die Terroristin spielt."

Wobei gerade dieser im Ansatz unorthodoxe Schlenker den ansonsten konventionellen und holzschnittartigen Plot des Films noch einigermaßen interessant macht. Schwarzenegger, ganz alternder Terminator, begeisterte mit Cowboystiefeln, Totenkopfring und obligatorischer Zigarre zumindest die Fan- und Fotografenschar vor dem Kino und zeigte sich von der ungnädigen Reaktion des Publikums ungerührt. Er wolle mit seinem neuesten Actionspektakel lediglich unterhalten. "Für mich gibt es einen großen Unterschied zwischen Film und Realität", kommentierte der 54-Jährige die auch im Vorwege des US-Filmstarts aufgekommene Kritik, "Collateral Damage" kriminalisiere die gesamte Bevölkerung Kolumbiens und sei wegen seiner Terrorthematik ohnehin pietätlos angesichts der Ereignisse vom 11. September.

Schwarzenegger in "Collateral Damage" (mit Francesca Neri): Kriminalisierung der Kolumbianer
Warner Bros.

Schwarzenegger in "Collateral Damage" (mit Francesca Neri): Kriminalisierung der Kolumbianer

"Natürlich soll niemand in der Realität das Gesetz in die eigene Hand nehmen. Aber im Film ist das eben anders", sagte Schwarzenegger. Im Übrigen sei seine Frau Maria Shriver Schuld daran gewesen, dass er den Film gemacht hat, ihr habe das Drehbuch gefallen. Sein Film sei ein "Actionfilm mit Herz", sekundierte Regisseur Davis, er handle von unschuldigen Menschen, die ihr Leben verlieren.

Wegen der Terroranschläge vom 11. September hatte das Hollywood-Studio Warner Bros. den für Anfang Oktober geplanten Kinostart verschoben. In den USA ist "Collateral Damage - Zeit der Vergeltung", so der deutsche Titel, seit vergangener Woche in den Kinos angelaufen. Der Film erreichte bei den Einspielergebnissen auf Anhieb den ersten Platz.



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