Schwuler Liebesfilm Italienisches TV zensiert "Brokeback Mountain"

Würde die ARD küssende Männer zensieren? Wohl kaum - ganz im Gegenteil zu ihren italienischen Kollegen. Der öffentlich-rechtliche Sender Rai schnitt zwei Liebesszenen aus "Brokeback Mountain" heraus - natürlich zwischen Männern. Schwulenverbände protestieren jetzt.


Rom - "Brokeback Mountain" war 2005 nicht nur kommerziell ein erfolgreicher Film. Er brach auch mit dem Klischee des harten Kerls, dessen Leben so geradlinig ist wie sein sexuelles Verlangen. Ausgerechnet aus Amerikas mythischer Figur, dem Cowboy, machte er einen von seinen Gefühlen zerrissenen, homosexuellen Mann. Regisseur Ang Lee bekam den Oscar für die beste Regie verliehen und der mittlerweile verstorbene Hauptdarsteller Heath Ledger wurde nicht nur in der Schwulenszene zum Star.

Darsteller Ledger (links) und Jake Gyllenhaal in "Brokeback Mountain": Darf ein Cowboy schwul sein?
DPA

Darsteller Ledger (links) und Jake Gyllenhaal in "Brokeback Mountain": Darf ein Cowboy schwul sein?

Natürlich reißt man sich als Fernsehanstalt, gerade als öffentlich-rechtliche mit Bildungsauftrag, darum, diesen Film im eigenen Sender auszustrahlen.

Sollte man meinen.

Warum also das italienische Staatsfernsehen Rai am Montag zwei Szenen, in denen Männer sich lieben, herausgeschnitten hat, ist daher kaum zu begreifen.

Denn wesentlich deutlichere heterosexuelle Liebesszenen sowie gewalttätige Szenen waren bei der Ausstrahlung des Films auf Rai Due nicht zensiert worden.

Schwulenverbände in Italien haben die Fernsehanstalt am Dienstag denn auch heftig kritisiert. Der ehemalige linke Abgeordnete Franco Grillini, Galionsfigur der italienischen Schwulenbewegung, sagte: "Das ist absurd - wenn man versucht, aus einem Film, der von einer großen homosexuellen Liebe erzählt, die Geschichte einer einfachen Männerfreundschaft zu machen, sagt das viel über das kulturelle Klima in Italien."

"Brokeback Mountain", mit drei Oscars ausgezeichnet, war in den italienischen Kinos zunächst nur für Zuschauer ab 14 Jahren freigegeben worden.

Im Mai 2007 wurde diese Beschränkung allerdings zurückgenommen.

chc/AFP



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