"Scream 3" Der letzte Tanz des Maskenmörders

Zum dritten und letzten Mal versammeln sich die "Scream"-Darsteller zum Nervenkitzel mit dem maskierten "Slasher". Regisseur Wes Craven beendet seine erfolgreiche Horrorparodie-Trilogie mit noch mehr surrealen Selbstzitaten und einer gehörigen Portion augenzwinkernder Eleganz.

Von Manfred Müller


Drehbuchautor Kevin Williamson hatte von Anfang an die große Form vor Augen, als er sich mit Wes Craven daran machte, die Story zu seiner "Scream"-Trilogie zu entwerfen. Drei episodisch verflochtene Filme sollten sich zu einem geschlossenen Ganzen addieren, das mehr war als die bloße Summe seiner Teile. Verbindendes Motiv war die Kunstfertigkeit, mit der Williamson und Craven sich die formalen Regeln des Genres zum Inhalt machten und so den blanken Horror zur selbstironischen Farce überspitzten.

Flüchtet vor dem Messermörder: Jenny McCarthy in "Stab 3"
DPA

Flüchtet vor dem Messermörder: Jenny McCarthy in "Stab 3"

In "Scream" ist es eine Gruppe von Horrorfreaks, die aus dem Fundus ihrer unerschöpflichen Filmkenntnisse ihr eigenes blutiges Schicksal ableiten, ohne es deshalb verhindern zu können. In "Sceam 2" steigert sich der Grad an Selbstbezüglichkeit, indem die Handlung das stereotype Schema gängiger Horrorfilmsequels thematisiert. Der junge Kevin Williamson, über den Erfolg von "Scream" zum hochdotierten Starautor avanciert, ist mittlerweile aus dem Produktionsstab ausgeschieden. Er wurde durch den talentierten Ehren Kruger ersetzt. Aber Kruger bleibt ganz dem Stil seines Vorgängers verpflichtet, und es gelingt ihm sogar, den Radius weiter zu verkürzen, in dem Film und Genre um sich selbst zirkulieren.

Seine Geschichte, die Geschichte von "Scream 3", spielt in Hollywood, am Drehort von "Stab 3", einem Slasherfilm, der in zweiter Fortsetzung auf die Ereignisse in Woodsboro Bezug nimmt, mit denen die "Scream"-Trilogie ihren Anfang nahm. Der Film zitiert sich selbst als Film im Film. Der Maskenmörder in der Realität von "Scream 3" agiert nach dem Drehbuch von "Stab 3", eine wahrlich surrealistische Konstruktion. Die Überlebenden des letzten Massakers erfahren eine Verdopplung in der Schauspielercrew von "Stab 3". So ist Dorfpolizist Dewey (David Arquette), dem zuletzt übel mitgespielt wurde, als technischer Berater ins "Stab"-Team aufgerückt. Hier hat er ein Auge auf die Darstellerin von Gale Weathers (Courtney Cox-Arquette), der nervtötenden Sensationsreporterin, die von den neuerlichen Morden angelockt alsbald persönlich am Set erscheint. Auch Sidney Prescott (Neve Campbell) gibt ihr selbstgewähltes Refugium auf. In der originalgetreuen Studiokulisse ihres Heimatortes Woodsboro trifft sie auf ihren Dämon, der ihr schon seit zwei Spielfilmlängen nach dem Leben trachtet.

Aus der Verschränkung der Ebenen entwickelt die Geschichte eine absurde Komik aber auch gradlinigen Thrill und überraschende Handlungswendungen, wobei die Slashereffekte auf ein dankenswertes Minimum optischer Intensität reduziert bleiben. Die Dialoge sind gespickt mit pointierten Anspielungen, lassen aber auch Plattheiten nicht aus, etwa wenn der Regisseur im Film beklagt, dass man ihn kein seriöses Drama inszenieren lässt, ein Wunsch, dem auch der gelernte Literatur- und Philosophielehrer Wes Craven über Jahrzehnte vergeblich nachhing und den er sich erst kürzlich mit "Music of the Heart" erfüllen durfte.

Keine Frage, "Scream 3" ist zu allererst ein Trivialfilm, der die an das Genre geknüpften Erwartungen nach massenverträglicher Unterhaltung pflichtschuldig erfüllt. Aber er weist in spielerischer Eleganz darüber hinaus. Und das ist Kult.

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"Scream 3" (Scream 3); USA 2000; Regie: Wes Craven; Darsteller: Neve Campbell, David Arquette, Courtney Cox-Arquette; Verleih: Kinowelt; Länge 121 Minuten



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