"Shaun das Schaf 2 - UFO-Alarm" Scheitern als Chance

Kann ein Knete-Schaf tiefe Einsichten in die Geheimnisse der Existenz vermitteln? Es kann. Shaun übersetzt Philosophie in Bewegungsdrang - auch wenn sein neues Kino-Abenteuer ein wenig müde wirkt.

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Könnte man wertvolle Dinge nur vor ihrer eigenen Popularität schützen! Bevor das, was sie besonders und liebenswert macht, hinter ihrer Omnipräsenz verschwindet. Shaun zum Beispiel. Ein Schaf aus Knete, jawohl. Ist ja noch lange keine kindische Figur, nur weil sie im Kinderfernsehen auftritt. Abgesehen davon, dass Shaun eben schon lange nicht mehr nur dort zu sehen ist, sondern quasi überall: in kurzen Filmchen an S-Bahnhöfen, auf Tassen, T-Shirts, Küchenschürzen.

Man begegnet dem wolligen kleinen Kerl so oft, dass die Lebensfreude, die er in reine Bewegungsenergie übersetzt, gewöhnlich zu werden droht. Dieser pure Spaß am Springen und Hüpfen, Fußball-, Frisbee- und Versteckenspielen, auch am Pizzaessen und Eisschlecken, kurz: die Freude am Lebendigsein.

Das ist doppelt schade, denn die Botschaft des Schafs lautet ja gerade: Wenn Du eine Kokosnuss öffnen willst (wie Shaun in einer Folge der TV-Serie) und dafür unter dem Einsatz von Presslufthammer, Amboss und Axt beinahe einen ganzen Bauernhof zerlegst, dann hast Du vielleicht auch etwas über das Geheimnis der Existenz erfahren.

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"Shaun das Schaf 2 - UFO-Alarm": Der Kampf mit der Dingwelt

Scheitern als Chance, gewissermaßen - das gilt auch für seinen zweiten Spielfilm "UFO-Alarm", der jetzt in den Kinos anläuft. Ständig müssen Shaun und sein Freund, der Schäferhund Bitzer, auch dort das monumentale Unvermögen ihres Besitzers ausbügeln. Der stark kurzsichtige Bauer will, typisch Mensch, partout nicht erkennen, dass die Dinge miteinander verbunden sind und scheinbar simple Handgriffe eine Verkettung haarsträubender Katastrophen in Gang setzen können. Shaun und Bitzer ertragen die immer neuen Herausforderungen mit stummem Stoizismus, ein Wort der Klage will ihnen nicht über die Lippen - und auch sonst keines, denn Shauns Abenteuer funktionieren noch immer ohne Text.

Dabei haben sie jetzt nicht mehr nur mit dem Farmer zu tun, sondern zusätzlich mit einem schlappohrigen Wesen, das ganz offensichtlich nicht von dieser Welt ist. Lu-La heißt es, chargiert zwischen pink und himmelblau und sieht aus wie ein junger Cockerspaniel im Nachthemd. Und es redet, gemessen an den anderen Protagonisten, geradezu wie ein Wasserfall. Naja, gewissermaßen: Lu-La kann sehr laut rülpsen; wenn sie einen Mähdrescher entführt oder sonst wie in einen Geschwindigkeitsrausch gerät, jubelt sie "ZoomZoom!"; und immer wieder mal wird sie schwermütig und knödelt fragend etwas, das klingt wie "Tuuh-Paah?".

Man könnte das frei übersetzen als "Nach Hause telefonieren", wie es der Alien aus Steven Spielbergs Kitsch-Klassiker "E.T. - Der Außerirdische" formulierte. Denn das neue "Shaun"-Abenteuer ist eine Hommage an Science-Fiction-Filme, mit Anspielungen auf "Star Trek", "2001" und "Nummer 5 lebt!". Leider liegt da auch ein wenig das - pardon - Schaf begraben: Die persiflierenden Elemente in "UFO-Alarm" sind weder besonders originell noch überraschend. Und Lu-La ist zwar ganz niedlich, bietet aber, wie sein Vorgänger "E.T.", wenig Fläche für eine echte dramatische Entwicklung.


"Shaun das Schaf 2 - UFO-Alarm"
Großbritannien 2019
Regie: Will Becher, Richard Phelan
Drehbuch: Jon Brown, Mark Burton
Produktion: Aardman Animations, StudioCanal UK
Verleih: StudioCanal Deutschland
Länge: 90 Minuten
FSK: frei ab 0 Jahren
Start: 26. September 2019


Dennoch kümmert sich Shaun rührend um den Ausreißer, der dann doch zumindest ein überraschendes und rührendes Geheimnis hat. Bald wird klar: Hilfe von Lu-Las weit entferntem Heimatplaneten muss her, und dabei könnte eine Art Babyphone helfen, dessen Funkwellen offenbar mühelos Lichtjahre überwinden. Wären da bloß nicht eine Regierungsagentin und ihre tölpelhaften Helfer in kreischend gelben Schutzanzügen, die Lu-La zu Forschungszwecken einsperren wollen.

Eine so durch und durch beglückende Erfahrung wie Shauns erster Langfilm bietet die Fortsetzung zwar nicht, dafür fehlt es an Tiefe und Tragik. Aber gerade an den ungeschickt gegen Wände laufenden Agenten sieht man, wie gut der Slapstickirrsinn aus dem Haus Aardman Animations noch immer funktioniert. Der Kampf mit der Dingwelt war schon immer Kern seiner Knete-Geschichten, ob in "Wallace & Gromit - Unter Schafen" (Shauns Debüt) oder erst kürzlich bei den fußballspielenden Steinzeit-Honks aus "Early Man".

Im Video: Der Trailer zu "Shaun das Schaf 2 - UFO-Alarm"

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Ein bisschen müde wirkte schon dieser letzte abendfüllende Aardman-Film, so wie jetzt auch das neue Shaun-Abenteuer. Kein Wunder: Fünf Jahre braucht eine solche Produktion, gerade mal sechs Sekunden Film schaffen die Animatoren am Tag. Insofern ist es eine gute Nachricht, dass Aardman-Animation-Legende Nick Park ankündigte, sich künftig wieder auf kürzere Formate konzentrieren zu wollen: So sollen Wallace und Gromit, die zu seinen Erfindungen zählen, mit halbstündigen Geschichten wiederkommen, die zu einer Serie zusammengefasst werden könnten.

Das dürfte den satirischen Ansatz, der Aardman-Produktionen früher ausmachte, wieder schärfen. Bis dahin ist es unbedingt zu empfehlen, mit Shaun noch ein bisschen auf Kokosnüssen herumzuklopfen. Wer weiß, vielleicht kommt man auf diesem Weg diesem merkwürdigen Ding namens Leben zumindest ein bisschen auf die Spur.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
.patou 27.09.2019
1.
Die Shaun-the-Sheep-Serie gehört zum Besten, was je auf einem TV-Bildschirm zu sehen war. :-) Jetzt muss ich nur noch ein Alibi-Kind im passenden Alter auftreiben, mit dem ich den neuen Kino-Film sehen kann.
Stereo_MCs 27.09.2019
2.
Schöner Trailer! Liebes verehrtes Königreich, ihr könnt es doch. In der Form bitte gerne bei uns bleiben.
P-Schrauber 27.09.2019
3.
Der Film ist sicher für ein jüngeres Publikum gemacht trotzdem fehlt es m. E. nicht nur an Elan sondern auch an Innovationskraft. Das AArdman Team und Nick Park haben sich doch schon häufiger mit UFO's und exterristischen Lebensformen beschäftigt, da war der Roboter Hund und der Herd auf dem Mond, beide mit außerordenlichen doppeldeutigen Tiefgang. Statt dessen hier nun eine farbenchangierender augenscheinlicher Single die mich an eine harmlose Kopie einer der beiden exterisstischen Besucher von Wattersons Calvin und Hobbes erinnert, jedoch ohne deren besonderen Humor und Biss. Mir fehlt der zweideutige Humor wie z.B. die damalige Lunochod Persiflage als Münzeinwurf- Gasherd bei Wallace and Gromit: "A Grand Day Out - Landing on the Moon". Die skurrilen Ideen die auch den generellen Plot bei Shaun das Schaaf ausmachen. Immerhin gibt's wieder ein neuer Knetfigurenfilm, dass muss man anerkennen, zumal dazu die Hoffung auf neue Gute Wallace und Gromit Filme lässt ebenfalls aufhorchen.
freddykruger 27.09.2019
4. @.patou
Warum ein Kind auftreiben? Nach eigener Aussage bist du doch ehr von kleiner Statur. Dann zieh dir doch rote Gummistiefel an, ein T-Shirt mit Ernie und Bert als Aufdruck, mach dir Zöpfe und trag einen Tornister auf den Rücken. Problem gelöst und du fällst mit sicherheit nicht auf. Spaß beiseite. Wo ist das Problem als Erwachsene sich Shaun anzugucken?
.patou 27.09.2019
5.
Zitat von freddykrugerWarum ein Kind auftreiben? Nach eigener Aussage bist du doch ehr von kleiner Statur. Dann zieh dir doch rote Gummistiefel an, ein T-Shirt mit Ernie und Bert als Aufdruck, mach dir Zöpfe und trag einen Tornister auf den Rücken. Problem gelöst und du fällst mit sicherheit nicht auf. Spaß beiseite. Wo ist das Problem als Erwachsene sich Shaun anzugucken?
War nicht ernst gemeint. Ich habe den ersten Shaun-Film auch hoch erhobenen Hauptes im Kino gesehen. Ohne mitgeschlepptes Kind. Ich fand ihn aber schlechter als die Serie. Allerdings habe ich gerade mal recherchiert, dass die Durchschnittsgröße von Frauen hierzulande 1,66 m beträgt. Das heißt, ich bin sogar größer! Wenn auch nur minimal.
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