"Shrek 2" Viel Spaß mit den Grünen

Oger-Tours im Märchenland, zweiter Teil: Shrek, der so grüne wie sympathische Fabelheld aus dem Hause Dreamworks, hat geheiratet. Jetzt steht ein Besuch bei den Schwiegereltern an. Die leben in Hollywood - der ideale Schauplatz für filmreife Abenteuer.
Von Daniel Haas

"Das Glück ist nur eine Träne entfernt", verrät ihre Visitenkarte - ein schöner Slogan und ideal für die gute Fee, die hier eigentlich die böse Hexe ist. Hatte man bisher im Märchen noch drei Wünsche frei, wenn gute Zauberfrauen in Erscheinung traten, stehen jetzt jede Menge Probleme ins Knusperhaus: Die dralle, mit Zauberstab und schlimmem Ehrgeiz bewehrte Magierin hat nur eine fixe Idee im bis in die letzte Haarsträhne perfekt animierten Kopf: ihren Sohn, den eitlen Prinz Charming, doch noch mit Prinzessin Fiona zu verkuppeln.

Aber, man weiß es ja, Fiona ist längst glücklich verheiratet mit Shrek, dem Titelhelden der erfolgreichsten Animationskomödie aller Zeiten. Der hatte sie im ersten Teil vom öden Prinzessinnen-Dasein erlöst und ihr zur wahren Gestalt verholfen: Fiona und ihr Liebster sind Oger, grüne, pummelige Waldgestalten, die gerne schlemmen, furzen und ein Schlammbad zu schätzen wissen. So werden sie auch vorgestellt: durch sonnenüberstrahlte Felder tollend (verfolgt von Mistgabel schwingenden Bauern); sich wie Burt Lancaster und Deborah Kerr durch die Brandung wälzend; in moorgefüllt blubberndem Zuber badend, sichtlich amüsiert von der eigenen peristaltischen Ausgelassenheit.

Doch dann kommt der unvermeidliche Vorstellungstermin des Schwiegersohns bei der Familie: Man reist ins Märchenland "Weit, weit weg", wo Königin-Mutter und King Daddy residieren. "Weit, weit weg" sieht verdächtig nach Hollywood aus, das Ortsschild glaubt man so schon mal in den Hügeln von Los Angeles gesehen zu haben; die Straßen sind bevölkert von schönen, jungen Menschen, die zwischen Starbucks und Burger King ein märchenhaft spätkapitalistisches Leben führen. Die Promis dieser Fabel-Film-Metropole sind Aschenputtel und Dornröschen, wie bei den großen Stars in Beverly Hills schwingen sich ihre Namenszüge durch die gusseisernen Riesentore vor ihren Luxusvillen.

Nahm "Shrek" noch Disney mit seiner verkitschten Ästhetik aufs Korn, knöpft sich die Fortsetzung gleich ganz Hollywood vor: "Weit, weit weg" ist tatsächlich "Tinseltown" - Glitterstadt -, wie die Amerikaner despektierlich die Traumfabrik bezeichnen, ein glamoursüchtiges, schönheitsfixiertes Kaff mit dem kulturellen Anspruch einer Aerobic-Übung. Dass die beiden grünen Aliens nicht ins Bild passen, versteht sich von selbst - man würde den romantischen Liebhaber in einem Julia-Roberts-Film ja auch nicht mit Michael Moore besetzen.

Mit dem immer noch notorisch quasselnden Esel als Kompagnon setzen sich Fiona und Shrek der Begutachtung durch Eltern und Hofstaat aus, während die gute Fee einen fiesen Plan ausheckt. Der sieht neben allerlei magischen Sperenzchen eine handfeste Erpressung vor: Der König selbst muss ihr helfen, den Oger wieder loszuwerden. Hierfür wird der gestiefelte Kater angeheuert, eine Degen schwingende Killerkatze mit spanischem Akzent, die ihre Auftraggeber in der Kaschemme "Zum vergifteten Apfel" empfängt. Wer diese herrlich ulkige, im Orginal von Antonio Banderas, auf Deutsch von Benno Fürmann gesprochene Zorro-Parodie beim Fechtkampf erlebt hat, wird Douglas Fairbanks mit anderen Augen sehen. Amüsanter ist der Mythos vom virilen Haudegen selten verballhornt worden.

Wie gut, dass dieser tierische Superkämpfer zu Shrek überläuft, anstatt ihn kaltzumachen (nicht dass er die geringste Chance gehabt hätte). Wie gut auch, dass Fiona den Avancen des föhnfrisierten Prinzendämlacks widersteht. Das Glück ist allerdings nicht nur eine Träne, sondern einige wilde Abenteuer weit entfernt, in denen Esel, Shrek und Kater Prinzessin Fiona zurückerobern. Natürlich lautet auch diesmal die Moral, man selbst zu sein, auch wenn man ein grüner, fetter Furzer ist. Es schwingt ein wenig milde Kulturkritik mit, wenn die knollnasigen Oger im Hollywood-Märchenland als Objekte der Begierde durchgehen. Sex-Appeal, weiß der Film, gibt es auch jenseits chirurgisch optimierter Oberweiten und eisenharter Waschbrettbäuche.

Visuell hat die digitale Animation erneut einen Sprung gemacht: Überragend ist die Lichtregie, die vor allem die Interieurs faszinierend plastisch werden lässt. Fell, Haut und Haare sind in ihrer Textur noch realistischer als beim Vorgänger-Film. Konzeptuell ist "Shrek 2" jedoch weniger differenziert, die Grundidee ist einfach: Für Kinder gibt's eine bunte, heitere Geschichte, für die Erwachsenen den einen oder anderen selbstreflexiven Witz.

Dies unterscheidet die Dream-Works-Produktion von den Filmen der Pixar-Studios: In "Findet Nemo" und "Toy Story" wurde der Humor organisch aus der Logik der Figuren und ihrer Geschichte heraus entwickelt, "Shrek 2" schminkt sich streckenweise - bei allem Mut zur Hässlichkeit - sein simples Verfahren mit ein paar cineastischen Kapriolen schön. Solche Mängel kümmerte das US-Publikum allerdings so wenig wie ein Pups im Schlammbad: In Amerika schoss "Shrek 2" sofort an die Spitze der Kinocharts und versenkte mit bisher mehr als 350 Millionen Dollar Einspielergebnis sogar Animationsfilm-Spitzenreiter "Nemo".

Dass man sich - Dramaturgie hin, Ideologie her - dennoch prächtig amüsiert, liegt nicht zuletzt am Gestiefelten Kater: Wenn der pelzige Möchtegern-Held ein großäugiges Schmusekätzchengesicht aufsetzt, weil er mit Degen- und Fechtkunst nicht weiterkommt, dann ist das Kinoglück wirklich nur noch eine Lachträne weit entfernt.


Shrek 2 - Der tollkühne Held kehrt zurück

USA 2004. Regie: Andrew Adamson, Kelly Asbury, Conrad Vernon. Drehbuch: Joe Stillman, J. David Stem, David N. Weiss. Sprecher USA: Mike Myers (Shrek), Cameron Diaz (Prinzessin Fiona), Eddie Murphy (Esel), John Cleese (König Harold), Dame Julie Andrews (Königin Lilian), Rupert Everett (Prinz Charming). Sprecher Deutschland: Sascha Hehn (Shrek), Esther Schweins (Fiona), Randolf Kronberg (Esel), Thomas Danneberg (König), Marie-Luise Marjan (Königin), Benno Fürmann (Der gestiefelte Kater), Thomas Vogt (Prinz). Produktion: DreamWorks. Pacific Data Images. Verleih: UIP. Länge: 92 Minuten. Start: 1. Juli 2004.