Verjüngte Sigourney Weaver 72-Jährige spielt Teenager in »Avatar«-Fortsetzung

Moderne Technik macht es möglich: In »Avatar – The Way of Water« wird Sigourney Weaver als Jugendliche zu sehen sein. Solche Effekte werden besser, ausgereift sind sie aber noch nicht – wie aktuelle Beispiele zeigen.
Bald um Jahrzehnte verjüngt und mit blauer Haut zu sehen: Sigourney Weaver

Bald um Jahrzehnte verjüngt und mit blauer Haut zu sehen: Sigourney Weaver

Foto: Theo Wargo / WireImage

Dass Sigourney Weaver für den zweiten Teil des Science-Fiction-Epos »Avatar« zurückkehren würde, war lange bekannt. Mysteriös war ihre Besetzung dennoch – ihre Figur Dr. Grace Augustine hatte das erste Abenteuer nicht überlebt. In einem Interview enthüllte die 72-Jährige nun, wen sie in »Avatar – The Way of Water« spielen wird: einen Teenager.

Allerdings keinen menschlichen. Ihre Figur heißt Kiri und ist ein Na’vi, also eines der außerirdischen Geschöpfe, die Regisseur James Cameron im ersten Teil seiner »Avatar«-Reihe vorstellte. Kiri ist die Adoptivtochter von Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldaña), den Hauptfiguren aus »Avatar«.

Cameron, der schon vor 36 Jahren »Aliens – Die Rückkehr« mit Sigourney Weaver drehte, sagte der Zeitschrift »Empire« : »Das ist natürlich eine große Herausforderung für eine Schauspielerin. Sigourney hat mit einer Gruppe von Teenagermädchen zusammengearbeitet, um deren jugendliche Energie zu channeln.« Danach, so Cameron, habe Weaver viel jünger gewirkt, ein Leuchten sei von ihr ausgegangen.

Weaver selbst sagte: »Ich glaube, wir alle erinnern uns daran, wie wir uns als Jugendliche gefühlt haben. Ich selbst war mit elf Jahren fast 1,80 Meter groß. Von dieser Unsicherheit habe ich Kiri viel mitgegeben.« Es gehe bei der Rolle um die Suche nach sich selbst.

Moderne Motion-Capture-Technik ermöglicht es Weaver, auf der Leinwand als Na’ri in Erscheinung zu treten und dabei um viele Jahrzehnte jünger auszusehen. Für das Verfahren werden Marker auf dem Körper und Gesicht eines Schauspielers oder einer Schauspielerin befestigt, Kameras filmen die Performance, und diese wird auf einen Rechner und schließlich auf eine digitale Figur übertragen.

Aktuellstes Beispiel einer wundersamen Verjüngung: die Figur der Eleven in »Stranger Things«

Aktuellstes Beispiel einer wundersamen Verjüngung: die Figur der Eleven in »Stranger Things«

Foto: Courtesy of Netflix

Die Technik existiert seit rund zwanzig Jahren. Prominent eingesetzt wurde sie zuerst 2006 in der Comic-Verfilmung »X-Men: Der letzte Widerstand«. Damals machten sich Fans und Kritiker über die unnatürlich glatten und künstlich wirkenden Gesichter der Computer-Versionen von Patrick Stewart und Ian McKellen lustig.

In jüngeren Jahren hat die Technik große Fortschritte gemacht. Perfekt ist sie allerdings noch lange nicht, wie höchst unterschiedliche aktuelle Filme und Serien zeigen.

Aktuell macht etwa die Netflix-Serie »Stranger Things« davon überzeugend Gebrauch, wenn Teenager Eleven in einigen Szenen als kleines Mädchen zu sehen ist. Die Macher setzten dabei eine jüngere Schauspielerin und visuelle Effekte ein.

Wie mit der Airbrush-Pistole gemalt – unfreiwillig schaurig

Der Netflix-Film »The Adam Project« ließ die Schauspielerin Catherine Keener zusätzlich zu der Figur in ihrem aktuellen Alter (63) als 28-Jährige auftreten. Ihr Avatar entstand allerdings komplett am Rechner, mit dem irritierenden Effekt, dass ihr Gesicht aussieht wie mit der Airbrush-Pistole gemalt – also unfreiwillig schaurig und nur entfernt menschlich.

Oft sind auch heute noch Masken und Perücken die bessere Lösung, wie zuletzt in »Black Widow« zu sehen. Dort überspielt Rachel Weisz überzeugend eine Altersdifferenz von 20 Jahren – ohne Eingriffe von Computertechnik.

Sigourney Weavers Verjüngungsprozess in »Avatar – The Way of Water« fällt natürlich extremer aus. Allerdings auch der Prozess der Verfremdung, weil sie als Außerirdische mit blauer Haut zu sehen sein wird. Ein direkter Vergleich zwischen der echten Weaver und ihrem Avatar fällt also weg.

In »The Irishman« spielte Robert De Niro (l.) als rund 70-Jähriger – und eine Version seiner Figur als junger Mann

In »The Irishman« spielte Robert De Niro (l.) als rund 70-Jähriger – und eine Version seiner Figur als junger Mann

Foto: STX Entertainment / imago images/ZUMA Wire

Eine Herausforderung bleibt allerdings: Sie muss ihre Körperbewegungen wie die eines Teenagers wirken lassen. Damit hatte Robert De Niro Probleme, der in »The Irishman« als ein Mann mit jungem Gesicht zu sehen ist, dessen Bewegungen allerdings wirken wie die eines über 70-Jährigen.

Ob Sigourney Weaver die Verwandlung besser gelingt, können Zuschauer ab dem 14. Dezember beurteilen. Dann läuft »Avatar – The Way of Water« in den deutschen Kinos an.

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