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"Solo: A Star Wars Story": Geschmeidige Action

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"Solo: A Star Wars Story" Eine richtig schlechte Idee

Nach turbulenten Dreharbeiten kommt der nächste "Star Wars"-Film in die Kinos. Doch nicht die ausgetauschte Regie war das Problem bei dieser Produktion.

Ein neuer "Star Wars"-Film ist solange eine schlechte Idee, bis jemand einen guten Film daraus macht. Drei Filme lang hat Disney, der neue Rechteinhaber des lukrativsten Franchise aller Zeiten, die richtigen Leute und die richtigen Stoffe zusammengebracht, um das Unbehagen auszuräumen, dass hier nur zur Erschließung einer neuen Käuferschaft Prequels und Sequels zu den bestehenden zwei Trilogien gedreht werden.

Mit "Solo: A Star Wars Story" endet dieser kleine Lauf - weil ein eigenständiger Film über das Vorleben des legendären Schmugglers, der in Episode IV unverhofft zwischen die Fronten von Rebellion und Imperium gerät, nicht nur eine schlechte, sondern eine richtig schlechte Idee ist.

Video: Trailer zu "Solo: A Star Wars Story"

SPIEGEL ONLINE

"Solo" beginnt auf dem Schrottplaneten Corellia, auf dem eine despotische Herrscherin namens Lady Proxima Kinder und Jugendliche als Leibeigene hält, die für sie stehlen müssen. In diesen Charles-Dickens-haften Umständen haben Han (Alden Ehrenreich) und Qi'ra (Emilia Clarke) trotzdem ein kleines Glück gefunden: die Liebe zueinander. Als Han eine kleine Menge des überaus wertvollen Treibstoffs Coaxium stiehlt, scheint die Chance gekommen zu sein, gemeinsam aus Corellia zu fliehen.

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"Solo: A Star Wars Story": Geschmeidige Action

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Mit dem Treibstoff als Bestechungsgeld schafft es das junge Paar fast bis zum rettenden Transporter, doch vor der letzten Tür werden sie getrennt: Qi'ra wird von den imperialen Truppen gefasst, während Han fliehen kann. Um Qi'ra zu befreien, plant Han jedoch, sobald wie möglich nach Corellia zurückzukehren. Vorher muss er nur genug Geld und ein Raumschiff zusammenkriegen - und heuert deshalb beim imperialen Militär für die Pilotenausbildung an.


"Solo: A Star Wars Story"
USA 2018
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Jon Kasdan, Lawrence Kasdan
Darsteller: Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Joonas Suotamo, Donald Glover, Thandie Newton
Produktion: Lucasfilm, Walt Disney Pictures, Allison Shearmur Productions
Verleih: Walt Disney Company
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 24. Mai 2018


Han Solo als Teil des Imperiums? Verliebt in jemand anderen als Prinzessin Leia? Es ist die Art von Gedankenspiel, mit der "Solo" die Fans verblüffen und unterhalten will. Im Gegensatz zum ersten "Stand Alone"-Film "Rogue One", der erklärte, wie die Rebellen in Besitz des Bauplans für den Todesstern kamen, hat "Solo" noch nicht mal vorgeblich vor, eine Erzähllücke im großen "Star Wars"-Epos zu füllen.

Man könnte das als eine Chance auf kreatives Freidrehen verstehen - auf ein Spiel, womöglich ein subversives, mit den Motiven und Figuren des Franchise. Dem Vernehmen nach hatten die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Christopher Miller ("The Lego Movie") etwas Ähnliches vor, bis "Star Wars"-Chefproduzentin Kathleen Kennedy sie mitten während der Dreharbeiten absägte und Veteran Ron Howard ("Rush") installierte.

Rauer Charme

Welches Material in dem fertigen Film von Lord und Miller oder Howard stammt, lässt sich nicht entscheiden. Ein überaus dunkles Licht und eine reduzierte Farbgebung, die die verschiedenen Spielorte wahlweise in flächiges Blau, Gelb oder Braun tüncht, geben dem Film zumindest vom Look her eine nahtlose Geschlossenheit. Und bei den vielen Actionszenen, unter anderem mit einem Zug, der ein freihängendes Gleis sowohl von oben als auch unten befährt, brauchte es eh keinen Autorenfilmer, um sie gut zu inszenieren.

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Die Regie ist also nicht das Problem von "Solo" - und auch Hauptdarsteller Alden Ehrenreich, der im Zuge des Regisseur-Austauschs auch noch als Schwachstelle in der Produktion kolportiert wurde, ist es nicht. Nicht so souverän wie in "Hail, Cesar!" oder "Regeln gelten nicht" macht Ehrenreich seine Sache dennoch leidlich gut und überzeugt durch rauen Charme und smoothe Action. Das Problem mit "Solo" ist schlicht die Grundidee: Han Solo ist nicht nur eine Figur, die keine Vorgeschichte braucht, im Gegensatz zu Darth Vader gibt es kein großes Rätsel aus seiner Vergangenheit, das gelöst werden müsste. Han Solo ist sogar eine Figur, bei der zu viel Vorgeschichte schadet.

Zutiefst dröge und fantasieraubend

Der entwaffnende Charme der ersten "Star Wars"-Trilogie bestand darin, dass man in ein vollständig entwickeltes Universum mit seinen eigenen Dynastien, Spezies und Konflikten geworfen wurde. Nicht umsonst begann die Reihe mit ihrem vierten Teil und musste eine laufende Schriftbahn darüber aufklären, was gerade Stand im Kampf zwischen Rebellion und Imperium war.

Sofort war man in dieser Welt unterwegs - und genauso abrupt und selbstverständlich traten die Figuren auf den Plan. Dass Han Solo einen Wookie zum Kumpan hat, sein Raumschiff einen legendären Ruf genießt und er offene Rechnungen mit einem Halunken namens Lando Calrissian hat, musste man so staunend hinnehmen und sich selbst ausmalen, wie sich das alles so ergeben haben könnte.

"Solo", geschrieben von Lawrence Kasdan und seinem Sohn Jonathan, buchstabiert das alles nun aus, erzählt, wie sich Han und Chewbacca getroffen haben, wie Han zum Millennium Falcon gekommen ist und worin sein Beef mit Lando besteht. Hätten sie das alles doch nur im Bereich der Fan Fiction belassen, statt diesen zutiefst drögen, fantasieraubenden Film zu machen. Hoffentlich wird zumindest insofern seinem Titel gerecht, als dass er das einzige Spin-off zu Han Solo bleibt.


"Solo: A Star Wars Story" kommt am 24. Mai in die deutschen Kinos.