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Splatter-Komödie: Rendezvous mit der Häckselmaschine

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Splatter-Komödie Rendezvous mit der Häckselmaschine

Der Horrorspaß "Tucker & Dale vs. Evil" stellt die Regeln des Splatter-Genres auf den Kopf: In dem Regie-Debüt des Amerikaners Eli Craig kämpfen zwei freundliche, missverstandene Hinterwäldler gegen eine Horde blutrünstiger Studenten.

Wenn eine Gruppe junger, partyfreudiger Amerikaner aus der Stadt in der Wildnis strandet und auf debile Einheimische trifft, holen letztere die Kettensäge raus und erstere werden zu Klump. So wollen es die Gesetze des Horrorfilms, so war es in "Texas Chainsaw Massacre", in "Wrong Turn" und in "Das Haus der 1000 Leichen".

Und so scheint es auch zu sein in Eli Craigs Debütfilm "Tucker & Dale vs. Evil", als eine Ladung bierdosenschwingender Studenten in den Wäldern West Virginias auf die Hinterwäldler Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) trifft. Die sind unrasiert und ungebildet, hausen in einer brüchigen Holzhütte, tragen schmierige Flanellhemden und Latzhosen, und im Garten steht eine ziemlich große Häckselmaschine. Ganz klar blutgierige Irre.

Denken jedenfalls die jungen Leute und versuchen, sich von den mutmaßlichen Massenmördern fernzuhalten. Das geht nicht mehr, als die blonde Allison (Katrina Bowden) verschleppt wird; sie können ihre Freundin nicht zurücklassen. Also versucht einer, die Polizei zu holen. Der Rest geht auf Rachefeldzug.

Volle Splatter-Glorie

Ach, hätten sie doch vorher das Gespräch gesucht. Versucht, Brücken zu bauen zwischen den Welten, Vorurteile zu überwinden. Dann wüssten sie, dass Tucker und Dale liebenswerte Landeier sind, dickste Freunde mit großem Herzen, stolz auf das neue, noch etwas renovierungsbedürftige Ferienhaus im Wald, ein bisschen schüchtern, aber nicht doof. Menschen, die sofort hinterher springen, wenn eine Frau in den Fluss fällt und fast ertrinkt. Die die Bewusstlose schnell zu sich nach Hause und ins Warme bringen, weil sich sonst niemand um sie zu kümmern scheint. Die sie auf die Couch legen, ihr Suppe kochen und sie sonst nicht anrühren. So sind die zwei, und so machen sie es mit Allison, als die nach einem Badeunfall ihre Hilfe braucht.

Alles also ein Missverständnis, das sich leicht klären ließe, wenn sich die Studenten nicht gar so sehr in ihre Paranoia hineinsteigerten, und wenn sie sich bei ihren Rettungs- und Vergeltungsaktionen etwas geschickter anstellten. Doch sie blasen zum Angriff - und bringen sich dabei selbst um. Man sollte einfach nicht mit blinder Wut durch spitzes Geäst rennen. Und auf niemanden springen, der gerade an einer laufenden Häckselmaschine steht.

"Tucker & Dale vs. Evil" mag die Genre-Konventionen umdrehen, wenn der Film die designierten Bösewichter zu hilflosen Opfern erklärt. Doch das Ergebnis bleibt dasselbe: gehäckselte, durchbohrte und gegrillte Studenten. Der viel größere Unterschied zu den meisten Horrorfilmen heutiger Tage ist die seltsame Warmherzigkeit, die durch das Gemetzel durchscheint. Das Blut fließt und die Gedärme spritzen in voller Splatter-Glorie, aber ohne den kalten Zynismus und hohlen Voyeurismus, wie sie vor allem die "Saw"-Filme kultiviert haben.

Fehlgeleitete Wirrköpfe

In "Tucker & Dale vs. Evil" ist alles nur Spaß, nicht so ernst gemeint, und die Helden sind tatsächlich sympathische Menschen, die man liebhaben muss. Die Bösen sind so böse auch nicht, nur fehlgeleitete Wirrköpfe, die einem auf ihrem Amoklauf ins Verderben fast leidtun könnten, wenn das ganze nicht so cartoonhaft überzogen wäre, dass man viel zu sehr damit beschäftigt ist, sich kaputtzulachen.

Denn das Kostbarste an "Tucker & Dale vs. Evil" sind Witz und Charme - und die Tatsache, dass Regisseur Eli Craig und seine beiden herzigen Hauptdarsteller wissen, dass Timing das wichtigste in einer Komödie ist. Ernsthaft gruseln muss sich trotz des ganzen Splatters niemand.

Bis auf den Typen, der in der Häckselmaschine landet, natürlich.

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