Neue "Star Wars"-Besetzung Rückkehr der Jedi-Rentner

Auf Nummer sicher, aber ziemlich clever: Regisseur J.J. Abrams hat die Besetzung seines "Star Wars"-Films bekanntgegeben. Die Fans der Saga werden mit einem Comeback alter Helden betört, die Hauptrollen spielen Jungstars aus Großbritannien.

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Natürlich ein Schwarzweißfoto. J.J. Abrams weiß, wie man einen Klassiker inszeniert, der erst noch einer werden will: mit impliziter Nostalgie. Das am Dienstag veröffentlichte Wohnzimmerbild, auf dem der Cast des neuen "Star Wars"-Films beim gemütlichen Plausch in großer Runde zu sehen ist, erinnert an alte, monochrome Set-Fotos aus den Siebzigern, jener von Filmfans verklärten Zeit, als George Lucas mit dem "Krieg der Sterne" das erste große Kino-Franchise schuf.

Abrams hat Erfahrung im Umgang mit Hardcore-Fans. Der Schöpfer der TV-Mystery "Lost" renovierte bereits die "Star Trek"-Filmserie und besänftigte Skeptiker mit viel Gespür für Fan-Bedürfnisse und behutsamen, wohlüberlegten Casting-Entscheidungen. Mit ähnlicher Taktik hat der 48-jährige Regisseur nun auch seinen noch unbetitelten "Star Wars"-Film besetzt, der im Dezember 2015 ins Kino kommen soll. Die Dreharbeiten sollen in den kommenden Wochen beginnen.

Dass die alte "Star Wars"-Garde, namentlich Carrie Fisher, 57, Mark Hamill, 62, und Harrison Ford, 71, wieder mitspielen darf, galt bereits als sicher. Angeblich war es George Lucas, nach dem Verkauf der "Star Wars"-Rechte an Disney nur noch Berater an der Seitenlinie, der die Gerüchte erstmals streute. Wahrscheinlich hat Abrams es vor allem ihm zu verdanken, dass Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia nun tatsächlich wieder mit von der Partie sind. Wie groß ihre Rollen sein werden, darüber lässt sich bisher nur spekulieren. Vermutlich werden sie, ähnlich wie Leonard "Spock" Nimoy in Abrams' erstem "Star Trek"-Film, markante Kurzauftritte haben.

Die jungen Briten kommen!

Sie sind nicht die einzigen alten Bekannten, die zum Sternenkrieg-Sequel antreten: Der Riese Peter Mayhew, 69 Jahre alt, wird noch einmal als Fan-Favorit Chewbacca sein Wookie-Geheul anstimmen. Zehn Jahre älter ist der weitaus kleinere Kenny Baker, der erneut den Droiden R2-D2 spielen wird - und auch Anthony Daniels, 69, ist als goldener Robot-Butler C-3PO wieder dabei. Fans der ersten drei Filme, Originaltrilogie genannt, dürfen sich also über Comebacks liebgewonnener Charaktere und Akteure freuen - was Abrams für den Plot seines Films und die Besetzung der Hauptrollen den Rücken freihalten dürfte.

Denn wie einst Vorbild George Lucas hat sich Abrams einige frische, weitgehend unverbrauchte Gesichter als Hauptakteure ausgesucht, allen voran die bisher nur im britischen TV aktive Daisy Ridley, angeblich Jazz-Sängerin, Schwimmerin und Tänzerin Anfang 20. Dazu kommen der aus der Sci-Fi-Komödie "Attack The Block" (2011) bekannte John Boyega, ebenfalls Brite, sowie Domnhall Gleeson, der in den letzten zwei "Harry Potter"-Filmen einen Weasley-Bruder spielte, ein Ire. Alle drei sollen in "Episode VII" signifikante Rollen übernehmen. Abrams folgt damit dem in Hollywood seit Jahren grassierenden Trend, neue Talente vorzugsweise aus Großbritannien zu rekrutieren.

Um diese drei Newcomer herum baut Abrams eine Riege verlässlicher, bereits etablierter Künstler: Gollum-Darsteller Andy Serkis ist dabei, so dass darüber spekuliert werden darf, welche außerirdische Phantasiefigur er übernehmen wird. Wenn es gutläuft, ist es ein Nachfahre des Jedi-Schulmeisters Yoda oder ein Verwandter des schurkischen Riesenkröterichs Jabba The Hutt. Wenn es schlechtläuft, ist es eine auf Kinder-Entertainment zielende Witzfigur wie Jar-Jar Binks.

Dazu gesellt sich Hollywood-Veteran Max von Sydow, 85, dessen sinistrer Charme vermutlich einem Sith-Lord oder ähnlich düsteren Gestalten Charakter verleihen wird. Adam Driver ist der intellektuellen Fernsehgemeinde als einziges - aber sehr markantes - männliches Ensemblemitglied der Serie "Girls" bekannt. Und schließlich wird mit Oscar Isaac einer der talentiertesten Darsteller der vergangenen Jahre mitspielen. Der singende Melancholiker aus der Coen-Brüder-Musikerballade "Inside Llewyn Davis" soll angeblich eine Art Han-Solo-Figur spielen.

Es scheint also, als hätte Abrams beim Casting an so ziemlich jede demografische Gruppe gedacht, die Ultra-Fans kommen ebenso auf ihre Kosten wie Arthouse-Freunde und TV-Freaks. Nur Frauen kommen, auch das eine vielleicht unfreiwillige Lucas-Reminiszenz, auffällig zu kurz. Carrie Fisher und Daisy Ridley sind die einzigen Darstellerinnen in einem Ensemble größtenteils alter Männer.

Zunächst scheint Abrams jedoch einige Weichen für eine erfolgreiche Wiederbelebung der "Star Wars"-Saga richtig gestellt zu haben. Und mit Drehbuch-Autor Lawrence Kasdan verfügt er außerdem über den Mann, der mit "Das Imperium schlägt zurück" das Skript des beliebtesten Teils der Originaltrilogie mitverantwortete. Kann da noch etwas schiefgehen? Jede Menge. Möge die Macht mit ihnen sein.



insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
Karl_Lauer 30.04.2014
1.
Adam Driver und Oscar Isaac haben schon etwas drauf, das lässt hoffen. JJ Abrams traue ich leider überhaupt nichts zu. Da muss schon ein kleines Wunder geschehen dass das keine linsenreflex-überladene Verbastardisierung à la nouveaux Star Trek wird :/
Gallandor 30.04.2014
2. JJ Abrams??
War das nicht der Typ der Star Trek mit dem Reboot quasi gegen die Wand gefahren hat? Der Typ kann keine Geschichten erzählen, geschweige denn ein Märchen im Stil von Star Wars erzählen .. Mir graut es jetzt schon vor den neuen Filmen. :(
!!!Fovea!!! 30.04.2014
3.
was muss wohl für eine Ideenarmut in Hollywood sein, dass man ständig irgendwelche quasi remakes produziert, deren Zugpferde noch nicht zum abdecker geführt wurden. nur des Kommerz willen.
chaps 30.04.2014
4. Meister Yoda sagt
"Unnötig der Film ist!"
dondog 30.04.2014
5.
Glaube nicht dass das was wird. Viel CGI, viel Action, wenig Tiefgang, kein Star Wars Feeling. Liegt vieleicht auch daran dass damals mehr Gras und LSD konsumiert wurde. Heutzutage wohl eher mehr Koks. Die neuen Star Trek Filme hatten auch kein Funken Star Trek Seele.
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