Stauffenberg-Drama Cruise kriegt deutsche Fördergelder

Tom Cruise soll nicht im Bendlerblock drehen: Jetzt verteidigt auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann das Drehverbot für das Widerstandskämpferdrama "Valkyrie" in der historischen Gedenkstätte. Indes wurden der US-Produktion deutsche Fördergelder zugesprochen.


Berlin - In der "Berliner Morgenpost" sagte Neumann, der Bendlerblock sei ein historischer Ort, der durch Dreharbeiten verletzt werden könne. Nach dem gescheiterten Hitler-Anschlag vom 20. Juli 1944 war Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit anderen Verschwörern im Hof des Gebäudes erschossen worden.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann: "Kein Schaden für den Filmstandort"
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Kulturstaatsminister Bernd Neumann: "Kein Schaden für den Filmstandort"

Hollywoodstar Tom Cruise, der den Hitler-Attentäter in dem Film "Valkyrie" spielt, wollte gerne an Originalschauplätzen drehen, für die am 18. Juli beginnenden Dreharbeiten in Berlin hatte das zuständige Bundesfinanzministerium jedoch eine Drehgenehmigung für den Bendlerblock abgelehnt.

Der TV-Regisseur Jo Baier hatte zuletzt Tom Cruise in seinem Wunsch unterstützt, die Rolle des Widerstandskämpfers Stauffenberg verkörpern zu wollen. Die moralischen Maßstäbe, mit denen die Debatte um den Schauspieler geführt werde, seien fehlplatziert. Baier selbst hatte für seinen Dreh im Bendlerblock für die ARD-Produktion "Stauffenberg" im Jahr 2003 eine Genehmigung erhalten.

Kulturstaatsminister Neumann (CDU) betonte jetzt, er könne verstehen, dass ein Regisseur am liebsten an authentischen Orten arbeite. "Aber der Bendlerblock ist eben auch Gedenkstätte und die Würde dieses Ortes kann durch Dreharbeiten verletzt werden, selbst wenn das von dem Filmteam nicht beabsichtigt ist." Neumann glaubt nicht, dass die Ablehnung der Drehgenehmigung im Bendlerblock dem Filmstandort Deutschland schadet. Deutschland sei als internationalen Produktionsstandort "so begehrt wie nie zuvor".

Von dem Drehortverbot unbeeinflusst bleibt der Antrag der Produktion auf deutsche Filmförderung. Die Produktion von "Valkyrie" erhält eine finanzielle Unterstützung von 4,8 Millionen Euro aus Mitteln des Deutschen Filmförderfonds (DFFF). Diese Summe bestätigte die Projektleiterin des DFFF, Christine Berg, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Nach einem Beiratsbeschluss sei die automatische Förderung von vier Millionen Euro (die immer dann greift, wenn Deutschland - in diesem Fall über das Studio Babelsberg - an der Produktion beteiligt ist) um 800.000 Euro aufgestockt worden. Die Bundesregierung bezuschusst das deutsche Kino über den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) bis 2009 jährlich mit einem Volumen von 60 Millionen Euro. "Valkyrie" wird von dem US-Studio United Artists produziert, dessen Geschäftsführer Tom Cruise ist.

In der seit Tagen geführten öffentlichen Debatte um den Film hat sich die Kritik vor allem an Hauptdarsteller Tom Cruise entzündet, der ein bekennender Anhänger der umstrittenen Organisation Scientology ist. Der älteste Sohn des Hitler-Verschwörers, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, hatte sich wiederholt gegen die Darstellung seines Vaters durch den Hollywood-Star ausgesprochen.

bos/ddp/Reuters

Korrektur: Irrtümlicherweise wurde die Filmförderung der Produktion von "Valkyrie" in diesem Artikel zunächst der Filmförderungsanstalt (FFA) zugesprochen. Die Summe stammt jedoch aus dem Fördertopf (DFFF) des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM).



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