Stauffenberg-Film Cruise soll Verschwörer um Rat bitten

Der Sohn des Hitler-Verschwörers Stauffenberg bleibt dabei - als Scientologe ist Tom Cruise ihm unsympathisch. Die Widerstands-Stiftung 20. Juli 1944 rät dem Schauspieler nun, sich mit ehemaligen Putschisten zu beraten. Regisseur Jo Baier stellt sich hinter den Hollywood-Star.

Bonn - Die Stiftung 20. Juli 1944, die nach dem Tag des versuchten Hitler-Attentats benannt ist, hat Hollywood-Star Tom Cruise aufgefordert, Angehörige des Widerstandskämpfers in die Vorbereitung seines Stauffenberg-Films einzubeziehen.

Der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Rüdiger Voss, sagte der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur": "Es geht nicht um die Bewahrung der verfassungsrechtlichen Garantie der künstlerischen Freiheit, die grundsätzlich auch in diesem Falle zu schützen ist". Schon dass die Angehörigen bisher nicht beteiligt worden seien, sei eine Verletzung ihrer legitimen Interessen. Es gehe ihm aber ausschließlich um die Bewahrung der Würde der Verletzten.

Die Dreharbeiten für den Film "Valkyrie" sollen in diesem Monat in Berlin beginnen. Tom Cruise hat sich vor kurzem in Berlin aufgehalten, um Drehorte zu besichtigen. Wegen seiner Mitgliedschaft in der Scientology-Sekte stößt das Filmvorhaben in Deutschland auf Kritik. Das zuständige Bundesfinanzministerium will keine Drehgenehmigung für den Bendlerblock erteilen, wo heute das Verteidigungsministerium residiert. Dort wurde Stauffenberg nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler hingerichtet.

Der älteste Sohn des Widerstandskämpfers, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, forderte in der "Süddeutschen Zeitung", Cruise "soll seine Finger von meinem Vater lassen. Er soll einen Berg besteigen oder in der Karibik surfen gehen. Es ist mir wurscht, solange er sich da raushält." Es sei ihm unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe seinen Vater verkörpere. Zudem befürchte er, "dass da ein grauenvoller Kitsch rauskommt". Juristische Schritte plane er aber nicht, sagte der pensionierte Generalmajor der Bundeswehr. Sein Vater sei nun einmal eine Person der Zeitgeschichte: "Verhindern kann ich diesen Film ohnehin nicht."

Indes stellte sich der TV-Regisseur Jo Baier ("Stauffenberg") hinter Hauptdarsteller Tom Cruise. Er könne die Aufgeregtheit der Debatte nicht verstehen, sagte Baier im "Deutschlandradio Kultur". Es sei bisher nie um den Inhalt des Films gegangen, sondern alles hänge sich an Cruise auf.

"Ich denke, wenn man bei jedem Schauspieler, sei es in Deutschland, sei es in Hollywood, irgendwelche moralischen Maßstäbe oder andere Maßstäbe anlegte, die unser Zusammenleben betreffen, dann wäre wahrscheinlich die Ausbeute an Schauspielern, die noch verwendbar sind, relativ gering", betonte Baier. Auch dass sich Hollywood des Stoffes annehme, hält Baier für nahe liegend.

2003 hatte Baier mit Sebastian Koch in der Hauptrolle für den ARD-Film "Stauffenberg" im Berliner Bendlerblock gedreht. Cruises Produktionsfirma erhielt jetzt dagegen keine Drehgenehmigung.

bos/ap/ddp

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