Streitfall "Sin City" Kinoketten einigen sich mit Verleih

Weil der Verleih die Filme verfrüht als DVD herausbringen wollte, stellten sich die großen Kinobetreiber quer: die Autokomödie "Herbie Fully Loaded" und der Thriller "Sin City" konnten nicht in den Multiplex-Palästen starten. Heute kam es zur Einigung - Benzin und Blut fließen nun doch auf der großen Leinwand.


Szene aus "Sin City" (mit Carla Gugino, Mickey Rourke): Zwischenstation in der Musikhalle

Szene aus "Sin City" (mit Carla Gugino, Mickey Rourke): Zwischenstation in der Musikhalle

Es war ein beschwerlicher Weg, den "Sin City" und "Herbie" bis zu den deutschen Leinwänden zurücklegen mussten. In ihren Gesprächen konnten sich die Vertreter von Cinestar, Cinemaxx, UCI und Kinopolis jetzt jedoch mit Buena Vista auf "faire und einvernehmliche Konditionen" einigen, heißt es in einer Pressemitteilung. Der für gestern angekündigte Filmstart von "Sin City" war aufgrund der Auseinandersetzungen der vier großen Kinoketten mit dem Verleih Buena Vista International abgesagt worden. "Herbie Fully Loaded" sollte bereits am 4. August anlaufen.

Die Kinobetreiber hatten es abgelehnt, die Filme in ihr Programm aufzunehmen, nachdem der Verleih angekündigt hatte, sowohl "Herbie" als auch "Sin City" noch vor Weihnachten als DVD auf den Markt zu bringen. Bisher gilt in Deutschland eine Zweitvermarktungssperre von sechs Monaten. Die großen Kinos hatten ein Entgegenkommen des Verleihs bei der Höhe der Leihgebühr gefordert, um die Filme ohne wirtschaftliche Einbußen zeigen zu können.

"Wir haben Konditionen gefunden, um beide Filme zu zeigen", bestätigte Cinestar-Sprecher Jan Oesterlin die Einigung gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Beide Filme werden in einem Großteil unserer Kinos ab Samstag, spätestens aber ab Donnerstag zu sehen sein." Dass der Film nicht schon heute in allen Lichtspielhäusern anläuft, habe technische Gründe. "Die Spulen müssen produziert, ausgeliefert und aufgezogen werden. Diese Arbeit liegt jetzt bei Buena Vista. Wir erhalten die Filme immer erst nach Vertragsabschluss vom Verleih. Es ist also nicht so, dass die Filme seit Wochen in unseren Kinos liegen", so der Cinestar-Sprecher weiter. Der Filmstart von "Herbie" und "Sin City" variiert also von Kino zu Kino.

Über Einzelheiten der Einigung mit Buena Vista wollte sich Oesterlin nicht äußern. "Über vertragliche Details geben wir auch bei anderen Filmen keine Auskunft", sagte er. Von einem Boykott der Filme habe jedoch von Anfang an keine Rede sein können: "Wir haben die ganze Zeit mit Buena Vista in Verhandlungen gestanden und konnten die Filme nur nicht zu den bestehenden Konditionen zeigen", so Oesterlin.

Da Not bekanntlich erfinderisch macht, hat sich Buena Vista etwas einfallen lassen, um "Herbie" und "Sin City" - unabhängig von den Forderungen der großen Kinos - schnell auf die Leinwand zu bringen. In Lübeck mietete der Verleih kurzer Hand die Musik- und Kongresshalle an. Dort war "Sin City" dann bereits gestern Abend zu sehen. Bis zum 21. August tummelt sich auch "Herbie" noch zwischen den Musikern des Schleswig-Holstein Musikfestivals. Robert Rodriguez' und Frank Millers' Comic-Verfilmung wird jedoch nicht mehr in der Veranstaltungshalle zu sehen sein.



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