Sündenfall DVD Kinoketten boykottieren "Sin City"

Bereits vergangene Woche haben sich die großen Kinos geweigert, den Film "Herbie: Fully loaded - Ein toller Käfer startet durch!" ins Programm zu nehmen. Nun droht auch "Sin City" dem Streit der Betreiber mit dem Verleih zum Opfer zu fallen.

Für "Herbie" ging das "Durchstarten" in Deutschland gewaltig daneben. Der "tolle Käfer" blieb dem deutschen Publikum bisher verborgen. Die großen Kinoketten Cinestar, Cinemaxx und UCI hatten sich in der vergangenen Woche geweigert, "Herbie: Fully loaded - Ein toller Käfer startet durch!" ins Programm zu nehmen, nachdem die Verleihfirma Buena Vista International angekündigt hatte, den Film bereits im Dezember als DVD auf den Markt zu bringen.

Heute sollte nun die Comic-Verfilmung "Sin City" in den Multiplex-Palästen anlaufen. Aber die drei großen Kinobetreiber streiten auch bei diesem Film mit den Verleihern über die sogenannte Zweitvermarktung per DVD oder Video. Bisher war es in Deutschland üblich, dass zwischen der Erstausstrahlung der Filme im Kino und der Zweitvermarktung rund sechs Monate liegen.

"'Sin City' wird voraussichtlich noch vor Weihnachten als DVD auf den Markt kommen", sagte eine Sprecherin der Verleihfirma Buena Vista International, Kerstin Butenschön, zu SPIEGEL ONLINE. Und genau hier liegt das Problem: Mit einer Vermarktung der Filme als DVD bereits vor Ende des Jahres unterschreitet Buena Vista die Zweitvermarktungs-Frist um rund einen Monat.

Ziel der Verleiher und Produktionsfirmen ist es, durch Raubkopien entstehende Verluste einzudämmen, indem man die DVDs möglichst schnell vermarktet. Die Kinobetreiber sehen durch dieses Vorgehen jedoch die Exklusivität der Aufführung eines Films im Kino bedroht. Man hat Angst, dass die Zuschauer zuhause auf die DVD oder das Video warten, anstatt die Lichtspielhäuser zu besuchen. Bei gleichbleibenden Kosten sei die Aufführung der Filme so nicht mehr wirtschaftlich, sagte Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt dem Online-Magazin "Telepolis".

Entsprechend fordern die Kinobetreiber ein Entgegenkommen der Verleiher bei der Höhe der Filmmieten. Die einzige Alternative zu einer solchen Verringerung der Kosten sei, die Eintrittspreise zu erhöhen. Das scheine aber in der aktuellen konsumschwachen Zeit keine Option zu sein, so Schmidt weiter.

Da sich die großen Kinobetreiber und die Verleihfirma in der vergangenen Woche nicht einigen konnten, blieb "Herbie" in der vergangenen Woche ungesehen auf seiner Spule. Und auch Robert Rodriguez' und Frank Millers' "Sin City" läuft heute nicht, wie geplant, in den Cinestar-, Cinemaxx- und UCI-Kinos an.

"Aus wirtschaftlichen Gründen haben wir den Film heute noch nicht mit in das Programm aufgenommen, da die Leihkosten unserer Ansicht nach zu hoch sind. Aber die Gespräche mit dem Verleih laufen noch. Es ist möglich, dass wir den Film nachträglich noch aufnehmen", sagte Cinestar-Sprecher Jan Osterlin zu SPIEGEL ONLINE. Zur Auseinandersetzung selbst und zum Stand der Verhandlungen wollten weder Buena Vista noch die Kinobetreiber Stellung nehmen.

Es besteht also noch Hoffnung, dass "Sin City" doch noch die ganz großen Leinwände erobert.

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